Börse 1937
Terminal Tribune

15. Mai 2026

Dossier · Agrarpolitik & Ernährung

EU und USA streiten sich um Agrar- und Chemikalienregulierung

15. Mai 2026 · aus dem Archiv

**Die Erde blutet. Die Städte essen noch.**

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Es riecht nach nassem Stroh und verbrannten Versprechen, wenn man in den Agrarministerien sitzt und über PFAS und Loyalty-Programme redet. Die Chemikalien, die in Plastikverpackungen krepieren lassen, sind nur die letzte Spur von etwas viel Älterem: der Angst, dass das Essen, das man kauft, nicht mehr mit der Erde zu tun hat, die es einst trug. Die EU plant ab 2026, diese Gifte aus dem Verpackungsdunst zu verbannen – doch wer hat schon Lust, die leeren Worte von Brüssel zu lesen, wenn der eigene Boden schon längst vergiftet ist? Die Felder, die ich kenne, stinken nicht nach Verboten, sondern nach Öl, das in die Wurzeln sickert, bis das Getreide wie verrostetes Metall schmeckt.

Dazwischen tobt ein anderer Streit, der aber noch roher ist. In den USA klagen die Kartellwächter gegen Syngenta und Corteva, weil die beiden Konzerne Bauern mit ihren „Loyalty“-Programmen festhalten wie ein Knecht auf seinem Hof. Wer nicht kauft, was sie anbieten, dem wird der Zugang zu Saatgut oder Pestiziden verweigert. Das ist kein Geschäft, das ist ein Erpressungssystem – und es funktioniert, weil die Bauern keine Wahl haben. Die Preise steigen, die Erträge sinken, und am Ende bleibt ein Haufen Chemikalien, die das Land langfristig unfruchtbar machen. Die Städte jubeln, wenn die Supermarktregale voll sind, aber sie merken nicht, dass das Brot, das sie essen, mit Schulden belastet ist, die niemand zurückzahlen kann.

Doch das eigentliche Drama spielt sich in der Ukraine ab, wo die Felder unter dem Gewicht der Sanktionen ächzen. Weizen und Mais, einst die Kornkammern Europas, verrotten jetzt in den Scheunen oder werden auf dem Schwarzmarkt verkauft. Die Ukraine ist kein Spielball der Politik – sie ist ein lebendiges Feld, das unter den Stiefeln der Mächtigen zusammenbricht. Und während die Diplomaten in Brüssel und Washington über PFAS und Kartelle streiten, hungert jemand. Nicht mit dem leeren Magen, den man in der Stadt kennt, sondern mit dem Hunger, der von den Knien kommt, wenn man den Spaten in den Boden drückt und nur noch Staub findet.

Es bleibt die Frage, was übrigbleibt, wenn die letzten Felder aufgegeben sind. Nicht die leeren Verpackungen, nicht die gerichtlichen Urteile, nicht einmal die verrotteten Ernten. Es bleibt die Erde – und die Erkenntnis, dass sie nicht gehört, nicht verkauft und nicht verklagt werden kann. Sie atmet nur, solange jemand sie umarmt.

❖ Ende des Artikels ❖

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