Die choreografierte Auflösung
Es gibt Gesetze, die aussehen wie Frieden. Sie tragen die richtigen Wörter — "Prozess", "Rahmen", "terrorfrei" — und sie werden im richtigen Moment verabschiedet, wenn die Kameras bereitstehen und die Welt längst müde ist, hinzusehen. Das türkische Parlament hat am Montag ein Gesetz verabschiedet, das einen rechtlichen Rahmen für die Auflösung der Arbeiterpartei Kurdistans, der PKK, schafft. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtet, im Namen eines "Terror-Free Turkiye". Die Überschrift klingt nach Epilog. Sie ist keiner.
Was hier verabschiedet wurde, ist kein Schlussstrich. Es ist ein Instrument. Wer die Sprache des Gesetzes liest — und nicht die Pressemitteilung —, findet keine Amnestie, keinen politischen Ausstieg, keine Geste der Versöhnung. Abdullah Öcalan bleibt inhaftiert. Das Schicksal derjenigen, die unter dieses Gesetz fallen, wird vollständig in die Hände des türkischen Sicherheitsapparates gelegt. In der diplomatischen Grammatik, die wir in Genf über Jahre gelernt haben, ist dies kein Friedensabkommen. Es ist eine Übergabe.
Die internationale Reaktion folgt dem vertrauten Drehbuch. Chatham House, das sich in solchen Momenten gerne als analytisches Gewissen inszeniert, schreibt, die Auflösung der PKK könne mittel- bis langfristig zu einer weniger sicherheitsdominierten politischen und öffentlichen Sphäre führen. Das Wort "könnte" ist der archimedische Punkt solcher Sätze: Es trägt alles und nichts. Eine weniger versicherheitlichte Sphäre ist keine eingetretene Tatsache, sondern ein Versprechen, dessen Einlösung von denselben Akteuren abhängt, die das Sicherheitsregime über Jahrzehnte gepflegt haben. Wer das schreibt, weiß das. Wer es trotzdem so schreibt, hat Gründe.
Die Geschichte der Republik kennt dieses Muster. Sie kennt Gesetze, die Organisationen für aufgelöst erklären, während ihre Architekten genau jene Strukturen erhalten, die diese Organisationen hervorgebracht haben. Sie kennt Verfahren, die als "Demokratisierung" etikettiert werden und in denen die Sicherheitsbehörden erweiterte Befugnisse erhalten. Wer heute auf das Gesetz zur PKK-Auflösung blickt, sieht eine Tür, die sich öffnet. Er sieht nicht, wer den Schlüssel hält und wohin der Raum dahinter tatsächlich führt.
Bemerkenswert ist, was fehlt. Es fehlt eine unabhängige Kommission, die die Umsetzung überwacht. Es fehlt ein Zeitplan, der die Auflösung an politische Reformen knüpft. Es fehlt jede sichtbare Beteiligung jener kurdischen Stimmen, die über das parlamentarische Ritual hinausginge. Das Vertrauen, das dieses Gesetz beansprucht, wird allein durch die Regierung und ihre Institutionen verbürgt — durch jene Institutionen, deren Verhalten in den vergangenen Jahren wenig Anlass gegeben hat, Vertrauen als etwas Selbstverständliches zu behandeln.
Unklar bleibt, welche weiteren Organisationen unter vergleichbare Rahmen fallen sollen. Unklar bleibt, wer eigentlich definiert, was "terrorfrei" bedeutet. Die im Gesetz angelegte Antwort ist nicht zu übersehen: Sie liegt beim Sicherheitsapparat. Dies ist keine Spekulation. Es steht im Text.
Man sollte sich erinnern, wie diese Art von Politik endet — oder wie sie beginnt. Die Männer, die in Genf Verträge unterschrieben und anschließend erklärten, sie hätten "nie etwas Derartiges unterschrieben", sitzen heute noch in denselben Sälen. Sie lächeln noch immer, wenn die Kameras laufen. Die Handschuhe, die ich beim Lesen solcher Dokumente trage, sind nicht gegen das Papier gerichtet. Sie sind gegen die Kälte, die von den Zeilen ausgeht.
Was hier geschieht, ist möglicherweise ein Wendepunkt. Ebenso möglich ist, dass es nur eine neue Variante der alten Strategie ist: das politische Feld durch die Sprache der Auflösung neu zu ordnen, während die Instrumente der Kontrolle unangetastet bleiben. Welche der beiden Lesarten zutrifft, werden wir erst wissen, wenn die nächsten Monate zeigen, wer vom Sicherheitsapparat vorgeladen wird und wer schweigen muss.
Bis dahin gilt: Das Gesetz ist verabschiedet. Die Geschichte ist nicht zu Ende. Sie hat gerade erst begonnen, sich neu zu sortieren — nach jenen Regeln, die wir bereits kennen.
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