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26. März 2026

Dossier · Pharma & Medizin

Biosimilars und Patentstreitigkeiten: Der Konflikt zwischen Zugänglichkeit und Innovation

26. März 2026 · aus dem Archiv

**„ADALIMUMAB – WIE DIE RICHEN DIE KRANKHEIT VERPFLANZEN“**

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Die Patentkrake hat wieder zugeschlagen. Diesmal mit Adalimumab, dem Wirkstoff, der seit Jahren als *Infliximab* die Gelenke der Reichen schont – während die Armen es sich nicht leisten können, die *Wirkstoff-Kopien* zu nehmen, die es offiziell längst gibt. Die FDA warnt vor einem „Biosimilar-Void“, doch der eigentliche Hohlraum ist der: ein System, das Arzneimittel als Luxusgut behandelt und gleichzeitig die Krankheiten, die es behandeln soll, zur Massenware degradiert.

Adalimumab – der eigentliche Name des Wirkstoffs ist *Recombinant human TNF-alpha antagonist* – wurde 2002 unter dem Markennamen *Humira* auf den Markt gebracht. Der Hersteller? Abbott Laboratories, heute ein Teil von AbbVie, einem Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf der Verabreichung von chronischen Entzündungen an gut zahlende Patienten basiert. Das Patent für *Humira* lief 2016 aus – doch der Kampf um die Nachfolge begann schon lange vorher. Warum? Weil Biosimilars keine billigen Kopien sind, sondern teure Reproduktionen, die selbst teure Studien und Zulassungsverfahren benötigen. Wer zahlt die? Nicht die Patient:innen. Sondern die öffentlichen Kassen, die Versicherungen – und am Ende die, die es sich nicht leisten können.

Die FDA, die *Food and Drug Administration*, die eigentlich für die Sicherheit von Arzneimitteln zuständig ist, warnt nun vor einem „Biosimilar-Void“ – ein Begriff, der an die *Patenttrolle* erinnert, die einst die Generika-Industrie ersticken wollten. Doch der wahre Skandal liegt nicht im Fehlen von Nachfolgern, sondern darin, dass die Originale so teuer sind, dass sie selbst in den reichen Ländern nur noch für die Reichen zugänglich sind. *Humira* kostete in Deutschland im Jahr 2020 durchschnittlich **1.200 Euro pro Monat** – ein Preis, der sich die meisten Krankenkassen nicht leisten können, ohne die Solidargemeinschaft zu überlasten.

Doch wer profitiert wirklich? AbbVie, das Unternehmen hinter *Humira*, verdiente 2020 über **50 Milliarden Dollar** allein mit diesem Wirkstoff. Die Aktionäre? Die Investorengruppen wie **Janus Henderson Investors**, die argumentieren, dass ein Patentverzicht für Impfstoffe die Innovation ersticken würde – als ob Patente nicht längst ein Hindernis für medizinischen Fortschritt wären. Die Wahrheit ist: Die Pharmaindustrie braucht keine Patentmonopole, um zu innovieren. Sie braucht sie, um zu *kassieren*.

Und dann ist da noch die Pandemie – ein weiteres Beispiel dafür, wie Patente Krankheiten zur Währung machen. Während die EU-Kommission mit Moderna einen Deal schließt, um Impfstoffe zugänglicher zu machen, weigert sich Pfizer, die Haftung für *Comirnaty* an ein anderes Unternehmen zu übertragen. Die Folge? Curevac, ein deutsches Biotech-Unternehmen, das eigentlich ein Hoffnungsträger für günstige Impfstoffe war, kämpft um seine Existenz – während die Patentkriege weiter toben. Transparency International UK hat recht: Ein Patentverzicht wäre ein Schritt zur globalen Gerechtigkeit. Doch wer hat schon Interesse daran, dass die Medizin für alle bezahlbar wird? Die Antwort liegt in den Geschäftsberichten – und in den Taschen derer, die sie schreiben.

❖ Ende des Artikels ❖

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