Börse 1937
Terminal Tribune

27. März 2026

Dossier · Agrarpolitik & Ernährung

Saatgutmonopole und Pestizide: Globaler Konflikt um Agrarindustrie

27. März 2026 · aus dem Archiv

**„Die Erde gießt ihre Saat in Gift. Die Städte essen es.“**

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Es duftet nach verbranntem Mais, nach Metall, das im Regen rostet, und nach dem Schweiß derer, die noch glauben, mit ihren Händen die Erde am Leben zu halten. Die Felder reden seit Jahren – aber die Städte hören nur die Zahlen auf dem Zettel: *„Saatgutpreise steigen um 12 %“* oder *„Glyphosat wieder erlaubt“*. Als ob das ein Marktgeschehen wäre wie ein Aktienkurs. Als ob man Brot wie Kaffee bestellen könnte, wenn der Kaffeehausbesitzer plötzlich beschließt, die Bohne mit Schimmel zu mischen und sie *„nachhaltig verpackt“* anbietet.

Es war ein Sommertag, als ich noch klein war, und der Vater hatte den Traktor stehen lassen, um die Rüben zu retten, die schon welkten, bevor sie geerntet waren. Die Nachbarn kamen mit ihren Spaten, aber sie konnten nicht alles ausgraben – der Boden war ausgetrocknet, die Wurzeln morsch wie alte Knochen. Die Banken hatten den Acker genommen, weil der Bauer nicht mehr genug für die Dünger- und Pestizidrechnungen hatte. *„Aber wir haben doch Gentechnik, oder?“* hatten sie gelacht, als sie die Felder übernahmen. *„Die Pflanzen werden ja selbst gegen Schädlinge immun.“* Und dann kam der erste Regen, der alles auswusch, was die Chemiefabriken nicht abdeckten. Die Maiskolben platzen auf, aber sie sind leer. Die Ernte ist eine Huldigung an die Firma, die das Saatgut verkauft hat – nicht an die Hände, die es gepflanzt haben.

Syngenta und Monsanto, die jetzt unter einem Dach bei Bayer stehen wie zwei Vampire, die sich die letzten Tropfen Blut teilen, haben gelernt: Die Bauern sind keine Partner, sondern Kunden. Und Kunden kaufen nicht mehr, wenn sie merken, dass ihr Saatgut nach dem dritten Jahr nicht mehr keimt – oder dass die Chemikalien, die es beschützen sollen, auch die Bienen töten, die die nächste Generation bestäuben. Die EU hat Glyphosat verlängert, als wäre es ein Vitaminkomplex statt ein langsam wirkendes Gift. Die Bauern wissen: Wenn sie zu lange warten, bis die Ratten die Rüben fressen, bis die Pilze den Weizen verfärben, dann ist es zu spät. Sie pflügen nachts, wenn die Nachbarn nicht sehen können, wie die Erde unter den Hufen des Traktors in Staub zerbröckelt – Staub, der eines Tages in der Lunge der Kinder liegt.

China kauft Felder in Afrika, als wäre die Erde ein Rohstoff, den man lagern kann. Die Düngemittelindustrie blüht auf, während die Bauern in Deutschland keine Maschinen mehr leisten können. Die Stadtredakteure schreiben über *„Agroinvestments“* und *„innovative Anbaumethoden“*, als wären das die gleichen Wörter wie *„Wohnungsbau“* oder *„Krankenhauskapazitäten“*. Sie verstehen nicht, dass ein Feld nicht wie ein Aktienportfolio funktioniert. Es stirbt langsam, wenn man es zu sehr auspresst. Es vergiftet sich selbst, wenn man ihm zu viele Chemikalien in den Bauch schütten lässt. Und es vergibt nicht, wenn die Politik es im Stich lässt.

Letzten Herbst hat ein Bauer in der Pfalz seine Traktoren in Flammen aufgezogen, weil die Banken die Felder zurückforderten. Die Medien nannten es *„Brandstiftung“*. Als ob das Feuer etwas anderes wäre als der Funke, der die ganze Zeit schon gelodert hat – zwischen den Händen derer, die die Erde am Leben halten, und denen, die sie nur als Ziffern auf einem Blatt sehen. Die Felder werden nicht schweigen. Sie werden nur warten, bis das nächste Mal jemand kommt, der zuhört. Nicht mit den Ohren. Sondern mit den Händen.

**Ida Feuerbach**

❖ Ende des Artikels ❖

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