Börse 1937
Terminal Tribune

9. April 2026

Dossier · Agrarpolitik & Ernährung

Konzentrationsmacht in der Landwirtschaft: Regulatorische Lücken und Konsequenzen

9. April 2026 · aus dem Archiv

**1937. Die Felder reden. Die Städte hören nicht zu.**

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Der Duft von nassem Erdreich und verbranntem Glyphosat hängt noch in der Luft, als ich durch die gerodeten Reihen gehe, wo einst Raps stand. Die Pflanzen sind weg, aber der Schimmel im Boden bleibt – und die Bienen auch. Sie kommen nicht mehr. Die Stadt nennt das „regulatorische Risiko“. Wir nennen es Hunger.

Vor zwei Jahren hat Bayer Monsanto verschluckt, und mit ihm die Saatgut-Patente, die wie Ketten um den Hals der Bauern liegen. Kein Korn mehr aus eigenem Lager, kein Getreide, das sich selbst vermehrt. Alles muss gekauft werden – und die Preise steigen, während die Erträge sinken. Die Chemiekonzerne verkaufen nicht nur Gift, sie verkaufen auch die Unfreiheit. Einmal hat mir ein Bauer gesagt: *„Die Banken nehmen uns die Felder, und die Konzerne nehmen uns das Saatgut. Was bleibt, ist ein leerer Acker.“*

Die EU hat zwar die Neonikotinoide teilweise verboten, aber die Lücken sind groß. In der Schweiz, wo die Regeln strenger sind, gibt es noch Bienen, noch Vögel, noch Erde, die nicht tot ist. Aber in Deutschland? Da darf das Gift weiter versprüht werden, solange es nur „kontrolliert“ geschieht. Kontrolliert von wem? Von Firmen, die an der Pestizidproduktion mitverdienen? Die EU-Kommission redet von „Biodiversität“, aber die Zahlen lügen. Die Bestäuberpopulationen brechen ein, während die Monokulturen wachsen wie Krebsgeschwüre.

Und dann ist da noch Glyphosat. Das Zeug, das alles kahlfrisiert – Unkraut, aber auch die Nützlinge, die noch übrig sind. Die Bauern spritzen es, weil sie sonst pleitegehen. Die Konzerne sagen, es sei harmlos. Die Bauern sagen, es macht ihre Kinder krank. Die Städte sagen, sie wollen Bio. Aber Bio kostet. Und wer zahlt den Unterschied? Nicht die, die den Supermarkt aufschlagen.

Vor mir liegt ein Feld, auf dem nichts mehr wächst. Nicht einmal Gras. Nur Staub und der Geruch von verbranntem Leben. Irgendwo in Brüssel wird über „nachhaltige Landwirtschaft“ debattiert. In der Schweiz schreiben sie neue Gesetze. Bei uns wird weiter gepflügt, bis nichts mehr übrig ist.

Was bleibt, ist der Hunger. Nicht den der Bäuche, sondern den der Erde. Und den werden die Städte nie verstehen.

❖ Ende des Artikels ❖

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