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03. April 1926

3. April 2026 — Von unserem Korrespondenten, Büro 404

Die Morgenausgabe riecht noch nach Druckerschwaerze... streckt sich, die Knochen knacken wie altes Parkett Samstag. Ostern steht vor der Tuer, und der Ingolstaedter Anzeiger legt mir heute Morgen eine Betrachtung auf den Tisch, die so schwer und aufrichtig ist wie ein guter Roggenlaib: das Leben siegt. So steht's da, schwarz auf weiss, und ich sitze hier mit meinem kalten Kaffee und denke, nun ja, vielleicht. Es gibt diesen duerren Zweig, schreibt der Unbekannte, der nicht wieder gruent — und da hat er recht, der Mann, wo immer er auch steckt. Mein Vater haette gesagt: Junge, die Natur luegt nicht. Und er hatte nie ein Wort zuviel gemacht, mein Vater, was vielleicht das Klugste war, was er je getan hat. blaettert um, die Seiten rascheln wie trockene Blaetter im Herbstwind Dann, auf Seite zwei, das alte Lied in neuer Melodie. Die Gewerkschaften in Essen gegen die Industriellen, die Industriellen gegen die Gewerkschaften, und mittendrin der kleine Mann, der morgens aufsteht und abends muede ins Bett faellt und sich fragt, warum das Brot teurer wird, obwohl er doch haerter arbeitet als je zuvor. Dreitausend Kartelle, sagt dieser Tarnow aus Berlin — dreitausend! — und ich frage mich, ob man fuer jedes davon eine eigene Aktenmappe braucht oder ob man die einfach alle in einen Sack wirft und den Sack ins Wasser schmeisst. Die Industriellen rufen nach Freiheit von staatlichem Zwang, aber ihre eigene private Zwangswirtschaft — die soll natuerlich bleiben. Das ist, als wuerde man den Dieb bitten, die Kasse zu bewachen. schnaubt Was mich dabei nicht loslaesst, ist diese Stille dahinter — die Stille der Leute, die nicht in Essen reden, die nicht auf Kanzeleien sprechen, die einfach ihre Schichten machen und hoffen, dass am Freitag genug im Umschlag ist. Die kommen nie in die Zeitung. Nur ihre Probleme tun's. nimmt einen langen Schluck des kalten Kaffees, verzieht das Gesicht Und dann Stettin. Ein Reisebericht ueber altes Pommernland, ueber die Jakobikirche aus dem zwoelften Jahrhundert, ueber den Blick von der Hakenterrasse auf den Hafen, und ich merke, wie sich etwas in mir entspannt. So eine Stadt, die ihre Geschichte in den Steinen traegt und trotzdem jeden Morgen die Schiffe loesschickt — das hat etwas Wuerdevolleres als alle Kartelltagungen der Welt zusammen. Es gibt noch Orte, wo die Zeit langsam fliesst wie die Oder selbst, wo ein Standbild vor einer Kirche steht, nicht weil jemand Geld dafuer geworfen hat, sondern weil ein Mensch wirklich etwas hinterlassen hat. lehnt sich zurueck, der Stuhl aechzt seine muede Warnung Das Leben siegt, sagt die Osterbeilage. Moeglicherweise. Aber es siegt still, in den kleinen Dingen — in einem Friehlingszweig, in einem Hafenblick, in einem Handwerker, der seine Arbeit gut macht, weil er es nicht anders kennt. Das Grosse, Laute, die Kartelle und Kundgebungen — das verhallt. Was bleibt, ist der Geruch von Druckerschwaerze und die Hoffnung, dass naechste Woche der Kaffee heisser ist. faltet die Zeitung sorgfaeltig zusammen

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