DER DYSON, DAS REGAL, UND DAS SCHWEIGEN DER ZIFFERN
Ich habe Verträge gesehen, die mit Handschlag besiegelt und mit derselben Geste gebrochen wurden. Ich habe Männern in die Augen geschaut, die lächelten, während ihre Unterschrift noch trocknete. Wer glaubt, daß Fälschung und Verschleierung ein Vorreft der Diplomatie sei, kennt die Hochglanzprospekte nicht.
Ein Preis ist ein Versprechen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Wenn er auf einem Etikett steht, in einer Anzeige glänzt, an einer Kasse verlangt wird, dann trägt er die Verpflichtung eines Vertrages — auch wenn kein Notar daneben steht. Acht Pfund fünfzig Fünf für einen Dyson-Staubsauger — der Betrag klingt nach einer Geste der Großzügigkeit, nach einem Ausverkauf der Vernunft, nach einem Zug, der das Wort Großzügigkeit verdient hätte, wenn er denn wahr wäre.
Er ist es nicht.
Currys verkauft keine Dyson-Staubsauger zu diesem Preis. Der Satz steht hier, schwarz auf weiß, und er ist die einzige Tatsache, die ich verbürge. Alles andere — die Erzählung, die Empörung, die Entrüstung in den Foren — ist Stoff, der sich bei der ersten Wäscherei in Nichts auflöst. Ich habe nicht gesagt, daß Currys einen solchen Preis versprochen hat. Ich habe nicht gesagt, daß ein Kunde ihn bezahlt hat oder nicht bezahlt hat. Ich habe festgehalten: Der Preis, der da genannt wird, existiert nicht. Und genau dort beginnt die Untersuchung.
Was hier vorliegt, ist die Archäologie eines Verdachtes. Irgendwo — in welchem Kanal, an welcher Ecke des Konsums, in welchem sozialen Medium auch immer — ist die Zahl aufgetaucht. Acht Pfund fünfzig Fünf. Sie hat sich vermehrt, wie sich Gerüchte vermehren: durch Wiederholung, durch die Bestätigung in den Augen derer, die es glauben wollen, durch das Vergessen derer, die nachfragen könnten. Es gehört zum Handwerk der Täuschung, daß sie keine Väter hat und keine Mütter. Sie ist einfach da. Wie ein Geldschein auf dem Trottoir — zu schön, um wahr zu sein, und genau darum verdächtig.
Mein Beruf war es, Fassaden zu studieren. Hier ist die Fassade doppelt: der Preis, der nicht gilt, und die Stille des Unternehmens, das ihn dementiert oder eben nicht dementiert. Denn merken Sie auf. Ein Dementi ist eine Aussage. Das Schweigen ist eine andere. Es gibt Schweigen, das Unfähigkeit ist. Es gibt Schweigen, das Strategie ist. Und es gibt das Schweigen, das Handschuhe trägt und höflich lächelt, während es den Aufklärer warten läßt.
Die Frage ist nicht, ob der Preis stimmt — er stimmt nicht, und das ist die erste, die einzige, die wichtige Aussage dieses Textes. Die Frage ist auch nicht, ob der Dyson existiert. Er existiert. Er steht in diesen Läden, er hat einen Preis, der sich nach oben bewegt wie die Zinsen einer Bank, die ihre Kunden nicht kennt. Die Frage ist: Wer nennt Acht Pfund fünfzig Fünf? Welche Hand hat diese Zahl in die Welt gesetzt, mit welcher Absicht, und wem nützt es, wenn sie geglaubt wird?
Ich werde hier nicht spekulieren. Spekulation ist das Gift der Recherche und der Lebenssaft des Boulevards. Ich werde aber sehr deutlich sagen, was nicht geklärt ist und wer die Klärung schuldet. Der Verbraucher, der mit einem solchen Preis in einen Laden geht und ihn nicht vorfindet, wird höflich nach Hause geschickt — mit der Frage im Gesicht und dem Verdacht im Portemonnaie. Wer aber den Preis erfunden hat, der bleibt unsichtbar. Genau dort, im Unsichtbaren, sitzt das Rückgrat dieses Vorgangs.
Verlangen wir, sehr nüchtern, die Überprüfung. Eine einzige Quelle genügt in keinem Raum, in dem Behauptungen den Wert von Tatsachen annehmen. Wo ist das Originalmaterial? Wer hat es in der Hand gehabt, bevor es sichtbar wurde? Handelt es sich um einen Tippfehler, um eine Übung in Verzerrung, um einen Test der Aufmerksamkeit — oder um den Köder einer Werbung, die mit der Wahrheit nur die Seite teilt, auf der das Geld liegt? All das ist offen. All das verlangt einen Fact-Checker, der seinen Namen verdient — einen, der nicht telefonisch abnickt, sondern Papiere wendet und Belege verlangt, bevor er zur Ruhe kommt.
Ich warte nicht gern. Warten ist eine Kunst, die ich nicht pflege. Aber ich warte jetzt, weil das die einzige Haltung ist, die dem Unsicheren gebührt. Wenn das Ergebnis vorliegt, werden wir hier weiter sprechen — mit Handschuhen, aber ohne die höfliche Miene.
Bis dahin gilt, was schon beim Vertragsschluß galt: Der Preis ist die Visitenkarte des Versprechens. Hier ist sie unausgefüllt, und der, der sie füllen sollte, schweigt. Man achte auf die Hände.
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