Börse 1937

Donnerstag, 19. März 2026

Politik

Wenn die Rechenfabrik Wasser trinken will


Visakhapatnam, Juli 2026. Die Stadt am Golf von Bengalen schwitzt, und nicht nur wegen der Jahreszeit. An den Kreuzungen stehen Männer mit kahlrasierten Köpfen, an der Strandpromenade tragen Bürgerinnen Plakate, in einer öffentlichen Bibliothek sitzt ein ehemaliger Menschenrechtler und spricht über das Recht, Fragen zu stellen. Es ist, als habe sich die Stadt gleichzeitig in mehrere Bühnen verwandelt, auf denen dasselbe Stück gespielt wird — mit verschiedenen Besetzungen, ähnlichen Kostümen und einem gemeinsamen Bühnenbild: das Versprechen einer Zukunft, die in Megawatt gemessen wird.

Am Donnerstag, dem 17. Juli, formierte sich an der Kreuzung Pedagadili im Stadtteil Arilova eine Kette aus Leibern. Die Kommunistische Partei Indiens (CPI) hatte dorthin gerufen, und zwei ihrer Funktionäre hatten sich, in einer Geste, die älter ist als jede Glasfaserleitung, den Kopf scheren lassen. J.V. Satyanarayana Murthy, Mitglied des Landesvorstands der CPI, nannte die Zahl, um die es geht: das geplante Rechenzentrum bei Mudasarlova soll eine genehmigte Leistungsaufnahme von rund 512 Megawatt erhalten. Hinzu kommen Projekte in Tarluvada und Rambilli. Murthy sprach von Druck auf Wasser und Strom, von Hitze, Lärm und Schadstoffen in angrenzenden Wohngebieten — eine Aufzählung, die sich wie eine Litanei liest, deren Wortlaut überall dort wiederkehrt, wo Rechenfabriken das Land erreichen.

Am selben Tag, an einem anderen Punkt in derselben Stadt — TIC Point, ebenfalls in Arilova — hatten die Genossen der CPI(M) eine Motorradkundgebung organisiert, gefolgt von einer öffentlichen Versammlung. K. Lokanadham, Mitglied des Zentralkomitees der Partei, und der Distriktsekretär M. Jaggu Naidu wandten sich gegen die Nähe der Anlagen zu Wohngebieten und zum Stausee von Mudasarlova, einer Wasserquelle, die für die Stadt nicht nur Versorgung bedeutet, sondern auch Identität. Die Redner der CPI(M) stellten die Zuteilung der Grundstücke in Frage und verwiesen auf Anwohner, die noch immer nicht im Besitz ihrer Wohnstättenpatente seien — ein Detail, das in der Logik der Versammlung schwerer wog als jede Zusage zur Schaffung von Arbeitsplätzen, welche die Landesregierung bislang nicht habe belegen können. Beide Parteien forderten die Regierung auf, die Genehmigungen und Landzuteilungen zurückzunehmen und die Projekte in nicht-residentiale Gebiete zu verlagern.

Drei Tage später, am Sonntag, dem 20. Juli, verlagerte sich die Szenerie an die Strandpromenade. Umweltorganisationen, Bürgerrechtsgruppen sowie eine neue Konstellation — die Coalition for AI Regulation gemeinsam mit Green Vishaka — marschierten entlang der Küstenstraße. Mitglieder von Umweltkollektiven aus verschiedenen Teilen des Landes hatten sich eingefunden, nachdem am Vortag im Alluri Seetharama Raju Vignana Kendram ein Seminar stattgefunden hatte, in dem die Coalition for AI Regulation einen Fact-Finding-Bericht vorlegte. Raja Rama Mohan Roy, Präsident von Green Vishaka, sprach von der Untrennbarkeit von Umwelt und Mensch. Deeksha Vanguru von der Coalition for AI Regulation sagte den Satz, den man sich merken sollte: „Data centres have been constantly rejected by the West. However, our authorities welcome them because they only see money and not people's welfare." Es ist eine Feststellung, die in ihrer Nüchternheit beinahe diplomatisch klingt.

