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6. August 2026

Dossier · Politik & Macht

DIE PARTNER HINTER FFE: KUSHNER, TRUMP UND DAS SCHWEIGEN DER FIFA

6. August 2026 — — Kastner

Es gibt Verträge, die schließen sich selbst — leise, in einem Nebenzimmer, während die Welt auf die Bühne schaut. Diesmal ist das Nebenzimmer Zürich, die Bühne heißt Fußball, und der Mann, der sich den Mantel anzieht, heißt Gianni Infantino.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Was die FIFA in diesen Tagen vorbereitet, ist kein Mietvertrag. Es ist die Übersetzung eines Weltverbandes in eine Aktiengesellschaft. Die Männer- und die Frauen-Weltmeisterschaft, die Klub-WM, alle künftigen Turniere sollen unter dem Dach eines neuen Unternehmens gebündelt werden, das auf den Kürzel FFE hört und auf zwanzig Milliarden Dollar taxiert wird. Private Investoren, so die offizielle Lesart, sollen rund zwanzig Prozent erwerben können; manche Quellen sprechen bereits von dreißig. Der Erlös aus dem ersten Verkauf wird auf mehr als vier Milliarden Dollar geschätzt; der Gesamtwert des Paketes, so munkelt man zwischen Times, Telegraph und Financial Times, auf mehr als siebzehn Milliarden Euro.

Was diese Quellen verschweigen, ist die entscheidende Frage: Wer?

Eine erste Spur führt nach New York, eine zweite nach Washington. Die britische Times berichtet, die Regierung von US-Präsident Donald Trump sei über den Plan konsultiert worden. Die Investmentbank JP Morgan wickle den Prozess ab. Und am Rand dieser Konstellation taucht ein Name auf, den die Sportpresse bislang nur als verwandtschaftliche Fußnote kannte: Joshua Kushner, Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des Präsidenten. Ein Technologe, ein Investor. Er soll mit seinem Fonds einsteigen wollen.

Man muss hier nicht spekulieren. Man muss nur sortieren. Infantino ist FIFA-Präsident; seine Statuten erlauben es ihm bis 2031, dann ist Schluss. Was aber nicht Schluss sein muss, ist der Einfluss. Die Times schreibt, Infantino könne nach seiner Amtszeit Kommissar der neuen Organisation werden. Er verkauft also nicht nur das Turnier — er verkauft sich selbst mit, in eine Position außerhalb jeder demokratischen Kontrolle.

Man verteile das Schweigen. Alle 211 Mitgliedsverbände sollen kleinere Anteile an FFE erhalten, Anteile, die sie behalten oder weiterverkaufen dürfen. Es ist das alte Trostpflaster der Mächtigen: Man gibt jedem etwas in die Hand, damit jeder die Hand hält. Eine offene Frage bleibt jedoch: Wer sind die anderen Investoren? Welche Fonds aus dem Golf, aus dem Silicon Valley, aus London? Wer hat Joshua Kushner den Tisch freigeräumt, und unter welchen Bedingungen?

In Europa hat man den Mantel erkannt, noch bevor er ganz zugeknöpft war. Bei der Uefa fiel das Wort „Atombombe" — die Times wählte es für den internen Schock, den die Pläne ausgelöst haben. „Viele im europäischen Fußball sehen die Pläne der FIFA als absoluten Angriff auf den Fußball an. Diese Haltung teile ich", sagte Hans-Joachim Watzke, Präsident des Ligaverbandes und Vize im Uefa-Exekutivkomitee, dem kicker. Hier werde eine Grenze überschritten; unter den europäischen Verbänden herrsche darüber „Einigkeit". In dieser Woche soll es, so heißt es aus Nyon, eine digitale Dringlichkeitssitzung geben. Die Rede ist vom letzten Wort: dem Boykott.

Es ist ein seltenes Wort aus einem Verband, der sonst jede Krise in Watte wickelt. „Die Seele und die Führung des Fußballs sind keine Vermögenswerte, mit denen gehandelt werden darf — insbesondere dann nicht, wenn völlig intransparent ist, wer finanziell davon profitiert", schrieb die Uefa. „Keiner von uns besitzt den Fußball. Es ist nicht an der FIFA, ihn zu verkaufen." Man halte diesen Satz fest. Er steht jetzt über jeder weiteren Verhandlung.

Es ist ein alter Mechanismus, und ich kenne ihn aus Genf. Man nehme eine Institution, die der Welt gehört — ein Spiel, ein Klima, eine Gesundheit — und erkläre sie zur Aktiengesellschaft. Man hülle das Ganze in eine schöne Erzählung von Modernisierung und Wachstum. Man setze einen Preis in Dollar, und der Dollar rechtfertige fortan jede Entscheidung. EU-Sportkommissar Glenn Micallef hat „Hände weg von unserem Sport" auf X geschrieben und vor einer „unaufhaltsamen Kommerzialisierung" gewarnt, die „zerstörerisch" werde. Andy Burnham hat sich angeschlossen. Und Sepp Blatter — der Mann, der selbst Hand an die Kommerzialisierung legte und daran zerbrach — schrieb das Bemerkenswerteste: Die „enge Beziehung" zwischen Infantino und Trump habe „eine finanzielle Dimension erreicht, die dem Fußball tief schadet. Niemand hat das Recht, unser Spiel zu verkaufen."

Niemand. Außer denen, die gerade die Feder führen.

Ich habe in Genf Verträge gesehen, die auf gutem Papier gedruckt und in noch besserem Deutsch formuliert waren. Man hat sie unterschrieben, man hat sie eingehalten — auf dem Papier. Was dann geschah, hat man den Männern angesehen, die lächelnd die Feder führten. Es ist 1937 nicht anders gewesen. Heute lächelt Infantino nicht einmal mehr. Er lächelt nicht, weil er nicht mehr muss. Das Geld lächelt für ihn.

Was am Ende auf dem Spiel steht, ist nicht irgendein Vertrag. Es ist die Vorstellung, dass ein Spiel noch ein Spiel sein darf — und nicht der verlängerte Arm einer Familienholding zwischen New York, Washington und Zürich. Die Uefa hat noch diese Woche die Wahl zwischen Watte und Konsequenz. Sie hat es in der Hand.

Man wird sehen, ob sie es hat.

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