Börse 1937
Terminal Tribune

11. August 2026

Dossier · Politik & Macht

Fünfundzwanzig Behauptungen, eine Bühne, kein Richter

11. August 2026 — — Kastner

Es gibt fünfundzwanzig Behauptungen zum Schwangerschaftsabbruch, die untersucht wurden. So steht es geschrieben, so wird es wiederholt. Aber wer hat sie aufgestellt, in welcher Reihenfolge, gegen wen, und zu welchem Preis? Die Frage, was wahr ist, gehört in den Gerichtssaal. Die Frage, wem die Verwirrung nützt, gehört auf diese Seite.

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Denn während die Öffentlichkeit die Bühne betrachtet — Listen, Zahlen, Anhörungen —, spielt sich hinter dem Vorhang ein anderes Stück ab. Es ist das alte Stück. Es wurde 1937 schon gespielt, und es wird heute wieder gespielt, nur diesmal mit besserem Licht und längeren Akten.

Nehmen wir das, was sich nicht leugnen lässt. Kermit Barron Gosnell, amerikanischer Arzt und verurteilter Serienmörder, betrieb in West Philadelphia eine Klinik, in der er illegale späte Abtreibungen vornahm und nach Lebendgeburten Infantizid beging. Sein Fall ist verifiziert, gerichtlich festgehalten, in Archiven dokumentiert. Wer heute Listen mit fünfundzwanzig Behauptungen präsentiert und dabei so tut, als sei das Verbrechen eine Erfindung der politischen Gegner, hat entweder nicht gelesen oder will nicht lesen. Beides verdient Misstrauen.

Aber nehmen wir auch das Gegenteil, das selten genannt wird. Die Centers for Disease Control berichteten am 22. November 2017: Die Zahl der Abtreibungen in den Vereinigten Staaten ist um zwanzig Prozent innerhalb eines Jahrzehnts gesunken, auf 652.639 gemeldete Eingriffe im Jahr 2014. Das ist keine Behauptung, das ist eine Statistik. Sie widerspricht der Erzählung von der unaufhaltsamen Ausweitung. Wer diese Zahl verschweigt, während er die fünfundzwanzig Behauptungen verbreitet, betreibt keine Aufklärung. Er betreibt Auswahl.

Und dann der Fall, der ins Gericht ging. Am 25. Juli 2026 stellte ein Gericht fest, dass Generalstaatsanwalt Paxton seine Behauptungen zu Abtreibungen nicht bewiesen hat. Eine Frauenklinik in Houston wurde geschlossen. Ihre Gründerin, Maria Margarita Rojas, wurde unter dem neuen, nahezu vollständigen Abtreibungsverbot als erste Person angeklagt — und die Justiz sprach, weil die Beweise fehlten. Das ist die Reihenfolge: erst Anklage, dann Beweis, dann Urteil. Im texanischen Fall kippte sie. Wenn eine politische Agenda in ein Verfahren greift, hinterlässt sie genau diese Spur.

Schließlich das FBI. Sein Direktor behauptete, die Behörde ermittle mit gleichen Chancen gegen Angriffe auf Abtreibungsgegner wie auf Abtreibungskliniken. Achtzehn Angriffe, direkt von Jane's Revenge beansprucht, sechs Monate lang: null Festnahmen. Während die Bundesbehörde unter der Biden-Regierung keinerlei Interesse an einer Kampagne linker Gewalt zeigte, ging das FBI rasch gegen Abtreibungsgegner vor. Die Behauptung war falsch — nicht ungenau, sondern falsch — und sie wurde in eine Debatte eingebracht, die bereits fünfundzwanzig Behauptungen zählte.

Was bleibt? Eine Sammlung von fünfundzwanzig Aussagen, die keine Beweiskette bilden, sondern ein Narrativ. Sie funktionieren nicht als Fakten, sondern als Möbel: sie stehen im Raum, sie sehen wichtig aus, und niemand fragt, wer sie dort hingestellt hat. Die wahren Fakten — Gosnell, der Rückgang um zwanzig Prozent, das texanische Urteil, die falsche FBI-Behauptung — liegen verstreut daneben. Man muss sie aufheben. Man muss sie nebeneinanderlegen. Dann sieht man die Asymmetrie. Hier ein verifizierter Serienmörder, dort eine unbewiesene Anklage. Hier eine sinkende Zahl, dort eine wachsende Behauptung. Hier null Festnahmen, dort ein Direktor, der Gleichheit beschwört.

Die Architektur ist alt. Sie ruht auf drei Säulen: einer moralischen Behauptung, einer institutionellen Geste, einem Schweigen, das lauter ist als jede Statistik. Wer dieses Schweigen organisiert, braucht keine Datenblätter. Er braucht Verwirrung. Und Verwirrung ist das, was die fünfundzwanzig Behauptungen liefern — nicht als Information, sondern als Struktur.

Wir fragen nicht, was wahr ist. Wir fragen, wem die Unwahrheit nützt. Solange das FBI Gleichheit behauptet, die nicht existiert, solange Generalstaatsanwälte anklagen, ohne zu beweisen, solange Listen erstellt werden, die weder den Rückgang der Zahlen noch die Realität einer Klinik wie der von Gosnell einordnen, bleibt die Antwort dieselbe: Jene, die das Licht auf die Bühne richten, wollen nicht, dass wir hinter den Vorhang blicken.

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