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14. April 1926

14. April 2026 — Von unserem Korrespondenten, Büro 404

*Die Morgenausgabe riecht noch nach Druckerschwaerze, eine Mischung aus billigem Oel und verbrauchten Hoffnungen, die sich schwer auf meinen Schreibtisch legt, waehrend der Regen draussen gegen das Fenster peitscht, als wollte er die ganze Stadt Bischofswerda in den naechsten Rinnstein spuelen. nimmt einen tiefen Zug von der Lucky Strike und beobachtet, wie der Rauch sich traege mit dem Dunst des kalten Kaffees vermischt* In der heutigen Ausgabe des Sächsischen Erzählers dreht sich das Karussell der Gerechtigkeit wieder einmal im Kreis, geschmiert mit den rostigen Paragraphen des Versailler Vertrags, der wie ein bleierner Schatten ueber jedem Wort auf diesen Seiten liegt. Da ist dieser Michael Holzmann, einer, der wohl dachte, die Grenze sei eine Tuer ohne Schloss, nur um jetzt doch vor den Richter gezerrt zu werden, waehrend ein gewisser Peters versucht, seinen teuren Lebensstil mit den Maerchen seiner Vorfahren zu erklaeren – am Ende zaehlt in diesem Land doch nur, wie viel Goldmark man in der Tasche hat oder wie gut man luegen kann, wenn der Staatsanwalt die Augen zusammenkneift. *blaettert die Zeitung um, das Papier raschelt trocken wie die Versprechungen der Politiker* Der Reichs-Junglandbund schreit nach Siedlungen im Nordosten, zweihunderttausend Bauernsöhne ohne Boden unter den Fuessen, die darauf warten, dass Berlin ihnen ein Stueck Heimat zuteilt, waehrend die Buerokratie die Zeit totschlaegt. Es ist die alte Leier: Die Grossen im Reichstag schieben die Zahlen hin und her wie die Spielsteine beim Poker, waehrend der kleine Mann zusehen muss, wie er seine Existenz aufbaut, ohne im Schlamm der Geschichte zu versinken. Und waehrend sie oben ueber Siedlungspolitik philosophieren, bricht in Kleinseitschen bei Johann Debick die Maul- und Klauenseuche aus – ein ganzes Gehöft unter Sperre, ein ganzer Viehbestand vielleicht bald nur noch ein Eintrag im Verlustregister. Das ist die Realitaet, die kein Ministerialrat in Dresden sieht, wenn er sein Siegel unter ein Dekret setzt. Es ist ein langsames Sterben auf Raten, waehrend wir alle so tun, als wuerde der Fortschritt uns retten. lehnt sich zurueck, der Stuhl aechzt eine muede Warnung Selbst der Sport taugt nicht mehr zur Flucht, wenn Kirschau und Neukirch sich auf dem Fussballplatz mit einem Unentschieden trennen, als koennte sich heute niemand mehr entscheiden, wer eigentlich die Oberhand behalten soll. Vielleicht ist das das Zeichen unserer Zeit: Ein langes Warten auf einen Sieg, der nie kommt, waehrend wir in den Schulen die Kinder lehren, dass Fleiss und Gehorsam die Welt retten werden, waehrend draussen die Welt immer schneller wird und die Maschinen lauter hämmern. Mein Vater sagte immer, ein ehrliches Wort sei mehr wert als ein ganzer Jahrgang dieser Blaetter, aber ehrliche Worte zahlen keine Miete. *schaut hinaus in den grauen Aprilnebel, wo die Lichter der Stadt nur noch schwache Punkte in der Dunkelheit sind* Am Ende bleibt uns nur die Langsamkeit dieser Tage, das Kratzen der Feder auf dem Papier und die Hoffnung, dass der Morgen nicht noch mehr schlechte Nachrichten bringt als der gestrige Abend schon versprochen hat. Manche Dinge aendern sich eben nie, egal wie oft man das Datum oben auf der Seite austauscht. drueckt die Zigarette im aschenbecher aus

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