Der Bericht dokumentierte die Auswirkungen auf die Anwohner — insbesondere auf Dalit-Bauern in Tarluvada. Gefordert wurden eine unverzügliche öffentliche Konsultation, angemessene Land- und Finanzentschädigung für die betroffenen Bauern, vollständige Transparenz und die Durchführung einer Umwelt- sowie einer Sozialverträglichkeitsprüfung, bevor das Verfahren weitergehe. Die Projekte seien, so der Vorwurf, in „willkürliche Kategorien" einsortiert worden, um die Genehmigungen zu beschleunigen. Die Organisatoren wandten sich zugleich gegen eine angebliche Repression jener, die sich kritisch äußerten, und forderten den Stopp der Vorhaben, bis ihre Forderungen erfüllt seien.

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Technologie

KOSPI zerbricht: 34 Prozent in 25 Tagen nach 300 Prozent Rausch

28. Juli 2026 — Ada Voss, auf Sendung

Seoul. Die Drähte glühen. Was heute an der Börse von Seoul passierte, ist kein gewöhnlicher Kurseinbruch — es ist die Quittung für kollektiven Größenwahn. Der KOSPI verlor am heutigen Handelstag 10,8 Prozent. Auf den Tag gerechnet ein Beben, wie es die südkoreanische Börse seit Jahren nicht gesehen hat. Im Verlauf der letzten 25 Handelstage büßte der Index insgesamt 34 Prozent ein. Und das nach einem vorherigen Anstieg von 300 Prozent, der sich über Monate aufgebaut hatte wie ein Kartenhaus im Sturm.

Wer die Kurve sieht, versteht. Wer nur die Zahl liest, hat den Mechanismus nicht begriffen. Drei Phasen, drei Fieberkurven: Erst der Rausch, dann die Katerstimmung, jetzt der Schnitt. Dazwischen liegen jene Stunden, in denen ein ganzer Markt sich einredet, diesmal sei alles anders.

Politik

Die Architektur der fünf Prozent

28. Juli 2026 — Kastner

Fünf Prozent. Eine Zahl, so klein, dass sie im Portemonnaie kaum ein Echo hinterlässt, und doch groß genug, dass die Hong Kong Tourism Board sie am Montag dieser Woche mit dem vollen Ornat einer amtlichen Mitteilung in die Welt setzte. Wer am 27. Juli 2026 die Meldung las, sah zunächst das, was alle sehen sollten: eine freundliche Geste, eine Einladung zum Konsum, ein sommersprossiges Versprechen für die kommenden zwei Monate.

Technologie

POLIZEI WILL FAHRENDE FILMEN — DEBATTE FEHLT

28. Juli 2026 — Ada Voss, auf Sendung

Eine geplante Erweiterung des Polizeigesetzes sieht vor, dass die Polizei künftig Personen beim Autofahren filmen darf. Was als technische Ergänzung daherkommt, ist ein Eingriff in die Privatsphäre von erheblichem Gewicht — eine Entscheidung, die einer gründlichen öffentlichen Debatte bedarf. Diese Debatte hat bislang nicht stattgefunden.

Die Meldung erreichte uns über einen einzelnen Kanal. Ein Entwurf, kursierend in juristischen Kreisen, sieht die Ausweitung polizeilicher Befugnisse auf den Straßenverkehr vor. Filmaufnahmen von fahrenden Bürgerinnen und Bürgern — wann genau, wie lange, unter welchen Bedingungen, mit welcher Technik — all das bleibt vorerst im Nebel. Und genau dieser Nebel ist das Problem.

Politik

Vom Cat-Drawer zum Peacock-Stoff: Anatomie eines literarischen Aufstiegs

28. Juli 2026 — Kastner

Es gibt Geschichten, die beginnen mit dem richtigen Riecher, und solche, die beginnen mit einer Katze. Im Fall von Matt Dinniman, dem Autor der inzwischen 13,5 Millionen Mal verkauften Buchreihe "Dungeon Crawler Carl", ist es womöglich die Katze. "I mean, it's got a cat in it", sagte er jüngst in San Diego, mit jener beiläufigen Aufrichtigkeit, die nur sich leistet, wer nichts mehr beweisen muss. Man hört den Handschuh über das Glas streifen, wenn er es sagt.

