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Terminal Tribune

11. Mai 2026

Dossier · Agrarpolitik & Ernährung

Agrarpolitik in der Krise: Glyphosat, Saatgutpatente und Energieabhängigkeit

11. Mai 2026 · aus dem Archiv

**Glyphosat und der stille Mord im Korn**

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Die Erde ist kein Dokument, das man einreißt und weglegt, wenn es nicht mehr paßt. Sie ist kein Feld, das man mit Patentschlössern versieht wie ein Schließfach auf dem Marktplatz. Sie atmet noch, wenn die Städte längst vergessen haben, warum sie nach Brot schreien. Aber die Erde vergisst nicht. Sie erinnert sich an Glyphosat wie an den Geruch von nassem Stroh im Winter, wenn der Frost die Wunden öffnet, die niemand mehr heilt.

Manche nennen es Fortschritt, wenn Bayer und Monsanto die Welt mit Gift tränken, damit die Pflanzen wachsen. Die Stadtmenschen staunen, warum der Mais plötzlich teurer ist. Sie bestellen im Supermarkt, zählen die Cent, und fragen sich, warum die Bauern nicht einfach mehr ernten. Sie wissen nicht, daß die Erde, wenn man sie mit Chemie erstickt, nach der zweiten Runde auch die Ratten verschlingt. Nicht die Nagetiere. Die Saat. Die nächste Generation. Die, die noch im Boden schläft, bis die Maschine kommt und sie mit den Patentrechten der Konzerne begraben.

Syngenta hat in Basel gelacht, als die Bauern es nicht mehr aushielten. Sie haben die Lagerhäuser mit dem Saatgut beladen, das sie nicht mehr selbst aussuchen dürfen. Die Saat ist kein Gut mehr, das man weitergibt wie ein Familiengeheimnis. Sie ist eine Ware, die man kauft wie ein Kleidungsstück, das man im nächsten Jahr wieder wegwirft. Die Erde soll nicht mehr wissen, was sie trägt. Die Bauern sollen nicht mehr raten können, welches Korn welchen Boden liebt. Die Maschinen sollen es für sie tun.

Die EU redet jetzt von Ewigkeitschemikalien, von PFAS, die sich in die Milch der Kühe fressen wie die Lügen der Politik in die Mahlzeiten der Kinder. Sie schreibt Regeln, während die Felder schon längst vergiftet sind. Die Erde riecht nach Öl, seit Russland mit seiner Schattenflotte die Preise treibt wie ein Schlächter, der die letzten Schweine zusammenfegt. Die USA heizen mit ihrem Schieferöl, während Europa zittert und fragt, warum der Diesel wieder so teuer ist. Die Bauern stehen da und sehen zu, wie die Welt sich in den eigenen Abgasen erstickt.

Die G-7-Länder schimpfen über Subventionen, als wäre das die eigentliche Sünde. Als wäre es nicht noch viel schlimmer, wenn die Bauern die Felder verpachten müssen, weil die Banken ihnen die Ernte abkaufen. Als wäre es nicht noch viel schlimmer, wenn die Kinder nicht mehr wissen, woher das Brot kommt, das sie essen. Die Erde weiß es. Sie spürt den Druck der Reifen auf dem Boden, den sie nie wieder loswerden wird. Sie spürt die Hitze der Sonne, die die letzten Tröpfchen aus den Rissen der Erde saugt. Sie spürt den Atem der Maschinen, der sie langsam erstickt.

Am Ende bleibt nur das, was nicht verkauft werden kann. Nicht der Mais. Nicht das Weizen. Nicht die Rüben. Sondern das, was unter der Erde bleibt. Die Wurzeln. Die Samen. Die Erinnerung daran, daß die Erde nicht gehört. Sie gehört niemandem. Sie gehört nur denen, die noch hören können, wenn sie flüstert.

Und sie flüstert: *Ihr habt uns die Ernte gestohlen. Jetzt holen wir uns den Lohn.*

❖ Ende des Artikels ❖

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