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Terminal Tribune

6. August 2026

Dossier · Finanzen & Wirtschaft

Die Miete ist nicht das Problem — die Regulierung ist es

6. August 2026 — — E. Wolff

Sie nennen es Erholung. Ich nenne es Alibi.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Im zweiten Quartal 2026 sind die Mieten im Los Angeles County auf einen Vierjahrestiefstand gefallen. Vier Jahre. Eine kurze Atempause in einem Gebäude, das seit Jahrzehnten in Flammen steht. Wer diese Zahl feiert, sollte sie neben eine andere legen: Kalifornische Haushalte geben 34.000 Dollar im Jahr nur für Rechnungen aus. Nicht für Luxus. Nicht für die Sparbuchrendite. Fürs Überleben. Und während die einen noch mit der Miete kämpfen, kostet die durchschnittliche Bruttomiete in diesem Bundesstaat 2.104 Dollar im Monat — 60 Prozent über dem nationalen Median, das höchste in ganz Amerika. Die höchsten Mieten des Landes, in einem Bundesstaat, der sich rühmt, die Zukunft zu erfinden. Und dessen Regulierung die Gegenwart versagt.

L.A. fällt. Schön. Lokal, temporär, begrenzt. Eine Marktbewegung, die nichts an der Struktur ändert. Wer hier wohnt und arbeitet, weiß: Ein Vierjahrestief ist kein Sieg. Es ist die kurze Verschnaufpause zwischen zwei Mieterhöhungen, die mit derselben mechanischen Regelmäßigkeit kommen wie die Mahnungen im Briefkasten. Die Mittelklasse zieht ins Central Valley, pendelt zwei Stunden für weniger Quadratmeter, und nennt das Wahlfreiheit. Wer arm ist, bleibt. Weil Bleiben das Einzige ist, was kein Ticket kostet.

Doch bleiben wir bei den Zahlen — denn Zahlen sind das, was bleibt, wenn die Reden verhallt sind.

Die Mieten in Kalifornien sind zwischen 2019 und 2024 um 30 Prozent gestiegen. 30 Prozent. Das ist kein Zyklus, kein Wetter, kein höhere Gewalt. Das ist ein Mechanismus. Wer baute, wer genehmigte, wer nicht genehmigte, wer Zonen schrieb, die Bauen verboten oder verteuerten — all das hat Folgen, die sich in dieser Zahl verdichten. Eine Steigerung von 30 Prozent über fünf Jahre bedeutet, dass das Einkommen der Mieter mit derselben Geschwindigkeit wachsen müsste, nur um stehenzubleiben. Das tat es nicht. Es tat es nie.

Und jetzt kommt die Pointe, die keine Pointe ist, sondern ein Geständnis.

Die Diskussion über die Mieten in Kalifornien ist seit Jahren eine Diskussion über Symptome. Über Angebot und Nachfrage. Über Zyklen. Über das Wetter am Immobilienmarkt. Eine saubere, technische Sprache, die eines verschleiert: die politische Entscheidung, Bauen entweder zu behindern oder gar nicht erst zuzulassen. Über Jahrzehnte. In Stadtvierteln, die heute die höchsten Mieten des Landes tragen.

Wer profitiert? Nicht die, die zur Miete wohnen. Wer verschweigt? Die, deren Portfolios an Einheiten hängen, die durch künstliche Verknappung ihren Wert halten. Wessen Interesse ist es, dass das Angebot knapp bleibt? Wessen Lobby sitzt in Sacramento? Wer hat das letzte Jahrzehnt über jede Reform blockiert, die mehr Wohnungen bedeutet hätte — nicht weniger profitable, sondern mehr?

Ich sitze hier in meinem Büro, rauche Pfeife, und schaue auf die Statistik. $2.104. Das ist keine Zahl. Das ist ein Algorithmus, der aus Vorschriften gemacht wurde, aus Bauvorschriften, aus Zonierungsgesetzen, aus kommunalen Eitelkeiten, aus dem ungeschriebenen Gesetz, dass Einfamilienhäuser in bestimmten Vierteln heilig sind und Mehrfamilienhäuser Sünde.

L.A. County fällt im Q2 2026. Schön. Aber der Bundesstaat steigt. Der nationale Vergleich bleibt eindeutig: Kalifornien bleibt an der Spitze, 60 Prozent über dem Median. Und 34.000 Dollar jährlich an Rechnungen — das ist kein Haushaltsposten, das ist eine Mauer.

Eine Mauer, die mit jeder Genehmigung wächst, die nicht erteilt wird. Mit jedem Grundstück, das nicht bebaut wird. Mit jeder Reform, die im Ausschuss stirbt.

Die Frage ist nicht, ob die Mieten fallen werden. Sie fallen. Manchmal. Lokal. Temporär. Die Frage ist, warum sie überhaupt so hoch steigen konnten. Und warum niemand die Verantwortung dafür übernimmt, dass ein Bundesstaat mit den höchsten Mieten Amerikas gleichzeitig so tut, als wäre er überrascht davon.

Unklar bleibt, wer in den vergangenen zwei Jahrzehnten konkret von der Verknappung profitierte. Klar ist nur die Mechanik: Wer wenig baut, hält Preise hoch. Wer Preise hoch hält, schützt Werte. Wer Werte schützt, hat eine Stimme im System.

Die Mieter haben keine Stimme. Sie haben 34.000 Dollar. Die reichen nicht.

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