Börse 1937
Terminal Tribune

18. Mai 2026

Dossier · Agrarpolitik & Ernährung

EU-Verordnungen und Agrarkonflikte: PFAS, Glyphosat und Kartellrecht

18. Mai 2026 · aus dem Archiv

**Die Erde unter dem Pflug. Und was darauf wächst.**

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Die Felder von Europa riechen seit Jahren nach etwas anderem als nach Regen und frischem Mist. Sie riechen nach Verträgen, die zu lange sind, nach Chemikalien, die nicht verschwinden, und nach Gerichten, die zu spät kommen. Seit 2026 wird die Europäische Union versuchen, eine der giftigsten Familien von Stoffen aus den Verpackungen zu verbannen, die unsere Lebensmittel einwickeln: PFAS. Die *perfluorierte Alkyllverbindungen* – sie kleben sich an alles, sie bleiben im Boden, sie finden ihren Weg in die Milch der Kühe, in die Eier der Hühner, in die Nieren der Kinder. Doch selbst wenn die EU sie verbietet, bleibt die Frage: Was verbirgt sich noch unter der Oberfläche? Was bleibt, wenn die Verpackung zerfällt, aber der Schaden längst geschehen ist?

Bayer – oder wie es früher hieß, Monsanto – steht vor dem Supreme Court der USA. Das Unternehmen, das einst die Welt mit Roundup und Glyphosat überschwemmte, das Bauern versprochen hat, ihre Felder widerstandsfähiger zu machen, während es ihnen die Saatgutpatente weggenommen hat, steht jetzt vor der Rechnung. Die Kläger fordern Gerechtigkeit für die Bauern, die krank geworden sind, für die Kinder, deren Leber nicht mehr filtert, was der Wind aus den Feldern bringt. Die USA haben bereits Milliarden an Schadensersatz gezahlt, doch die Felder sind nicht geheilt. Die Erde erinnert sich. Sie speichert die Toxine, sie gibt sie langsam zurück, Tropfen für Tropfen, Jahr für Jahr.

Und dann ist da noch das Kartell. Das Bundeskartellamt und die EU-Kommission wühlen in den Akten, suchen nach Beweisen, dass Bayer und andere Konzerne die Preise aufgeschraubt haben wie einen Gewindespanner auf einem morschen Holzstiel. Die Bauern wissen es längst. Sie haben die Rechnungen gesehen, sie haben die Erträge gemessen, sie haben gesehen, wie die Ernte von Jahr zu Jahr weniger wird, während die Kosten für Saatgut und Chemikalien steigen. Die Städte reden über Inflation, als wäre es ein Modephänomen, ein Accessoire wie eine neue Tasche. Doch die Bauern wissen: Inflation ist kein Kleidungsstück. Sie ist der Geruch von verbranntem Getreide, der aus den Silos steigt.

In Lateinamerika lehnen Länder wie El Salvador Verträge mit Bayer ab. Die Bauern dort haben gelernt, dass man nicht alles kaufen kann, nicht einmal die Saat, nicht einmal das Wasser, das ihre Felder tränkt. Gazprom pumpt weiterhin Gas nach Indien, als wäre die Welt noch ein Ort, in dem Energie einfach so fließt wie Wasser aus einem Hahn. Doch die Felder hungern. Sie brauchen keine Gasleitungen, sie brauchen Regen, sie brauchen Hände, die die Erde umgraben, sie brauchen Gesetze, die nicht zu spät kommen.

Was bleibt, wenn die Verpackungen verbrannt sind? Was bleibt, wenn die Konzerne ihre Geschäfte gemacht haben? Was bleibt, ist die Erde. Sie ist alt, sie ist zäh, sie vergisst nicht. Sie speichert die Wahrheit in ihren Schichten, in den Poren des Lehm, in den Wurzeln der alten Bäume. Sie wartet darauf, dass jemand hört. Aber die Städte hören nicht. Sie sitzen in ihren Büros, bestellen ihr Brot aus dem Supermarkt, bezahlen einen Aufschlag für die Unberührtheit ihrer Hände. Sie wissen nicht, was es heißt, wenn das Feld aufgibt. Wenn der Pflug keine Ernte mehr bringt.

Was bleibt, ist der Hunger. Und er kommt nicht mit leeren Tellern. Er kommt mit dem Geruch der vertrockneten Erde.

❖ Ende des Artikels ❖

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