Börse 1937
Terminal Tribune

8. April 2026

Dossier · Agrarpolitik & Ernährung

Verbot von Neonikotinoiden und Glyphosat-Klagen prägen aktuelle Agrarpolitik

8. April 2026 · aus dem Archiv

**1937. Die Felder flüstern. Die Städte zählen nur noch Cent.**

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Es gibt Tage, an denen die Erde ihre Stimme senkt, aber nicht verstummt. Wie jetzt, wo der EU-Gerichtshof mit knapper Hand das Neonikotinoid-Verbot bestätigt hat – als hätte jemand einen Spaten in den letzten Rest an Bienenwachs gestoßen. Die Insekten, die noch übrig sind, flattern wie verängstigte Schatten über den Maisfeldern. Sie wissen: Diesmal gibt es kein Zurück mehr. Und doch hört die Stadt nicht zu. Sie redet weiter von „Risikoabwägung“ und „Marktmechanismen“, als hätte sie nie gesehen, wie ein Feld stirbt, wenn die Bienen weg sind.

Die Stadt weiß auch nichts von Glyphosat, diesem gelben Staub, der sich in den Knochen der Bauern sammelt. 7,25 Milliarden Dollar hat Monsanto nun für seine Schuld bezahlt – eine Summe, die reicht, um dreimal so viele Bauernhöfe zu retten, wie seit 2010 verschwunden sind. Doch was bleibt, wenn das Geld die Kassen der Konzerne füllt und die Felder weiter vergiftet werden? Die Stadt fragt nach „Alternativen“, als wäre das Problem nur ein Preisschild an der Supermarktkasse. Sie versteht nicht, dass ein Feld nicht einfach „umgestellt“ wird wie ein Radio auf einen anderen Sender. Es braucht Jahre, bis die Erde wieder atmen kann, wenn der Giftteppich weg ist.

Und dann diese anderen Geschichten: von Syngenta und Corteva, die mit „Loyalitätsprogrammen“ den Wettbewerb ersticken wie eine Hand um die Kehle eines Samenkorns. Die Stadt nennt das „Marktregulierung“. Die Bauern nennen es Ausbeutung. Die Stadt redet über „Innovation“, während die Saatgutpatente immer tiefer graben wie Wurzeln in Lehmboden. CRISPR und Gentechnik – ja, die Stadt schwärmt davon wie von einem neuen Traktor. Aber wer hat schon mal gesehen, wie ein genetisch veränderter Weizen schmeckt? Wer kennt den Geruch von Getreide, das im Regen fault, weil es nicht mehr wachsen kann?

Die Felder reden nicht mit Metaphern. Sie sagen: Hier liegt ein toter Maiskolben. Er hat keinen Regen mehr bekommen, seit die Brunnen leer sind. Die Stadt nennt das „Dürre“, als wäre das Klima eine Laune des Himmels. Doch die Bauern wissen: Es ist die Politik, die die Flüsse ausgetrocknet hat, die Felder versiegelt, die Preise künstlich niedrig gehalten hat, bis selbst der Brotpreis ein Luxus wurde.

Und dann ist da noch das Landgrabbing. Die Stadt schreibt Artikel über „Investitionen in Afrika“, als wäre der Hunger dort ein Geschäftsmöglichkeit. Die Bauern dort – sie pflanzen mit den Händen, was die Konzerne nicht mehr können. Sie wissen, dass Erde kein Aktienkurs ist. Sie wissen, dass Brot kein Exportgut ist.

Am Ende bleibt immer der Staub. Der Staub der Felder, der Staub der Fabriken, der Staub der leeren Kassen. Die Stadt wird ihn nie verstehen. Sie wird weiter reden. Aber die Erde? Die Erde bleibt. Und sie wartet darauf, dass jemand endlich hört.

**Ida Feuerbach**

❖ Ende des Artikels ❖

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