Technologie

Zugang zur Infrastruktur

28. Juli 2026 — Ada Voss, auf Sendung

Brandenburg. Die Landesregierung hat angekündigt, den Zugang zu Informationen über kritische Infrastruktur künftig restriktiver zu handhaben. Die Begründung folgt einem Wort, das in den letzten Monaten beinahe täglich durch die Depeschen rauscht: Schutz.

Die Terminal Tribune hat eine Mitteilung der brandenburgischen Verwaltung erhalten, die den Wortlaut der neuen Regelung nur in Umrissen beschreibt. Die Quelle ist bislang singulär. Sie stammt von einer Behördenangestellten, die offenbar wenig Vertrauen in die eigene Pressestelle hat. Wir prüfen sie. Wir veröffentlichen sie nicht, weil wir sie für gesichert halten, sondern weil sie die Richtung markiert, in die Brandenburg steuert.

Politik

Das Phantom der vierzigtausend Häuser

28. Juli 2026 — Kastner

Es gibt Lügen, die den Geruch von gutem Leder tragen: man faltet sie sorgfältig, legt sie in polierte Mappen, und sie überstehen jeden Winter. So verhält es sich mit der Behauptung, der Bürgermeister von London, Sadiq Khan, plane den Bau von vierzigtausend Wohnungen — ausschließlich für Muslime. Die Geschichte ist nicht neu. Sie ist so alt wie das Misstrauen, das sie nährt, und sie kehrt wieder, wie eine Melodie, die niemand bestellt hat und die doch jeder zu kennen glaubt.

Technologie

Marysville kämpft um den Namen, den Sacramento strich

28. Juli 2026 — Ada Voss, auf Sendung

MARYSVILLE — Eine Kleinstadt im Norden Kaliforniens führt einen Kampf, den in Sacramento kaum jemand hören will. Die Marysville High School, seit knapp hundert Jahren mit dem Maskottchen „Indians" unterwegs, hat am vergangenen Mittwoch den Namen offiziell aus dem Verkehr gezogen. Ein Gesetz, das Gouverneur Gavin Newsom im September 2024 unterzeichnet hatte, trat in Kraft: die erweiterte Fassung des California Racial Mascot Act verbietet öffentlichen Schulen im Staat, „herabsetzende native amerikanische Begriffe" als Maskottchen oder Sportteamnamen zu verwenden.

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Politik

Wenn das Abstrakte konkreter wird, hält die Republik den Atem an

28. Juli 2026 — Kastner

Es gibt Sätze, die wie Visitenkarten eines neuen Zeitalters klingen. Alexander Dobrindt, Bundesinnenminister, lieferte am vergangenen Wochenende einen solchen Satz, abgedruckt in der Welt am Sonntag, datiert auf den 18. Juli 2026. Er sagte nicht: Wir haben einen Anschlag vereitelt. Er sagte nicht: Eine konkrete Planung liegt vor, mit Namen, Daten, Zielorten. Er sagte lediglich, die Sicherheitslage Deutschlands werde von „abstrakt" auf „hoch" heraufgestuft. Und fügte hinzu, man müsse „zu jeder Zeit in Deutschland" mit Anschlägen rechnen. „Pläne für Anschläge gegen unser Land sind klar erkennbar", sagte er. Dobrindt nannte drei Risikofelder: Infrastruktur, Personen, Institutionen.

Vermischtes

Montana, der Affenbiss und die Akte Munger

18. Juli 2026 — Prof. Kessler

Die Pfeife ist kalt. Gut so. In meinem alten Beruf hätte das bedeutet, das Experiment läuft noch. Heute bedeutet es: jemand hat die Akte geschlossen, bevor ich sie öffnen konnte.

Vincent Munger, ehemaliger Leiter der Virus Ecology Unit in den Rocky Mountain Laboratories von Montana, steht unter FBI-Ermittlung. Der Vorwurf: illegaler Transport gefährlicher Pathogenproben. Ein Mann, der drei Jahrzehnte lang das Unsichtbare in Reagenzgläser bannte, ist nun selbst Gegenstand einer Akte. Die Akte trägt ein Datum. Die Details — Nebel.

