EU-Agrarpolitik: Pestizidregulierung, Übernahmen und Greenwashing-Klagen
**1937. Die Felder reden. Die Städte hören nicht zu.**
Die Erde unter den Füßen von Zuckerrübenbauern in Lothringen riecht seit Wochen nach Moder. Nicht nach feuchtem Kompost, nicht nach dem ersten Regen, der die Krume wachküsst – nein, es ist der Geruch von Tod. Die Bienen sind weg. Die Raupen auch. Die Blätter hängen wie zerfledderte Seiten eines alten Agrarbuchs, vergilbt, leer. Die Bauern nennen es *das Vergilben*. Die Chemielobby nennt es *Pestizidmanagement*. Die EU-Kommission, die Glyphosat unbefristet freigibt, nennt es *wissenschaftlich fundiert*. Aber wer hat je die Felder mit den Händen gegraben, wenn er von *Fundierung* spricht?
In den Labors von Monsanto – jetzt Bayer – wurde Glyphosat als *harmlos* verkauft, als es noch hieß, es sei besser als DDT. Die Bienen fliegen nicht mehr in die Rapsfelder von Bayern, weil die Saat mit Neonikotinoiden getränkt ist. Frankreich hat das Verbot für Zuckerrüben ausgesprochen – aber nur für *französische* Bauern. Die EU-Richtlinie sagt: *In der Regel verboten*, aber wer kennt schon die Regeln? Die Regeln sind wie die Wurzeln einer Kartoffel: tief, aber wenn man zu fest zieht, bleibt nur Erde in der Hand.
Condor und Continental werben mit *nachhaltigen Reifen* auf ihren Plakaten. Die Terminal Tribune hat nachgefragt. Die Reifen sind nicht nachhaltiger als die alten. Sie sind nur *besser kommuniziert*. Das ist das neue Grün. Das neue Gold. Die Banken, die Bayer übernommen haben, wollen nicht, dass man sieht, wie die Saat resistent wird gegen alles, was sie verkaufen. Die Bauern, die Glyphosat spritzen, werden zu *Pionieren der Modernisierung*. Die Felder, die keine Bienen mehr haben, sind *diversifiziert*.
Früher, als ich noch auf dem Hof stand und die Erde zwischen den Fingern zerbröselte, wusste ich: Wenn die Erde nicht mehr atmet, stirbt auch der Mensch. Jetzt sitzen die Politiker in Brüssel und beschließen, wie viel Gift in den Boden geht. Sie reden von *Kompromissen*. Von *marktwirtschaftlichen Lösungen*. Sie wissen nicht, dass Kompromiss wie ein morscher Stiel ist – man bricht ihn, und dann wächst nichts mehr.
Was bleibt, ist der Geruch von Moder. Und die Frage: Wem gehört das Feld, wenn die Banken die Saat verkaufen und die Chemiekonzerne die Luft verkaufen? Die Antwort liegt nicht in Brüssel. Sie liegt in der Erde. Sie riecht nach Vergessen.
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