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Der BJP-freie Gott: Uddhav Thackerays fromme Wende

5. August 2026 — — — Kastner

Nagpur, im Juli. Während in Delhi Sonam Wangchuk nach achtzehn Tagen Hungerstreit gewaltsam in ein Krankenhaus verfrachtet wird, weil er den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan erzwingen will — NEET-Prüfungen im Umlauf, abertausend Karrieren mitgerissen —, während junge Menschen, die sich Cockroach Janta Party nennen, gegen die geleakten Papiere und die gestohlenen Zukünfte aufmarschieren, während in Ayodhya eine Sonderermittlungsgruppe gegen acht Verhaftete ermittelt, weil Geld aus dem Heiligtum verschwunden sein soll: ausgerechnet in diesem Sommer der offenen Rechnungen tritt Uddhav Thackeray vor die Mikrofone und ruft eine Bewegung aus, die er das „BJP-freie Ram" nennt.

Man muss die Mechanik dieses Schachzugs betrachten, nicht seine Rhetorik.

Da steht ein Mann, dessen politische Existenz durch eine Spaltung definiert ist. Die Shiv Sena ist ein Haus mit zwei Herren — der eine sitzt in der Regierung, der andere draußen. Draußen sein, in der indischen Politik, ist eine Form des langsamen Verschwindens. Wer nicht im Spiel ist, wird irgendwann nicht mehr mitgespielt. Und so greift Uddhav Thackeray nach dem Instrument, das ihm bleibt: das Religiöse, genauer, das Politisch-Religiöse, das die BJP selbst zur Währung gemacht hat.

Der Trick ist einfach, und deshalb brillant. Man nehme das Symbol des Gegners, füge das Wort „frei" hinzu und reklamiere das Eigentum neu. BJP-mukt Ram. Ein Gott, befreit von der Partei, die ihn vereinnahmt hat. Es ist, als würde man in einem besetzten Haus dem Besitzer sagen: Ich nehme nicht das Haus, ich nehme nur die Wände zurück.

Dahinter liegt Kalkül. Wer in Nagpur, im Herzland der Hindutva, einen „Ram Raksha Andolan" ausruft und parallel die Polizeiaktion gegen die Protestierenden von Jantar Mantar verurteilt, der spielt zwei Karten gleichzeitig. Die Karte der Frommen und die Karte der unzufriedenen Jugend. Eine Opposition, die glaubt, sie könne zugleich das Mandir verteidigen und den Studenten die Tür öffnen, fischt in beiden Teichen. Es ist ein Risiko. Aber es ist ein kalkuliertes.

Die Indizien sprechen für sich. Eine FIR wurde am 25. Juni registriert. Acht Beschuldigte wurden verhaftet, eine Sonderermittlungsgruppe ermittelt. Wenn Geld aus einem Tempel verschwindet, an dessen Einweihung ein Premierminister die Ehre des Hauses heftete, dann ist das nicht nur ein Finanzskandal, sondern eine narrative Wunde. Thackeray legt den Finger hinein. Sein Vater, sagt er, habe die Bewegung einst in Gang gesetzt — der Gründer der Shiv Sena habe die Massen für Ayodhya mobilisiert. Jetzt, so der Subtext, werde er, der Sohn, sie reinigen.

Es ist ein Anspruch, der manchem fromm vorkommen mag. Devendra Fadnavis, Chief Minister von Maharashtra, hat das umgehend ironisiert. „Ich freue mich, dass Uddhav-ji endlich verstanden hat: jo Ram ka nahi, woh kisi kaam ka nahi", sagte er in Pune — wer nicht für Ram ist, ist zu nichts nütze. Es klang wie ein Lächeln. Es war eine Klinge. Fadnavis' Spott erfüllt eine Funktion, die auf den ersten Blick wie eine Bloßstellung wirkt: Er gibt Thackeray öffentliche Aufmerksamkeit zurück. Er verschiebt das Gespräch zurück auf die Person, die es braucht.

Denn hier liegt der wahre Kern des Manövers. Uddhav Thackeray kämpft nicht in erster Linie gegen die BJP. Er kämpft gegen seine eigene Marginalisierung. Eine Partei, die nicht im Rampenlicht steht, ist eine sterbende Partei. Die „Ram Raksha Andolan" ist kein spontaner Pilgerakt — sie ist eine Bühne, besetzt mit den richtigen Namen: Aditya Thackeray, Sanjay Raut, Ambadas Danve, Sunil Prabhu, Anil Desai, Suraj Chavan, Kishor Kumeria, Satish Harde. Eine Familientherapie in politischer Form.

Dass parallel in Delhi Sonam Wangchuk aus dem Safdarjung-Krankenhaus eine handgeschriebene Notiz schickt — übermittelt durch seine Frau Gitanjali J. Angmo — und den 20. Juli zur „zweiten Freiheitsbewegung" Indiens erklärt, das ist das Geschenk, das Thackeray braucht. „Freiheit von Ungerechtigkeit, Freiheit von Angst", schreibt er aus seiner „illegalen Haft". Es liefert ihm ein moralisches Argument, das er sonst nicht hätte. Die BJP, so die Botschaft, unterdrückt Glaube und Jugend gleichermaßen. Wer Wangchuk stützt, stützt Ram.

Unklar bleibt, wie weit diese Koalition der Frommen und Enttäuschten trägt. Unklar bleibt auch, ob Uddhavs Satz — Ayodhya sei nur ein Trailer, Kashi und Mathura folgten noch — mehr ist als ein rhetorischer Pfeil, oder ob er eine Eskalationslogik bedient, die niemand mehr kontrollieren kann.

Was man weiß: Es geht nicht um Gott. Es geht um Gott als Waffe. Und wer die Waffe hält, bestimmt, wohin der Lauf zeigt.

Nagpur war eine Bühne. Der Vorhang ist gefallen. Der nächste Akt entscheidet sich am 20. Juli in Delhi.

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