Achtundneunzig Prozent Rhetorik. Was verschwindet hier eigentlich?
Es gibt Zahlen, die keine Zahlen sind. Es sind Vorhänge, die man vor etwas zieht, das man nicht zeigen möchte. Achtundneunzig Prozent — drei Silben, vom Schreibtisch eines Premiers gesprochen — gehören in jene Kategorie. Sie sind nicht dazu da, nachgemessen zu werden. Sie sind dazu da, geglaubt zu werden.
Andy Burnham sprach sie aus, als unterzeichne er einen Vertrag, von dem alle wissen, dass er nicht halten wird. Achtundneunzig Prozent der Migranten, so erklärte er zur Krise an der spanischen Enklave Ceuta, hätten das Grenzgebiet wieder verlassen. Die Worte verbreiteten sich mit der Geschwindigkeit einer Pressemitteilung, die niemand mehr prüft, weil der Absender glaubwürdig klingt. Am zwanzigsten Juli trat er sein Amt an. Am sechsten August fotografierten Reporter dieselben Gestalten auf demselben Strand — beim Fußballspiel, beim Sonnenbad, im Nichtstun, das keine Statistik erfasst. Die Zahl sagt: gegangen. Die Bilder sagen: geblieben. Sue Reid schrieb für die Daily Mail, die Wahrheit sei "alarmierend anders". Ich würde sagen: die Wahrheit ist älter als diese Krise.
Wer profitiert von dieser eleganten Diskrepanz? Nicht jene, die zwischen Rabat und Madrid in Bilanzen sortiert werden, deren Gesichter zumeist nordafrikanisch erscheinen, einige aus Subsahara-Afrika. Nicht die Guardia Civil, die zusätzliche dreißig Beamte an die Grenze erhielt, neben sechzig Soldaten der regulären Streitkräfte, die das spanische Innenministerium am dreißigsten Juli entsandte. Es profitieren jene, die mit der korrekten Zahl die falsche Realität beerdigen können. Ich habe das in Genf gesehen. In Räumen, in denen Verträge unterschrieben wurden, von denen jeder wusste, dass sie nicht halten würden. Die Sprache war damals dieselbe: ruhig, präzise, ohne Handschlag.
Burnhams Aufstieg liest sich wie das Drehbuch dieser Mechanik. Neun Jahre Bürgermeister von Greater Manchester, drei Wahlsiege in Folge, dann ein Sitz im Parlament, dann die Ablösung von Keir Starmer nach nur zwei Jahren im Amt — eines Premiers, dessen Stern bereits im Mai zu sinken begann, als Labour die Kommunalwahlen verlor, als die Reform UK in der Region Boden gewann, als die Grünen im Februar in Gorton und Denton eine Nachwahl holten und Labour auf den dritten Platz verwiesen. Burnham erbte ein Feld, das verwüstet dalag. Er besetzte es mit einer einzigen Geste: der Zahl. Er gründete "No. 10 North", eine Außenstelle der Downing Street in Manchester. Eine symbolische Geste der Dezentralisierung. Eine reale Geste der Kontrolle.
Es ist die Zahl, die verschleiert, wer die Fäden hält. Wer das Drama der Ceuta-Krise inszeniert — diese ständige Wiederaufführung einer humanitären Erschöpfung, die an der südlichen Außengrenze Europas nicht endet, weil sie offenbar nicht enden soll —, das bleibt im Dunkeln. Die Bilder zeigen Gesichter. Sie zeigen nicht die Architektur, die diese Menschen dorthin bringt, nicht die Schlepper, nicht die Grenzpolitiken, nicht die diplomatischen Kanäle zwischen Madrid und Rabat. Sie zeigen vor allem eines: dass eine Krise genau dann zu verschwinden scheint, wenn man sie mit einer Prozentzahl beerdigt.
Die Bürger von Manchester wählen am Donnerstag einen neuen Bürgermeister. Sieben Kandidaten treten an, darunter Bev Craig für Labour und Sian Astley für die Reform UK. Es ist, schreibt der Politikwissenschaftler Rob Ford, eine Schau der Stärke für jene Partei, die in der Region lange dominierte. Doch wer genau hinsieht, erkennt mehr: eine Wahl, die zur Vertrauensfrage umgewidmet wird, weg von den Inhalten, hin zu der Frage, ob eine Partei noch liefern kann. Burnham liefert. Mit Prozenten.
Ich trage beim Schreiben immer Handschuhe. Sie erinnern mich daran, dass die elegantesten Sätze jene sind, bei denen man das Blut nicht sieht.
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