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Terminal Tribune

6. August 2026

Dossier · Politik & Macht

Der Anruf aus Washington und das Schweigen von Zürich

6. August 2026 — — Kastner

Manche Partien werden nicht auf dem Brett entschieden, sondern am Telefon. Was auf dem Spielfeld wie eine Regelwidrigkeit aussieht — Folarin Balogun, rote Karte im Achtelfinale, Sperre verhängt — wird zwischen zwei Männern in einem Gespräch aufgelöst, von dem niemand weiß, was darin gesagt wurde. Donald Trump ruft Gianni Infantino an. Das Ergebnis: Die Sperre wird aufgehoben. Balogun spielt gegen Belgien, verliert 1:4, und die FIFA wäscht sich die Hände in Unschuld.

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In der jüngeren WM-Geschichte beispiellos, sagen die einen. In der jüngeren FIFA-Geschichte erwartbar, sage ich. Wer ein System kennt, das seine eigenen Regeln nur so lange achtet, wie sie niemandem im Weg stehen, der wundert sich nicht über dieses Ende. Man wundert sich höchstens über jene, die es noch als Ausnahme verkaufen.

Es gibt Sätze, die in Protokolle geraten, und Sätze, die niemals an die Öffentlichkeit gelangen. Das Telefonat zwischen Trump und Infantino gehört zur zweiten Sorte. Kein Wortlaut, keine Mitschrift, keine offizielle Bestätigung. Unklar bleibt, welche Zusagen gemacht wurden, welche Druckmittel bewegt wurden, was im Gegenzug versprochen wurde. Fest steht nur, was danach geschah. Das Schweigen darüber ist auffälliger als jeder Wortlaut.

In dieses Schweigen hinein spricht Lise Klaveness, 45, Präsidentin des norwegischen Verbands. Sie sagt den Satz, den man sich merken sollte, weil er in keine Pressemitteilung der FIFA passen wird: „Wer gegen eine solche Regel verstößt, begibt sich auf einen gefährlichen Weg und gefährdet den gesamten Sport." Norwegen bereitet eine formelle Beschwerde vor. Norwegen — klein, kalt, unbestechlich in seinem Ruf nach Verfahren. Klaveness will das Telefonat vollständig aufgeklärt sehen. Sie sagt das nicht als Drohung. Sie sagt es als Frau, die weiß, dass es ohne Akten keine Gerechtigkeit gibt. Sie tut gut daran, es zu sagen, weil die FIFA, wie man sieht, es nicht tun wird.

Wer in Zürich profitiert, lässt sich präzise benennen: Infantino, dessen Position nur dann wackelt, wenn jemand den Teppich darunter hervorzieht. Die UEFA droht — und dass sie droht, ist bemerkenswert in einer Welt, die Drohungen sonst nur in Pressekonferenzen formuliert — mit dem Boykott der nächsten Weltmeisterschaft. Man muss sich das vorstellen: Die europäischen Verbände, sonst die geduldigsten Tischnachbarn der FIFA, ziehen den Tischtuch-Trick in Erwägung. Das ist kein Konflikt mehr. Das ist ein Aufstand mit Geschirr.

Nebenbei fließt Geld. Die jordanische Föderation erhielt vor wenigen Tagen eine seit acht Monaten überfällige Zahlung. Das Land verweigert dem Präsidenten gleichzeitig die Stimme. „Erpressung" ist ein Wort, das in den Raum gestellt wurde. Infantino antwortet darauf, wie Infantino antwortet: durch Abwesenheit. Dann ist da Marokko, Co-Gastgeber der WM 2030, wo Staat und Fußball eine Verbindung eingegangen sind, die in keinem Sportrechtshandbuch steht. Wer ausrichtet, sitzt mit am Tisch. Wer heute schweigt, wird übermorgen eingeladen.

Was bleibt, ist ein weißer Fleck auf der Landkarte des Weltfußballs, so groß wie ein Telefonhörer. Niemand weiß, was in dem Gespräch zwischen Trump und Infantino wirklich verhandelt wurde. Niemand weiß, welche Bitten, welche Versprechen, welche alten Freundschaften. Die FIFA spricht von einem sportlichen Verfahren. Die FIFA spricht immer von Verfahren, wenn sie über Verschweigen reden will.

Ich trage Handschuhe, wenn ich das schreibe. Nicht aus Scheu vor dem Thema, sondern weil jeder Abdruck in diesem Geschäft gegen einen verwendet wird. Infantino wird diese Zeilen nicht lesen, oder er wird so tun. Klaveness wird sie lesen und wissen, dass sie nicht allein ist. Und der norwegische Verband wird seine Beschwerde einreichen, pünktlich und korrekt, wie es sich für ein Land gehört, das noch an Verfahren glaubt.

Ob die FIFA antwortet, ist eine andere Frage. Eine, die ich nicht stellen, nur vermerken möchte.

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