Agrarpolitik im Visier: Konflikte um Glyphosat, Neonikotinoide und Fusionen
**DIE ERDE SCHWEIGT. DIE STADT HÖRT NUR DIE ZAHL.**
Die Felder riechen nach verbranntem Maisstroh, wenn die Maschinen kommen. Nicht nach verbranntem Geld. Nicht nach der Art von Hitze, die in den Büros der Konzerne aus den Klimaanlagen tropft, während man über Saatgut-Patente und Glyphosat-Summen redet. Die Erde riecht nach dem, was bleibt, wenn der letzte Spatenstich gefällt ist.
Bayer hat 610 Millionen Dollar gezahlt, um sich von Corteva zu lösen – oder umgekehrt. Ein Betrag, der für einen Konzern vielleicht nur ein lächerliches Minus in den Bilanzen ist, aber für den Bauern, der Glyphosat auf seinem Feld versprüht, um das Unkraut zu vertreiben, das ohne Chemie längst alles erstickt hätte, ist es kein Geld. Es ist eine Rechnung. Eine, die er nicht begleichen kann. Die Felder um ihn herum welken nicht wegen der Hitze. Sie welken, weil der Boden längst tot ist. Weil die Chemikalien nicht nur das Unkraut töten, sondern auch die Mikroben, die dem Boden atmen lassen. Die Bauern wissen das. Die Stadt redet über „Sicherheit“, während die Bauern wissen, dass das Herbizid in ihrem Wasser landet – und in den Kindern, die später nach dem Regen auf den Feldern spielen.
Gleichzeitig wollen Bunge und Viterra verschmelzen, um Cargill den Rang abzulaufen. Einer der größten Agrarkonzerne der Welt gegen einen anderen. Die Frage ist nicht, ob sie die Preise noch weiter in die Höhe treiben werden. Sondern wie sie es tun werden. Ob sie die kleinen Lagerhäuser kaufen, die noch irgendwo in der Landschaft stehen wie verrostete Relikte einer Zeit, in der Bauern noch selbst über ihr Saatgut entschieden. Ob sie die letzten unabhängigen Mühlen zerstören, die noch Körner zu Mehl mahlen, das noch riecht nach Erde und nicht nach Kunststoff und Konservierungsmitteln.
Die Wissenschaftler, die ein globales Verbot von Neonikotinoiden fordern, wissen, dass sie damit die Bienen retten. Die Bauern wissen, dass sie ohne Bienen keine Bestäubung mehr haben. Dass sie dann keine Äpfel mehr ernten werden. Dass sie dann keine Bauernhöfe mehr betreiben können. Die Stadt redet über „Biensterben“, während die Bauern schon längst die letzten Wildblumen auf ihren Feldern ausreißen, weil sie sonst von den Chemiefirmen verklagt werden. Weil sie sonst keine Zertifizierungen mehr bekommen. Weil sie sonst keine Subventionen mehr kriegen.
Und dann sind da noch die Subventionen. Die USA geben Milliarden für fossile Brennstoffe aus – während die Bauern in Texas und Oklahoma schon längst wissen, dass der Grundwasserpegel sinkt. Dass ihre Brunnen trocken fallen. Dass sie irgendwann nicht mehr gießen können. Dass ihre Felder dann zu Staub werden. Die Stadt redet über „Energiewende“, während die Bauern schon längst wissen, dass sie ohne Wasser keine Ernte mehr haben.
Am Ende bleibt nur die Erde. Die Erde, die nicht mehr atmet. Die Erde, die nicht mehr trägt. Die Erde, die nur noch wartet, bis irgendwann auch sie aufgibt.
**Und was bleibt, ist die Frage, wer noch hört.**
❖ Ende des Artikels ❖
