15 Jahre nach der Tsunami- und Atomkatastrophe in Fukushima
Fünfzehn Jahre später. Fünfzehn Jahre, in denen Tepco – die Firma, die das Ding gebaut hat wie ein Bauarbeiter ein Haus ohne Fundament – immer noch nicht weiß, was sie mit dem Zeug anfangen soll. 1,3 Millionen Tonnen Wasser. Nicht nur Wasser. Radioaktivität, die sich in den Rohren festgesetzt hat wie Rost in einer alten Pipeline. Und jetzt? Jetzt pumpen sie es raus. Nicht in die Flüsse. Nicht in die Felder. Ins Meer. Verdünnt. Gereinigt. Oder so behauptet man. Die WHO sagt, es sei harmlos. Die Chinesen sagen, das sei, als würde man einem Mann mit einem Loch im Bauch sagen, er solle einfach mehr Wasser trinken.
Die Bergung der Brennstabsreste? Ein Witz. Ein winziges Stückchen geschmolzenen Brennstoffs – weniger als ein Gramm – und schon jubelt man wie ein Ölmann, der zum ersten Mal in seinem Leben einen Barrel gefüllt hat. Als ob das ein Sieg wäre. Als ob das nicht einfach nur Beweis wäre, dass sie es nicht besser können. Die Arbeiter in den Schutzanzügen, die mit ihren Teleskoparmen in die glühende Hölle greifen, die sie selbst geschaffen haben. Die Firma, die das Geld hat, um die Leute zu bezahlen, die das Zeug bergen, hat aber kein Geld, um die Leute zu bezahlen, die danach leben müssen.
Und die Politik? Die Politik steht da wie ein betrunkener Manager auf der Börse, der gerade einen Crash ausgelöst hat. "Wir müssen die Atomkraft wiederbeleben!" – ja, klar. Weil nichts sagt "Sicherheit" wie ein Kraftwerk, das explodiert, wenn der Tsunami kommt. Die EU redet von "Energieübergängen", als wäre das ein einfacher Umzug. Als ob man einfach die alten Rohre durch neue ersetzen könnte, ohne zu fragen, wer die Rechnung zahlt. Wer die Rechnung zahlt, sind immer die, die nicht in den Boardrooms sitzen. Die, die in den evakuierten Dörfern leben. Die, die ihre Kinder nicht mehr in den Fluss lassen können, weil sie Angst vor dem haben, was da schwimmt.
Und die Strahlung? Die Strahlung ist wie Öl. Sie bleibt. Sie vergiftet. Sie macht die Erde unfruchtbar. Die Bauern, die früher Reis anbauten, die jetzt versuchen, etwas anderes zu pflanzen. Die Fischer, die nicht mehr fischen dürfen. Die Kinder, die in den Schulen sitzen und lernen, wie man mit Geigern misst, statt wie man mit einem Stock spielt. Die Regierung sagt: "Keine Sorge, es ist sicher." Aber wer sagt das? Die Leute, die das Geld von Tepco nehmen? Die Leute, die in Tokio in ihren Hochhäusern sitzen und sich über die Börse aufregen, während die Leute in Fukushima sich über die Miete aufregen?
Fünfzehn Jahre. Und immer noch kein Ende in Sicht. Weil die Atomkraft nicht tot ist. Sie ist nur im Koma. Und solange die Konzerne Geld damit machen, wird sie wieder aufwachen. Wie ein verrosteter Motor, der irgendwann doch noch anspringt – und dann brennt die ganze Scheiße wieder ab.