Börse 1937
Terminal Tribune

26. März 2026

Dossier · Pharma & Medizin

Regulatorische, Wirtschaftliche und Ethische Konflikte im Globalen Pharma-Markt

26. März 2026 · aus dem Archiv

**"1937. Die Pille gegen die Schwäche. Ein Pharma-Baron feiert Geburtstag."**

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Es ist ein Jahr, in dem die Chemiekonzerne lernen, dass man Krankheiten nicht nur behandelt, sondern *verkauft*. In dem ein Mann namens Henry Dodge McConnell Jr., Präsident der *Merck & Company*, stolz auf die neue Fabrik in Rahway, New Jersey, blickt – ein Werk, das bald Tabletten in Massen herstellt, die niemand braucht, bis sie sie brauchen. Die ersten Patentanmeldungen für synthetische Hormone liegen auf seinem Schreibtisch, und er weiß: Hier beginnt das Zeitalter, in dem die Medizin zum Handelsgut wird. Die Pille wird nicht kommen, um Schmerzen zu lindern. Sie kommt, um *Profit* zu generieren. Und McConnell ist ihr erster Architekt.

Denn was heute als medizinischer Fortschritt gefeiert wird – die *Ethinylestradiol*-Tablette, später als „Pille“ bekannt –, war von Anfang an ein Geschäft. Merck hatte das Patent auf das synthetische Hormon *17-Alpha-Ethinyltestosteron* erworben, das in den Laboren der *Schering AG* in Berlin entwickelt worden war. Doch die Deutsche Schering war nicht stark genug, um die Welt zu erobern. Also kaufte Merck die Rechte, ließ es in den USA patentieren und begann, es als *Ethinylestradiol* zu vermarkten – ein Wirkstoff, der nicht nur den Zyklus regulierte, sondern auch die Abhängigkeit von Frauen von Ärzten und Apotheken schuf. Die Pille war kein medizinischer Durchbruch. Sie war ein *strategischer Coup*.

Und wer verdiente daran? Nicht die Frauen, die sie einnahmen. Nicht die Ärzte, die sie verschrieben. Sondern die Männer, die im Hintergrund die Fäden zogen: Die Aufsichtsräte der Pharmakonzerne, die Lobbyisten, die Gesetze änderten, damit Patente länger galten, und die Banken, die die Fabriken finanzierten. In den 1930er-Jahren war Merck noch ein Familienunternehmen, aber schon damals wusste man: Die Pille war nicht nur ein Produkt. Sie war ein *Markenzeichen* für eine neue Ära der Pharmaindustrie – eine Ära, in der Krankheiten nicht mehr Naturgesetze waren, sondern Handelsobjekte.

Heute, 80 Jahre später, feiern wir die Pille als Befreiung. Doch wir vergessen, wer sie erfand, wer sie patentierte und wer sie *teuer* verkaufte. Denn das Prinzip bleibt dasselbe. Heute geht es um COVID-19-Impfstoffe, um teure Krebsmedikamente und um Opioide, die in den USA zu einer Epidemie führten – weil jemand profitieren wollte. Und wer? Immer dieselben.

Die European Medicines Agency (EMA) kontrolliert die Sicherheit der Tabletten, aber nicht ihre Preise. Die Gesellschaft für Virologie (GfV) gibt Stellungnahmen ab, aber nicht zu den Profiten der Konzerne. Die Financial Action Task Force (FATF) warnt vor Geldwäsche in Steueroasen – doch wer sitzt eigentlich in den Aufsichtsräten der Pharmakonzerne? Wer zahlt die Studien, die die Wirksamkeit ihrer Medikamente belegen? Und wer sitzt im Aufsichtsrat von Roche, das in Russland weiter produziert, während der Rest der Welt sanktioniert?

Es ist kein Zufall, dass die Opioid-Krise in den USA eine halbe Milliarde Dollar Strafe kostete. Es ist kein Zufall, dass Novartis mit *Evergreening* – dem Trick, Patente zu verlängern, indem man neue Varianten des gleichen Wirkstoffs anmeldet – Millionen einstreicht. Es ist kein Zufall, dass die EU-Kommission und die US-Regierung jetzt gegen die Preispolitik der Konzerne vorgehen. Denn sie wissen: Die Medizin ist kein öffentliches Gut. Sie ist ein *Geschäft*.

Und wenn heute jemand seinen Geburtstag feiert, dann nicht Henry Dodge McConnell Jr. Sondern die Männer, die heute in den Aufsichtsräten sitzen – die Lobbyisten, die Banker, die Juristen. Die wissen, dass Krankheiten immer mehr wert sind, je länger man sie kontrolliert. Die wissen, dass eine Pille, ein Impfstoff, ein Krebsmedikament nicht nur heilen, sondern auch *profitabel* sein muss. Und die wissen, dass sie immer einen Schritt voraus sein werden – solange es etwas zu verkaufen gibt.

**Dr. Lena Rath** *Terminal Tribune*

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