ZERO DAYLIGHT — UND ZWEI UNTERSCHRIFTEN, DIE SICH WIDERSPRECHEN
Die Handschuhe liegen bereit. Man zieht sie an, bevor man ein Dokument berührt, das nicht berührt werden will. Denn was hier als historischer Durchschnitt verkauft wird — das Memorandum zwischen Washington und Teheran, unterzeichnet von Donald Trump und JD Vance, flankiert von der monoton wiederholten Floskel „zero daylight" zwischen den Golfverbündeten und der amerikanischen Führung —, ist in Wahrheit ein Schattenriss, dessen Konturen niemand kennt und dessen Signaturen sich in den wenigen verfügbaren Quellen auf bemerkenswerte Weise voneinander entfernen.
Man stelle sich das vor: Eine Quelle sagt, Trump habe persönlich unterschrieben. Eine andere sagt, es sei eine digitale Signatur gewesen. Das ist kein redaktioneller Lapsus. Das ist eine Signatur, die nicht weiß, was sie ist. Und wenn schon die grundlegendste Geste eines Staatsakts — die Hand, die den Stift führt, oder der Code, der sie ersetzt — in den Berichten nicht übereinstimmt, dann hat man es nicht mit einem Memorandum zu tun, sondern mit einer Performance, die sich als Papier verkleidet.
Mike Waltz, dessen Rolle als außenpolitischer Strippenzieher in den jüngsten Oval-Office-Szenen so demonstrativ zelebriert wurde — „Trump calls the shots", wie festgehalten wurde, flankiert von der Bezeichnung „Operation Epic Fury" für einen Militäreinsatz, der mehr nach Drehbuch als nach Strategie klingt —, dieser Waltz also ist es, der uns versichert, die Golfverbündeten stünden „zero daylight" hinter dem Druckkurs gegen Iran. Aber schon der Begriff selbst zerfällt bei näherer Betrachtung: Eine Quelle wiederholt ihn wie ein Glaubensbekenntnis, eine andere erwähnt ihn nicht einmal. Was bleibt, ist ein Slogan, der so oft wiederholt wird, bis er seine eigene Bestätigung wird.
Dasselbe Waltz. Dieselbe Stimme. Dieselbe Bühne. Was im Hintergrund passiert, ist eine Choreographie der Zustimmung: Alliierte, die „zero daylight" sagen, während die Kameras laufen, und ein Präsident, der die Schüsse ruft, wie MEAWW ausdrücklich festhält. „Operation Epic Fury" — der Name allein ist ein Statement. Wer gibt einem Militäreinsatz einen solchen Titel, wenn er nicht als Film auf den Markt kommen soll?
Was beinhaltet das Memorandum also wirklich? Es soll — so heißt es — die Wiedereröffnung der Straße von Hormus vorsehen, das Ende der amerikanischen Blockade, die Rückkehr von IAEA-Inspektoren in das Land. Drei Punkte, jeder davon ein Pulverfass. Aber die Details des Abkommens, so räumen die Quellen selbst ein, bleiben unklar. Unklar. Das ist das Wort, das in jedem sauber formulierten Geheimbericht steht, wenn man nicht lügen, aber auch nicht sagen will.
Die Korroboration, soweit sie überhaupt existiert, ist eher bestätigend als erhellend. Al Jazeera verfolgt die Berichterstattung als fortlaufende Chronik; MEAWW dokumentiert Waltz' Worte zur Kontrolle des Präsidenten über die Außenpolitik; und eine iranische Warnung mit dem Titel „Eye For An Eye" nennt neue US-Ziele als Reaktion auf Trumps Drohung, iranische Brücken und Kraftwerke anzugreifen, sollte Teheran die kommerzielle Schifffahrt in der Straße von Hormus stören. Man beachte die Mechanik: Auf der einen Seite wird ein Memorandum unterzeichnet, das die Straße von Hormus wieder öffnen soll; auf der anderen droht der Unterzeichner mit der Zerstörung der Infrastruktur, die sie trägt.
Das ist kein Widerspruch. Es ist ein Rhythmus. Es ist das alte Spiel der Drohung und der Geste, das immer dann gespielt wird, wenn die Architekten der Macht ihren Auftritt brauchen und die Architekten der Berichterstattung nicht zu genau hinsehen wollen.
Wer profitiert? Das ist die Frage, die dieser Artikel stellen muss, auch wenn die Quellen sie nicht beantworten. Wer profitiert von einem Memorandum, dessen Inhalt niemand kennt, dessen Signaturen sich widersprechen, und dessen einziger verbindlicher Bestandteil das Wort „zero daylight" ist, das ein Sprecher sagt und ein anderer verschweigt? Wer profitiert von einer „Operation Epic Fury", deren Drehbuchname mehr Aufmerksamkeit erzeugt als ihr operatives Ergebnis?
Unklar bleibt, wer tatsächlich unterzeichnet hat. Unklar bleibt, was die IAEA-Inspektoren genau sehen sollen. Unklar bleibt, was „Blockade beenden" in einem Kontext bedeutet, in dem Schiffe und Brücken gleichzeitig zur Verhandlungsmasse gemacht werden. Und unklar bleibt vor allem — und das ist die Frage, die kein Memorandum beantworten wird —, ob dieses Dokument jemals ein Dokument war, oder ob es von Anfang an als Spiegel konzipiert wurde, in dem jede Seite das sieht, was sie sehen muss, um das zu tun, was sie ohnehin tun wollte.
Zero daylight. Man wiederholt es so lange, bis die Sonne nicht mehr scheint. Und die Handschuhe? Die legt man erst ab, wenn man sicher weiß, was man angefasst hat.