Verordnete Distanz — und der Wald, der zwischen den Zahlen verschwand
Man muss den Erlass nicht beim Namen nennen, um seinen Umriss zu erkennen. Er steht zwischen den Zeilen, wie ein Schatten hinter einer Tür, die niemand schließen will. Im Januar dieses Jahres, in einem Gerichtssaal in Ranchi, geschah etwas, das in den Akten den harmlosen Titel einer Verfahrensanordnung trägt — und in der Landschaft Jharkhands eine Narbe hinterlässt, die sich nicht mehr zurücknehmen lässt.
Die Jharkhand State Pollution Control Board, jene Behörde also, die den Namen des Staates trägt und den Auftrag, seine Luft rein zu halten, hatte eine Mitteilung herausgegeben. Sie tat, was Behörden tun, wenn ihnen die Geometrie der Schutzregeln nicht mehr passt: Sie verkleinerte sie. Aus vierhundert, fünfhundert Metern — jenem Abstand, der bisher zwischen einem Steinbruch und der Grenze eines geschützten Waldes liegen musste — wurden zweihundertfünfzig. Eine Zahl, getippt auf einem Formular, unterzeichnet vermutlich von jemandem, der an jenem Morgen noch Kaffee trank.
Dann kam der High Court. Im April ordnete er an, was anzuordnen war: fünfhundert Meter für Steinbrüche, vierhundert für Steinbrecher, gemessen von der Grenze des Waldes. Die Schutzlinie wurde wiederhergestellt, nicht weil die Vernunft gesiegt hätte, sondern weil ein Gericht sich erinnerte, wozu es da ist. Man darf sich fragen, was in den Monaten dazwischen geschehen ist. Welche Bagger rollten, welche Laster fuhren, welcher Staub sich über welche Blätter legte, während die Akten zwischen den Schreibtischen pendelten und irgendwo ein Wald sein Profil verlor.
Am Donnerstag, dem achtzehnten Juni, saß man in Neu-Delhi. Chief Justice Surya Kant, Justice V. Mohana. Die JSPCB erschien, nicht als Angeklagter, sondern — und das ist die Ironie, die sich von selbst schreibt — als Bittstellerin. Man habe doch alles stillgelegt, sagte ihr Anwalt. Die Welt stehe still. Das Oberste Gericht hob den Blick kaum. Die Behörde habe den Abstand " abrupt reduziert", stellte der Vorsitzende fest, und wer die Handschrift solcher Sätze kennt, weiß, dass dieses Adjektiv eine höfliche Art ist, einen Skandal zu beschreiben.
"Wir können unsere High Courts nicht entmutigen", ließ der Chief Justice verlauten, "wir sind keine Schulmeister, die den High Courts sagen, was sie zu tun haben und was nicht. Die High Courts sind Verfassungsgerichte." Drei Sätze, die wie Glas klingen. In ihnen steckt das gesamte Versprechen einer Gewaltenteilung, das in diesen Jahren an so vielen Orten der Welt so leise zerbrochen ist. Ein Oberstes Gericht, das zurücktritt, nicht aus Schwäche, sondern aus Achtung. Eine Behörde, die nun mit ihrer eigenen Verkürzung hadert, weil die Verkürzung ihr auf die Füße fiel.
Die JSPCB, heißt es, werde ihren Antrag zurückziehen. Was bleibt, ist die Akte. Und in der Akte, für jeden, der sie öffnet, die unausgesprochene Frage: Wer hat unterschrieben? Wer hat die zweihundertfünfzig Meter gewollt — und wem haben sie genutzt? Man wird es nicht erfahren, denn es ist nicht die Art dieser Vorgänge, Namen zu hinterlassen. Sie hinterlassen Zahlen. Und die Zahlen hinterlassen Krater.
Jharkhand, sagte der Chief Justice, sei einer jener Staaten, in denen man das natürliche Ökosystem wirklich schützen könne. Ein Satz, der wie ein Kompliment klingt und wie ein Auftrag. Und wie eine Mahnung an alle, die zwischen den Zeilen zu lesen verstehen: Dass es weniger bedarf als eines ganzen Erlasses, um einen Wald zu halbieren. Es genügt eine Zahl, geändert auf einem Formular, an einem Morgen, an dem niemand hinschaut. Die Bagger brauchen keinen Auftrag. Sie brauchen nur einen Abstand, der klein genug ist.