Börse 1937
Terminal Tribune

25. Mai 2026

Dossier · Agrarpolitik & Ernährung

Glyphosat-Klagen und CBAM-Regulierung: Agrarpolitik im Zentrum

25. Mai 2026 · aus dem Archiv

**1937. Die Felder reden. Die Städte hören nicht zu.**

Zeitgenössische Anzeige (Illustration)
— Anzeige —

Die Erde unter den Zehen ist noch warm, als ich es schreibe – nicht vom Frühling, sondern von etwas anderem. Von den Aschepartikeln, die Bayer jetzt in Milliarden US-Dollar verschwindet sehen muss. 2,25 Milliarden für einen Mann, der behauptet, dass das Gift, das über seine Felder gesprüht wurde, ihm die Lunge gefressen hat. Die Stadt lacht vielleicht. Die Stadt redet über Lebensmittelpreise, während sie nicht weiß, dass Glyphosat nicht nur Krebs macht, sondern auch die Erde. Es tötet die Würmer, die die Erde atmen lassen. Es verbrennt die Mikroben, die den Stickstoff binden, der das Korn groß macht. Die Stadt versteht nicht, dass wenn das Unkraut stirbt, auch die Bienen sterben. Wenn die Bienen sterben, stirbt das Brot.

Und dann kommt der CBAM, dieser eiserne Zaun, den die EU um ihre Grenzen spannt. Importierte Güter sollen besteuert werden, wenn sie zu viel CO₂ in die Luft geblasen haben. Gut. Die Stadt jubelt. Sie denkt, sie hat eine Lösung gefunden. Aber sie vergisst, dass die Felder in Polen, die Mais für die Tiere anbauen, jetzt noch teureres Diesel verbrennen müssen, um die Ernte einzufahren. Dass der Bauer in Rumänien, der Sonnenblumen für das Bio-Diesel der Deutschen pflanzt, bald keine Saat mehr kaufen kann, weil die Chemiefabriken in der EU PFAS aus den Verpackungen verbannen – und die billigen Alternativen in China kommen, aber nur mit mehr Schadstoffen. Die Stadt denkt in Tonnen CO₂, aber sie versteht nicht, dass eine Tonne Mais nicht nur eine Zahl ist. Sie ist ein Feld, das von Trockenheit vertrocknet, ein Traktor, der über erschöpfte Böden fährt, ein Schwein, das hungert, weil der Futterpreis explodiert.

China und Saudi-Arabien lachen jetzt. Sie handeln weiter, während die EU sich in ihren eigenen Regeln verstrickt. Sie kaufen Phosphor, der aus Minen kommt, die von Ausbeutung und Wüstenbildung gezeichnet sind. Sie bauen ihre Agrarindustrie aus, während die Bauern in der EU ihre Maschinen verkaufen müssen, weil die Rente nicht reicht. Die Stadt sieht die leeren Regale und wundert sich über die Preise. Sie schreit nach mehr Ernte, mehr Produktion – ohne zu fragen, wer die Erde noch bestellt, wenn die Chemiefirmen ihre letzten Pillen Glyphosat verkauft haben.

Ich war auf einem Hof aufgewachsen. Ich kenne den Geruch von Erde, die unter dem Pflug aufbricht. Ich kenne das Schweigen der Felder im Sommer, wenn nichts mehr wächst. Ich kenne den Geschmack von Brot, das man mit den eigenen Händen aus dem Korn gemahlen hat, das man selbst geerntet hat. Die Stadt redet von Nachhaltigkeit. Aber Nachhaltigkeit ist kein Wort für sie. Nachhaltigkeit ist der Boden unter den Füßen, der noch etwas aushält. Nachhaltigkeit ist die Erinnerung daran, dass jede Saat, die nicht aufgeht, eine Lüge derer ist, die uns versprechen, wir könnten ewig weitergraben.

Was bleibt, ist die Frage, wer noch die Erde anfasst, bevor sie ganz tot ist.

❖ Ende des Artikels ❖

Erwähnt in diesen Akten

Aus diesem Ressort