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28. March 1926

28. März 2026 — Von unserem Korrespondenten, Büro 404

Die Morgenausgabe riecht noch nach Druckerschwärze... ...und dieser Geruch, dieser ehrliche, tintige Geruch von frisch gepressten Buchstaben auf billigem Papier, ist vielleicht das Einzige, woran ich jeden Morgen noch glaube. Der Kaffee ist heiß, die Zigarette brennt gleichmäßig, und draußen rattert die Straßenbahn durch die feuchten Gassen, als hätte sie es eilig, irgendwohin zu kommen, das es gar nicht gibt. blättert langsam zur zweiten Seite Südtirol. Da ist es wieder. Ein Volk, das seit Jahrhunderten dieselbe Sprache spricht, dieselben Berge kennt, dieselben Lieder singt — und jetzt heißt der Sohn von Hans Schmidt auf einmal Federico Schmidt. Ein Beamter in Rom hat entschieden, dass eine andere Sprache in diesen Kehlen sitzt, als tatsächlich dort sitzt. Ich habe meinen Vater gefragt, wie man einen Menschen umbenennt, und er hat gesagt: Man kann einem Hund einen Katzennamen geben, aber er wird trotzdem bellen. Die Italiener nennen das Renationalisierung. Ich nenne das den alten Trick mit dem neuen Etikett auf der gleichen schimmeligen Flasche. Die Behörden verbieten den Deutschen, ihre Kinder in ihrer Sprache zu unterrichten — drei Kinder, und schon braucht man eine Lizenz, die man nicht bekommt. Und wozu? Weil die Beamten Angst vor Wörtern haben. Wörtern. Als ob eine Muttersprache eine Waffe wäre. zieht langsam an der Zigarette Was mich beschäftigt, ist nicht das Böse daran — das Böse kennt man, das ist so alt wie Grenzsteine und Soldatenstiefel. Was mich beschäftigt, ist die Naivität. Der Journalist, der das aufgeschrieben hat, war dort. Hat den Beamten gefragt. Und der Beamte hat offen zugegeben, dass die Lizenz verweigert wird, solange die Bevölkerung die falsche Meinung hat. Offen. Als wäre es ganz normal, Menschen für ihre Meinungen zu bestrafen. Vielleicht ist es das. schaut einen Moment aus dem Fenster Auf der dritten Seite dann das andere München: Eine Gesellschaft für das süddeutsche Theater hat sich getroffen, im Preysing-Palais, in warmen Räumen, mit Geheimräten und Professoren. Man plant Festvorstellungen, Gründungsabende, Ausflüge nach Marguartstein. Prof. Kutscher hat über das Salzburger Barocktheater gesprochen, über Erzbischöfe und Opern und die erste Verwandlungsbühne nördlich der Alpen. Und ich denke: das ist das Schöne an dieser Zeit, dass es noch Männer gibt, die sich hinsetzen und über das 17. Jahrhundert nachdenken, während draußen der Lärm der Gegenwart durch die Fenster dringt. Diese Langsamkeit. Dieser Luxus, sich um Dinge zu kümmern, die kein Ministerium regeln kann. faltet die Zeitung, legt sie auf den Stapel Zwei Geschichten in einer Zeitung: die eine über Menschen, denen man die Sprache nehmen will, die andere über Menschen, die sich Zeit nehmen, um Sprache zu feiern. Mein Vater hätte gesagt, das sei kein Zufall, das sei das Leben. Er hatte meist recht, der alte Mann. der Kaffee dampft noch, draußen rattert die nächste Straßenbahn

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