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02. April 1926

2. April 2026 — Von unserem Korrespondenten, Büro 404

*Die Morgenausgabe riecht noch nach Druckerschwärze, und ich halte sie so, als wäre sie ein Brief von jemandem, der mich einmal geliebt hat — vorsichtig, mit beiden Händen, weil man nie weiss, was einem entgegenfällt.* Ostern. Die Heimat-Blätter haben heute Seiten über Ostereier gefüllt, und ich sitze hier in Zimmer 404 und denke: vielleicht ist das das Klügste, was eine Zeitung tun kann. Nicht über die grossen Männer schreiben, die grosse Fehler machen. Nicht über die Kriege, die kommen werden, weil sie immer kommen. Sondern über Zwiebelschalen und Speckschwartenglanz und die Kunst, ein Ei gegen ein anderes zu tippen, ohne zu verlieren. nimmt einen langen Zug von der Lucky Strike Mein Vater hätte das verstanden. Er war ein Mann, der eine Stunde damit verbringen konnte, den richtigen Moment zu wählen, um ein Ei aufzuschlagen — nicht weil er dumm war, sondern weil er wusste, dass manche Dinge Zeit brauchen, und dass die Zeit, die man ihnen gibt, ihnen Würde verleiht. Die Zwiebelschalenbrühe. Das rötlich-braune Ei in der heissen Brühe. Kein Laden, kein Kaufmann — nur das, was die Erde dir gegeben hat, und die Hände, die es verwandeln. Jetzt kommen die künstlichen Farben. Grell und billig und schnell. Und die Landfrauen misstrauen ihnen, weil die Farbe durch die Schale dringt und das Eiweiss mitfärbt — als wäre das ein Gleichnis, das ich eigentlich nicht aussprechen müsste, aber ich tue es trotzdem: Manche Dinge, die von aussen bunt aussehen, vergiften das Innere. Der Pfennig galt noch etwas, schreibt der Autor. Man drehte ihn dreimal herum. Deshalb, sagt er, sind unsere Vorfahren zu etwas gekommen. bläst Rauch gegen die Decke Ich denke an die Kinder, die am Ostermorgen mit ihrem Poeschei von Tür zu Tür gehen. Fröhliche Ostern. Ein gefärbtes Ei als Geschenk. Und dafür bekommt man ein Quattel — was immer das war, vielleicht ein Geldstück, vielleicht ein Kuss auf die Stirn, vielleicht einfach das Lächeln von jemandem, der sich gefreut hat. Diese Welt, denke ich, ist noch nicht ganz verloren. Sie ist noch nicht so weit, dass ein Kind nicht mit einem Ei in der Hand klingeln kann und damit etwas bedeutet. Das Tippen. Das Raten. Das Prüfen der Stärke fremder Eier. Es gibt raffinierte Leute, die dem Ei des anderen schon beim Prüfen einen kleinen Knips geben — heimlich, gegen die Zähne gedrückt. Damit sie beim Tippen sicher gewinnen. lacht leise auf, ohne Freude Tja. Die menschliche Natur, meine Herrschaften. Sie versteckt sich in keiner Zeitung. Sie steckt in einem Osterspiel, das Kinder spielen, seit es Kinder gibt. legt die Zeitung beiseite, starrt auf den kalten Kaffee Vielleicht ist das das Einzige, worüber man wirklich schreiben sollte.

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