Technologie

Aktenzeichen verschwunden: DHS-Entwurf bedroht misshandelte Frauen

28. Juli 2026 — Ada Voss, auf Sendung

Washington, D.C. — Ein neuer Regelentwurf des Heimatschutzministeriums liegt im förmlichen Verfahren. Es geht um die Arbeitserlaubnis für Schutzsuchende. Eine Quelle hat die Existenz des Dokuments bestätigt. Mehr als eine Quelle hat die Terminal Tribune bislang nicht. Das ist zu wenig. Wir prüfen.

Was wir wissen, ist das, was jede Anwältin, jede Beratungsstelle, jede Frau, die jemals mit zitternden Händen einen Antrag auf Arbeitserlaubnis ausgefüllt hat, bereits weiß: Eine Arbeitserlaubnis ist für eine Frau, die vor häuslicher Gewalt flieht, keine bürokratische Fußnote. Sie ist die Voraussetzung für alles andere.

Vermischtes

Jemens stille Fabrik — wo die Feder Eintrittskarte heißt

13. Juli 2026 — E. Wolff

In Sanaa steht eine Druckerpresse still. Nicht weil das Papier fehlt. Sondern weil der Mann, der sie bediente, im Keller sitzt, an den die Welt nur durch zensierte Worte herankommt. So funktioniert die Mechanik der Nachricht in einem Land, das zwischen Huthis und Regierungstruppen zerfällt, mit ihm eine Wirtschaft, die niemand mehr vollständig beziffern kann.

Wer die Feder im Jemen bezahlt, kauft sie. Die politische und wirtschaftliche Lage hat die Medienlandschaft zur Karte der Machtgruppen gemacht — wer sie nicht abgibt, bekommt keine Lizenz. Förderung ist keine Subvention, sondern Eintrittskarte. Loyalität die Vorbedingung.

Technologie

treiben Big Tech in eine Risikokrise die niemand sehen will

28. Juli 2026 — Ada Voss, auf Sendung

Die Draht kam um drei Uhr morgens. Nicht von der Pressestelle eines Konzerns, nicht aus dem Finanzministerium, nicht von einer Bank. Von einem Mann, der zwölf Jahre an der Börse gearbeitet hat und heute im Ruhestand Risikokennzahlen sammelt wie andere Leute Briefmarken. Einzelne Quelle, ungenannt, aber ich kenne das Material seit Jahren. Ich habe die Daten gegen die letzten verfügbaren Quartalsberichte geprüft. Ich habe die Tendenz gegen die Bewertungen der Ratingagenturen abgeglichen. Die Summe stimmt. Die Richtung stimmt. Und genau das ist das Problem.

Vermischtes

WU JI ZÄHLT NACH — UND SIEHT EUROPA AM RAND

13. Juli 2026 — Hagen, Oberstleutnant a.D.

Hören Sie gut zu. Wenn ein chinesischer Raumforscher öffentlich sagt, die aktuelle Politik werde China wenig schaden und Europa isolieren, dann ist das kein Höflichkeitsbesuch. Das ist eine Lagebeurteilung.

Die EU hat chinesische Organisationen aus Horizon Europe ausgeschlossen. 93 Milliarden Euro. Der Vorwand klingt bürokratisch — Forschungssicherheit, mögliche militärische Nutzung. Wer das hört, soll an Laborprotokolle denken. Wer nachrechnet, denkt an Munitionsfabriken.

Technologie

WARN-SCHUSS INS LEERE: MICROSOFTS KI-CHEF NENNT HACK BEI OPENAI EIN SIGNAL

28. Juli 2026 — Ada Voss, auf Sendung

Die Drähte summen, und was sie tragen, klingt diesmal nicht nach Code, sondern nach Alarm. Ein Vorfall bei dem US-Unternehmen OpenAI, jenem Labor, das die Sprachmaschinen baut, von denen halb Kalifornien und bald der halbe Globus redet, wurde nach Angaben einer einzelnen Quelle als Hacking-Vorfall öffentlich. Was genau geschah, ist bislang unklar: Angriffsvektor, Umfang, betroffene Daten, Identität der Eindringlinge — alles Fragen, auf die der Markt keine Antwort hat. Nur ein Wort, sechs Buchstaben, und alle Welt soll wissen, was Sache ist.

