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Wo sind die 1,6 Milliarden der Kinder, Herr Healey?

6. August 2026 — — — Kastner

Man schreibt das Jahr 2002, und ein Schatzkanzler mit dem Pathos eines Feldherrn verspricht, was Versprechen in dieser Stadt immer versprochen haben: eine „wealth-owning, asset-owning democracy for all", ausgesprochen von Gordon Brown, bezeugt von David Blunkett, in den Akten verewigt, in den Archiven vergraben. Die Kameras hielten fest, was die Akten später nicht mehr hergeben sollten — den Augenblick, in dem ein Säugling einen Schuldschein auf sein eigenes Leben ausgehändigt bekam, eingelöst: nie.

Jedes Kind bekam 250 Pfund. Nicht viel. Genug. Genug für eine Geste, die sagen wollte: Der Staat meint es gut mit dir, bevor du auch nur deinen Namen schreiben kannst. Die Kinder, die so beschenkt wurden, sind heute erwachsen. Sie fragen nach ihrem Geld. Das Geld ist nicht da.

Eintausendsechshundert Millionen Pfund — „unclaimed", so nennt es die Sprache der Banken, die das Verschwinden mit Anglizismen zu tarnen weiß. „Unclaimed" klingt nach Vergesslichkeit der Kunden, nach einem Schalter, an dem niemand erschien. Es klingt nicht nach dem, was es ist: ein systemisches Versagen, papierene Ordner, in denen Namen verrotten, während die Gehaltsabrechnungen der Manager Monat für Monat dicker werden.

Die Architekten, sagen die Stimmen der Branche, hätten die Tür gebaut, durch die der Wind weht. Einer dieser Architekten sitzt heute im Schatzkanzleramt. Sein Name: John Healey. „Guided" — so steht es in den Annalen — habe er das Kindergeldkonto in die Existenz. Ein sanftes Wort für eine harte Tat: Er hat ein Verfahren mitgeformt, das darauf angelegt war, dass Mittel zwischen den Fingern zerrinnen, während die Gebühren in die rechte Hand fließen.

Die Manager — und hier zitiere man mich genau, denn die Schlichtheit der Zahl ist der beste Beweis — verdienten Millionen, während die Kinder, für die das Konto geführt wurde, nichts erfuhren. Kein Brief. Kein Hinweis. Keine Stimme aus dem Ministerium, die gesagt hätte: Dein Geld wartet. Es wartet nicht. Es ist fort.

Die Struktur war der Täter. Der Child Trust Fund, ein Konto, das die Treasury für jedes neugeborene Kind eröffnete, verbaute sich in der eigenen Bürokratie. Eine Behörde, die den Kontostand verwahrt, eine Bank, die ihn führt, eine Aufsicht, die beide kontrollieren soll, und ein Kind, das zwischen 2002 und 2011 geboren wurde — ein Bürger, der nicht wissen konnte, dass ihm auf seinen Namen ein Konto existiert. Diese Architektur war nicht dumm. Diese Architektur war bequem. Für alle, die an ihr verdienten.

Healey, der gestern noch Verteidigungsminister war und heute — nach jenem Sommer, der Rachel Reeves stürzte und Andy Burnham zum Königsmacher machte — das Schatzkanzleramt übernommen hat, schweigt bisher zu diesem Kapitel. Er spricht, im Gegenteil. Von „Pessimismus, der unseren Wohlstand zernagt", wirft seiner Vorgängerin eine „Schwarze-Loch-Rechnung" vor, klagt über Unternehmen, die nach „Atemraum" lechzen. Kein Wort, sehr verehrtes Publikum, kein einziges über die 1,6 Milliarden, die unter seiner Hand als junger Treasury-Minister über die Tische gingen.

Und genau hier beginnt die Frage, die man stellen muss, bevor das nächste Jahrzehnt zur Gewohnheit wird: Wer haftet? Wer haftet zivilrechtlich für die Kinder, die heute erfahren, dass ihr Erbe sich in Luft aufgelöst hat? Wer haftet strafrechtlich für eine Architektur, die — wenn man die fahrlässige Konstruktion eines Systems, das den Verlust von 1,6 Milliarden an Kindergeldern systematisch ermöglicht, beim Namen nennt — den Straftatbestand der Untreue zumindest in den Bereich des Denkbaren rückt? Ein Minister, der ein Programm „leitet" und nicht sicherstellt, dass die ihm anvertrauten Mittel der Kinder dort ankommen, wo sie hingehören — auf den Konten, mit Informationen, mit Erinnerungen —, hat nicht nur versagt. Er hat eine Treuepflicht gebrochen, die gegenüber wehrlosen Bürgern besteht.

Man wird einwenden, die Beweislage sei diffizil. Man wird einwenden, dass Absicht schwer zu führen ist bei einem Programm, das 2002 begann und 2011 endete, in einer Zeit wechselnder Kanzler und wechselnder Minister. Aber genau das ist der Punkt. Wenn ein System 1,6 Milliarden verschlucken kann, ohne dass ein Entscheidungsträger zur Rechenschaft gezogen wird, dann ist das System nicht neutral. Dann ist das System eine Maschine, die gebaut wurde, um Verantwortung zu zerstreuen, bis niemand mehr greifbar ist.

Healey, der heute den Pessimismus seiner Vorgängerin geißelt, sollte sich an die eigene Stirn sehen. Reeves' „Schwarzes Loch" war 22 Milliarden groß. Healeys ist 1,6 Milliarden groß, aber es gehört den Kindern. Und es ist nicht in den Büchern. Das, sehr verehrtes Publikum, ist der Unterschied zwischen einem politischen Rechenfehler und einer moralischen Bankrotterklärung.

Wir werden die offenen Fragen notieren, bis sie beantwortet sind. Welche Aufsicht versagt hat. Welche Banken welche Gebühren kassierten. Welche Briefe geschrieben wurden und welche nicht. Wann John Healey, gefragt nach seinem Kindergeldkonto, antwortet — und wann er schweigt.

Eines ist sicher, in einer Stadt, die das Lügen zur diplomatischen Kunstform erhoben hat: Das Schweigen, sehr geehrter Herr Healey, ist in diesem Fall kein Schutz. Es ist ein Geständnis.

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