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Terminal Tribune

5. August 2026

Dossier · Politik & Macht

Die Verbündeten, die keiner mehr prüft

5. August 2026 — — Kastner

Manche Bündnisse zerbrechen nicht laut. Sie zerbrechen, indem jemand eine Einladung annimmt, die niemand ausgesprochen haben will. Cori Bush, einst Teil jenes "Squad" genannten Blocks, der sich als moralisches Gewissen der Demokratie inszenierte, kandidiert erneut in Missouris erstem Kongressdistrikt. An ihrer Seite auf einem Wahlkampf-Post: Christopher Winston, online besser bekannt als BlackRedGuard, selbsternannter Maoist, Organisator innerhalb der Democratic Socialists of America.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Was Winston sagt, sagt er ohne Schleier. In einem von Fox News Digital gesichteten Video fragt er: "Was ist falsch daran, Molotowcocktails auf eine Polizeistation zu werfen?" Die amerikanische Flagge sei "ein Symbol der Sklaverei und des Genozids, die Amerika gebaut haben" und solle "auf diese Weise immer geschändet werden". Amerika solle man nicht reparieren, sondern "entmachen". Und wer sich Linker nenne und zugleich Hamas oder Hisbollah verurteile, dem gilt sein Spott: "Wenn ihr Scheiße sagt wie 'Ich unterstütze Hisbollah/Hamas nicht' und euch Linke nennt, seid ihr lame. Alle Macht dem gesamten Widerstand. Frieden durch das Schwert."

Das ist die Rhetorik eines Mannes, der sich nicht verstellt. Gerade deshalb ist der Fall lehrreich. Denn als Fox News Digital Bushs Kampagne fragte, welche Rolle Winston spiele, ob sie ihn kenne, ob er eingeladen worden sei — die Kampagne antwortete nicht. Sie schickte einen Link zu einem Artikel über Joy Behar und demokratischen Sozialismus. So begegnet man Fragen, die man nicht beantworten will: mit dem Hinweis auf etwas anderes.

Hier zerfällt nicht allein eine Kampagne. Hier zerfällt das Vokabular, mit dem progressive Politik sich selbst legitimiert. Eine ehemalige Kongressabgeordnete, die mit einem Aktivisten auftritt, der Gewalt gegen Polizeistationen nicht ausschließt und die Flagge des Landes öffentlich schänden lässt, das er zu repräsentieren beansprucht — das ist kein Missgeschick. Das ist die Konsequenz einer Bewegung, die ihre Grenzen so lange verschob, bis sie keine mehr besaß. Wer die Verurteilung von Hamas und Hisbollah als unzulässige Reinheit verlacht, hat eine Tür geöffnet, durch die andere eintreten. Sie schließt sich nicht von selbst.

Und dies geschieht nicht im luftleeren Raum. In diesen Tagen wählt Hamas in Doha Khalil al-Hayya zum neuen Chef des Politbüros, 35 gegen 34 Stimmen über Khaled Meshaal. Hayya tritt die Nachfolge Yahya Sinwars an, der die Führung nach dem Tod Ismail Haniyehs in Teheran übernommen hatte und im Oktober 2024 in Rafah fiel. Die Bewegung reorganisiert sich; sie setzt einen erfahrenen Unterhändler an die Spitze — einen Mann, den Israel im September 2025 in Katar zusammen mit dem Verhandlungsteam zu töten versuchte. International wurde das als "Gangsterverhalten" beschrieben. Hamas, das zeigen diese Vorgänge, ist kein Geist aufgegebener Ideen. Es ist eine funktionierende Apparatur, die sich an Verhandlungstischen ebenso bewegt wie in Tunneln.

Wer in Missouri einen Aktivisten neben sich auftreten lässt, der Hamas und Hisbollah nicht verurteilen will, bezieht damit keine neutrale Position. Er bezieht eine, die diese Apparatur nicht benennt und ihre Handlungen nicht gewichtet. Das ist Komplizenschaft durch Verschweigen — und Verschweigen, das weiß man aus Genf, ist die diplomatische Schwester der Lüge.

Allerdings, und dies sei mit der Klarheit gesagt, die ein ermittelnder Blick verlangt: keine Behauptung über politische Gewalt darf ungeprüft übernommen werden. Was Winston in seinen Videos sagt, was er relativiert, was er fordert — all das ist in seinem konkreten Wortlaut, mit Datum und Kontext, zu verifizieren, bevor es zur Anklage wird. Die Berichterstattung, die diese Zitate liefert, muss sich an deren Authentizität messen lassen. Die Kampagne Bushs hat die ihr gestellten Fragen nicht beantwortet. Das Schweigen ist dokumentiert — aber Schweigen ist kein Geständnis, und kein Zitat ohne Quelle ersetzt die Prüfung.

Denn das ist das Gift unserer Gegenwart: dass die einen schreien und die anderen schweigen, und beide einander die Bühne überlassen. Wer den Molotow als Argument führt und wer ihm applaudierend zur Seite steht, sitzt am selben Tisch. Die Karten liegen offen. Man muss sie nur lesen können.

In Genf habe ich Männern zugesehen, die lächelnd unterzeichneten und am nächsten Morgen die Klausel vergessen hatten, die ihnen nicht passte. Hier, in Missouri, lächelt niemand. Man steht nebeneinander und schweigt. Das ist ehrlicher, in gewisser Weise. Aber nicht weniger gefährlich.

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