Vermischtes

Die Lizenz zum Verstummen

13. Juli 2026 — Kastner

Es gibt Sätze, die klingen wie Formulare und wirken wie Scheren. Die Rede ist von einer geplanten Regelung, die die Berichterstattung über nicht genehmigte Proteste weiter einschränken soll — als wäre die Straße ein Saal, in dem nur sprechen darf, wer Eintrittskarten vorzeigt. Was amtlich nicht stattfindet, findet medial nicht statt. So glatt ist die Mechanik, so sauber die Naht, durch die das Licht verschwindet.

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Politik

Aura aufgeladen, Klasse bestätigt

27. Juli 2026 — Kastner

Eine Geburtstagsparty in Neukölln. Eine Erdgeschosswohnung, deren Ecken kennen, was Mieten sonst verschweigen. Mediterranes Buffet, literweise Sekt, eine selbst gebastelte Piñata. Es gibt Gäste, die von Arbeitslosigkeit erzählen, von spätem Kinderwunsch, von Dating-Apps, die das Verlangen nicht stillen, sondern sortieren. Es gibt eine Frau, die ihren vierzigsten Geburtstag feiert. Es gibt mich, mit Plateaucrocs und Blümchenverzierung, die zu spät kommt.

Das ist der Stoff, aus dem die Kolumnen dieser Tage sind. Das Private als Archiv des Politischen, das Selbstgespräch als Surrogat der Öffentlichkeit. Eine Frau sitzt in einem Uber und formuliert, an wen die Altbauwohnung eigentlich gehen soll, und gleichzeitig sagt sie sich selbst, dass sie das Zusammenziehen nicht vorstellen könne. Das ist nicht Koketterie. Das ist die Grammatik einer Generation, die gelernt hat, Sehnsucht so zu formulieren, dass sie niemandem auf die Füße tritt.

Vermischtes

Die Stimme, die log

13. Juli 2026 — Kastner

Es beginnt, wie es immer beginnt: mit einem Lächeln. Diesmal ist es synthetisch. Eine Stimme, die nicht sprach, sagen soll, was nie gesagt wurde — und Millionen glauben ihr, weil sie der Stimme eines Mannes gleicht, dem sie vertrauen wollten. So funktioniert die neue Mechanik der Lüge: Sie braucht keine Fälschung mehr, sie braucht nur noch einen Klang.

Die Verbreitung von Deepfakes und gefälschten Audiodateien ist kein futuristisches Schreckgespenst mehr — sie ist Werkzeug im Wahlkampf geworden, eine Waffe, die das Vertrauen in demokratische Prozesse zersetzt, bevor auch nur ein Kreuz gemacht wird. Ein geschultes Auge bleibt entscheidend, um Manipulationen zu identifizieren, doch wer schult die Augen einer Wählerschaft, die längst auf ihr Smartphone starrt statt in Protokolle?

Technologie

Trump-Beamte zielen mit Menschenrechtshilfe auf Pretoria und Osteuropa

27. Juli 2026 — Ada Voss, auf Sendung

Washington — Drei Vorgänge laufen gleichzeitig. Beamte der Trump-Regierung bereiten eine Neuausrichtung der amerikanischen Menschenrechtspolitik vor, die weiße Südafrikaner und rechte europäische Bewegungen in den Vordergrund rückt. Parallel dazu wird gegen Preissprünge auf dem Immobilienmarkt in Ost- und Südosteuropa ermittelt. Was sie verbindet, ist die Geografie. Was sie trennt, sind die Zuständigkeiten.

