Börse 1937
Terminal Tribune

26. März 2026

Dossier · Pharma & Medizin

Patentstreitigkeiten und Regulatorische Skandale in der Pharmaindustrie

26. März 2026 · aus dem Archiv

**"Novartis’ Herzblut: Wer verdient an der Pille, die jeden dritten Schlaganfall überlebt?"**

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Die Arzneimittelbranche ist ein Labor der Ungleichheit, in dem Patente nicht die Fortschritt beschützen, sondern sie zementieren. Wer hat es nötig, ein Medikament für die Behandlung von Vorhofflimmern zu *erfinden*, wenn es seit 2014 als Generikum verfügbar ist? Wer profitiert, wenn ein Konzern das Patent für ein lebensrettendes Mittel um weitere zehn Jahre verlängern will, während Krankenkassen die Rechnung präsentiert bekommen? Der Name des Mannes, der hier das Geschäft steuert, ist **Joseph M. Dolce**, CEO von Novartis seit 2016 – und er verdient gut daran, dass die Welt glaubt, Innovation sei teuerer als Leben.

Das Herzmedikament in Frage ist **Dronedaron** (Handelsname *Multaq*), ein Antiarrhythmikum, das 2011 unter dem Namen *Multaq* auf den Markt kam. Es blockiert Natrium- und Kaliumkanäle in den Herzmuskelzellen, um chaotische Kontraktionen zu unterdrücken. Ein wirksames Mittel, aber kein Patentmonopol – seit 2014 dürfen Generika-Hersteller nachpatentierte Versionen produzieren. Doch Novartis wollte mehr: Die Firma beantragte 2019 eine *Patentverlängerung* nach Artikel 10a des europäischen Patentübereinkommens. Die Begründung? Ein *„Erweiterter Wirkstoff“* – ein chemischer Trick, bei dem Dronedaron mit einem anderen Molekül kombiniert wurde, um die Bioverfügbarkeit zu erhöhen. Ein Verfahren namens *Evergreening*, das die EU-Kommission eigentlich verbieten wollte, aber nicht tat. Stattdessen wurde der Fall an die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) verwiesen.

Die BUKO Pharma-Kampagne und Patientengruppen warnten: Dies sei kein Fortschritt, sondern *Kartellbildung*. Während Novartis in den letzten Jahren 20 Prozent seines Umsatzes aus Herz-Kreislauf-Medikamenten bezog, sollten Patienten und Krankenkassen weiter für das gleiche Prinzip zahlen – nur mit einem teureren Verpackungsdesign. Die EMA lehnte den Antrag schließlich ab. Zu spät für Dolce: Die Aktie von Novartis fiel um fünf Prozent. Doch der Schaden war schon angerichtet. Die Lektion für die Branche? Wer nicht patentrechtlich trickst, bleibt auf der Strecke.

Gleichzeitig, während Novartis’ Herzblut trocknet, wird in den USA Johnson & Johnson zur Kasse gebeten. Die Opioidkrise, die das Land seit Jahrzehnten plagt, hat der Firma eine Strafe von **572 Millionen Dollar** eingebracht – ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Wahrheit ist: J&J hat längst gelernt, mit solchen Summen zu leben. Die eigentlichen Gewinner sind die Banken, die die Rechnungen begleichen, während die Betroffenen – die 500.000 Menschen, die seit 1999 an Überdosen starben – keine Stimme haben. Die FDA fordert nun strengere Warnungen auf Opioid-Verpackungen, aber das Problem bleibt: Die Pharmaindustrie hat ein *Geschäftsmodell*, das auf Sucht und Profit basiert. Und solange die Patente halten, wird es weitergehen.

In diesem System sind Transparenz und Ethik nur Dekoration. Die EMA verschweigt die DNA-Sequenzen in mRNA-Impfstoffen wie denen von BioNTech/Pfizer – ein Geheimnis, das Millionen von Euro wert ist. Die Financial Action Task Force (FATF) setzt die British Virgin Islands auf die *Greylist*, weil Steueroasen die Pharmakonzerne vor der Aufklärung schützen. Und während Pfizer und BioNTech bereits ihren nächsten mRNA-Impfstoff für 2025 entwickeln, fragt sich: Wer zahlt die Studien? Wer sitzt im Aufsichtsrat? Und vor allem: **Wer hat das Patent?**

Die Antwort ist immer dieselbe: **Die Männer in den Anzügen.** Die Männer, die Dolce, die J&J-CEOs, die Aufsichtsräte der Konzerne, die sich selbst belohnen, während die Patient:innen die Zeche zahlen. Die Medizin ist kein Dienstleistungssektor. Sie ist ein Machtinstrument. Und in dieser Industrie wird gesündigt – nicht aus Unwissenheit, sondern aus Berechnung.

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