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Das Geschäft mit dem Regelbruch: UEFA, FIFA und die unsichtbare Bühne

7. August 2026 — — — Kastner

Es gibt Sätze, die klingen wie Grundsätze und gemeint sind wie Vorladungen. Als die Europäische Fußball-Union jüngst erklärte, FIFA habe eine „rote Linie" überschritten, geschah etwas, das in den Protokollen des Weltspiels sonst kaum vorkommt: ein europäischer Verband sprach offen von einem möglichen Boykott kommender Turniere, sollte der Weltverband seinen Investorendeal durchsetzen. Die Drohung steht im Raum. Sie steht da wie eine Waffe auf dem Tisch, von der niemand genau weiß, ob sie geladen ist oder nur poliert wird.

Man muss, um das zu verstehen, ein paar Schritte zurücktreten — nicht auf das Spielfeld, sondern hinter die Kulissen, dorthin, wo die Handtücher gefaltet, die Verträge unterzeichnet und die Kameras abgeschaltet werden. Die öffentliche Szene ist klassisch in ihrer Inszenierung: Donald Trump, US-Präsident und bekennender Anhänger des großen Spektakels, hat sich, so berichtet der Guardian, bei FIFA für die Aufhebung einer Sperre des US-Stürmers Folarin Balogun eingesetzt. Ein nationaler Lobbyakt, getarnt als sportliches Interesse. UEFA-Chef Aleksander Čeferin unterstützte die Kritik an diesem Eingriff, indem er eine Erklärung mittrug, in der die Entscheidung als „unverständlich und nicht zu rechtfertigen" bezeichnet wurde. So weit, so theatralisch.

Doch die wahre Geschichte beginnt dort, wo die Scheinwerfer verlöschen. Parallel zu dieser Komödie um eine rote Karte verhandelt FIFA über den Verkauf von Anteilen an seinen großen Wettbewerben. Man spricht von einem Investorendeal, der die Struktur des Weltfußballs grundlegend verändern würde. Hier liegt das Fleisch, an dem sich die Hunde die Zähne wetzen. UEFA, deren Statuten die Bewahrung des europäischen Modells geradezu beschwören, sieht in einem solchen Deal — so muss man vermuten, auch wenn offiziell geschwiegen wird — eine fundamentale Bedrohung. Nicht der Sport steht zur Disposition, sondern das Geschäftsmodell, das ihn trägt.

Es ist das alte Spiel, das wir kennen: jene Choreografie aus Verhandlung und Gegenverhandlung, immer dann aufgeführt, wenn große Summen und große Namen zusammenkommen. Verträge werden unterzeichnet, Lippen werden gefeuchtet, Handschuhe werden angezogen — und später, wenn die Kameras weg sind, wird nachverhandelt. Gianni Infantino, FIFA-Chef, pflegt ein ausnehmend gutes Verhältnis zum US-Präsidenten, und genau diese Nähe steht in der Kritik. Diese Nähe macht alles möglich: eine aufgeweichte Disziplinarmaßnahme hier, ein freundliches Telefonat dort, ein Investor, der in ein Turnier einsteigt, das ohnehin schon den Charakter eines globalen Markenprodukts trägt. Die Politik hat den Fußball längst gekauft. Die Frage ist, wer den Kaufpreis bezahlt.

Hier kommt, beinahe beiläufig, Andy Burnham ins Bild. Der Mann kündigte eine zwanzigprozentige Senkung der Gewerbesteuer für Pubs und Veranstaltungsorte an. Ein Steuerbeschluss, der in Manchester, Liverpool, Leeds Wellen schlagen mag. Doch der zweite, unsichtbare Stachel sitzt woanders: Die Tories, diese zähen Hüter der Erinnerung, behaupten, Burnham werde Großbritannien in die Siebziger zurückführen — als wäre das ein Vergehen und nicht, je nach Standpunkt, eine verlockende Aussicht. Man darf raten, wer in dieser Parallelgesellschaft als Bedrohung gilt: der Mann, der die Preise senkt, oder jene, die das Land längst an Investoren veräußern.

Doch zurück nach Zürich, in jene gläserne Kathedrale, in der FIFA residiert. Wenn UEFA droht, kommende Turniere zu boykottieren, falls FIFA den Investorendeal durchzieht, ist das keine sportliche Drohung. Es ist eine wirtschaftliche. Es ist die Drohung eines Marktes, der sich weigert, von außen kolonisiert zu werden. Es ist der Versuch, eine Marke zu schützen, die in Europa über ein Jahrhundert aufgebaut wurde — gegen ein Modell, in dem Kapital nicht nur fließt, sondern auch spricht. Pierluigi Collina, Schiedsrichter-Chef der FIFA, verteidigte dieser Tage einen Referee mit den Worten, man habe „volles Vertrauen" in ihn als „erfahrenen und hochgeachteten Unparteiischen". Solche Formulierungen liest man zweimal: Sie sind stets dann nötig, wenn jemand sie nicht mehr hat.

Wer profitiert? Diese Frage bleibt, so unbeantwortet sie im Raum steht, die einzige, die zählt. Wer profitiert von einem Weltverband, der seine Wettbewerbe teilprivatisiert? Wer profitiert von einem Präsidenten, der seine sportliche Großzügigkeit als diplomatische Währung einsetzt? Wer profitiert von einer europäischen Führung, die lautstark protestiert und leise rechnet? Jürgen Klopp, dieser glaubwürdige Mann mit den müden Augen, brachte es auf den Punkt, als er die Einmischung politischer Lider in die Disziplinargewalt des Fußballs anprangerte: „Das ist unser Sport, nicht ihrer." Er hat recht, sofern man unter „unser" jene versteht, die ihn spielen — und nicht jene, die ihn besitzen.

Die rote Linie, von der die Verbände sprechen, ist keine geographische und keine juristische. Sie ist eine narrative. Sie wird gezogen, um überschritten zu werden. Sie wird überschritten, um Verhandlungen zu eröffnen. Was am Ende des Tisches liegt, wird kein Bekenntnis sein, sondern ein Kompromiss — die Handschuhe wieder angezogen, die Protokolle wieder geglättet, die Kameras wieder eingeschaltet. Und wir, die Zuschauer dieses endlosen Spiels, werden erneut gebeten, auf den Ball zu starren, während um ihn herum die Welt verkauft wird. Es ist, höflich gesagt, ein Arrangement. Es ist, präzise gesagt, ein Geschäft. Alles andere ist Bühnenlicht.

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