Vermischtes

Die zwei Wetten hinter der KI-Euphorie: Wer profitiert vom Schweigen

13. Juli 2026 — Kastner

Manhattan und Valley Forge, zwei Adressen, zwei Wetten auf dieselbe Maschine — und ein Schweigen, das lauter spricht als jede Pressemitteilung. BlackRock sieht die Konzentration auf Mega-Cap-Tech als natürliche Reaktion auf eine transformative Welle und empfiehlt, Kapital zuzuteilen, um von den breiteren wirtschaftlichen Vorteilen der KI-Infrastruktur zu profitieren. Vanguard, sein Rivale im Ringen um die Altersvorsorge der Mittelschicht, warnt vor einer möglichen Blase, deren Bewertungen mehr vom Hype als von realistischen kurzfristigen Fähigkeiten getrieben seien, und rät zu vorsichtigerer Technologieexposition — während es zugleich vor einer Überdehnung der großen Technologieunternehmen in Silicon Valley warnt, die zu einem weniger optimistischen Gewinnverlauf führen könnte.

Technologie

NVIDIAS MILLIARDENWETTE: WER HÄLT DIE FÄDEN?

27. Juli 2026 — Ada Voss, auf Sendung

Funkspruch aus dem Jenseits. Ilya Sutskever, einst Mitbegründer jener Firma die sich selbst den Namen einer künstlichen Intelligenz gab, hat einen Durchbruch vermeldet. Nvidia, Chiphersteller und neuer Geldadel des Westens, wettet Milliarden darauf. Die Drähte glühen. Ich sortiere.

Sutskever ist kein Unbekannter. Er war Chefwissenschaftler bei OpenAI, jener Einrichtung die als Stiftung antrat und sich in ein gewinnorientiertes Unternehmen verwandelte. Er ging. Er gründete etwas Neues, nannte es Safe Superintelligence, SSI, ein Name der klingt wie ein Versprechen und wie eine Drohung zugleich. Nun also: Durchbruch. Welcher Art? Das ist die erste Frage, und sie wird nicht beantwortet.

Vermischtes

PATENT AUF LEBEN: WARUM INSULIN UND SEINE ERBEN NIEMANDEM GEHÖREN

13. Juli 2026 — Dr. L. Rath

Die Fakten wandern über den Schreibtisch wie Patientenakten im Nachtdienst. Evergreening nennt die Branche es, wenn Patente über ihre ursprüngliche Laufzeit hinaus verlängert werden — durch minimale Änderungen am Medikament. Klingt nach Gärtnerei. Riecht nach Beerdigung. Insulin, einst Lebensretter, ist heute für viele ein Vermögensgegenstand. Preis hoch, Zugang versperrt, Komplikationen finanziell wie gesundheitlich trägt der Patient.

Politik

pur, 18. Juli — Ein Gott zwischen den Fronten

27. Juli 2026 — Kastner

Es gibt Momente in der Politik, in denen sich ein Name, der einmal ein Versprechen war, in eine Anklage verwandelt. Ram, derart oft auf Plakate gemalt, derart zuverlässig in Mikrofone gerufen, derart häufig in Wahlkampfreden eingespannt wie eine alte Hymne, ist an diesem Samstag in Nagpur zum Streitgegenstand geworden — nicht zwischen Gläubigen und Ungläubigen, sondern zwischen jenen, die meinen, ihn zu besitzen, und jenen, die ihn zurückfordern.

Vermischtes

Der Fahrplan, den die Industrie schrieb

13. Juli 2026 — Doc Brenner, irgendwo im Staub

Die Erde schweigt. Sie schweigt seit drei Milliarden Jahren Geduld. Jetzt schreibt der Mensch ihre Anleitung um. Das nennt sich IPCC-Richtlinie — ein Fahrplan, sagen sie. Wer ihn liest, sieht eine Landkarte. Wer hinsieht, sieht eine Grenze.

91 Prozent der globalen Wirtschaft haben Netto-Null unterschrieben. Eine beruhigende Zahl. Sie klingt nach Konsens, nach Solidarität, nach Erde, die endlich Gehör findet. Sie klingt nicht nach Wettbewerb. Aber genau das ist sie: Wettbewerb. Der Net-Zero Industry Act, Teil des Green Deal Industrial Plan, will bis 2030 mindestens 40 Prozent der jährlichen EU-Bedarfe an Netto-Null-Technologien innerhalb der Union produzieren. Das ist Klimapolitik. Das ist Industriepolitik. Das ist dasselbe Dokument.