Madurais dreifaltiger Segen — und die Kosten des Schweigens
Es beginnt, wie es immer beginnt: mit dem Wedeln von Papieren und dem Lächeln jener, die wissen, dass niemand nachrechnet. Am fünften August 2026, mittwochs, legt die Regierung Tamil Nadus ihren revidierten Haushalt für das Geschäftsjahr 2026–27 vor, und wie es die Tradition verlangt, ist es ein Akt der Architektur. Drei Säulen tragen das Versprechen für Madurai: ein neues Spezialgesetz-College, drei Flüsse, die in Studien und Tourismus gegossen werden sollen, und Wohlfahrtsprogramme, die so weit gespannt sind wie der Wahlzettel, mit dem sie errungen wurden. Was in den Bauzeichnungen nicht erscheint, sind die Räume, die unter den Säulen bleiben werden.
Betrachten wir die erste Säule, das College. Dreihundert Studierende zur Eröffnung im akademischen Jahr 2027–28. Dreihundert. Man muss kein Zyniker sein, um zu bemerken, dass dies keine Massenuniversität ist, sondern eine Manufaktur — eine Kaderschmiede für jene Schicht, die ohnehin schon die Plätze in den Vorlesungssälen füllt, nur mit dem zusätzlichen Siegel der Exklusivität. Wer dort zugelassen wird, aus welchen Bezirken, zu welchen Kosten, die niemand als Gebühren bezeichnet, weil das Kolleg „special government" ist und der Staat also die Differenz trägt — diese Differenz, die am Ende immer jemand anderes trägt —, bleibt im Dunkel der Diskretion. Die Regierung schweigt hier mit der Verschwiegenheit jener, die keine schlechte Publicity brauchen.
Die zweite Säule ist ein Theater in zwei Akten. Akt eins: fünfundzwanzig Crore Rupien für eine Machbarkeitsstudie und einen Detailprojektbericht zur Bekämpfung der Verschmutzung von Cauvery, Vaigai und Tamirabharani. Eine Studie, die klären soll, ob eine Studie möglich ist. Akt zwei: dreiundfünfzig Crore Rupien für Flusstourismus in denselben drei Becken. Es ist die alte Melodie — erst die Pappkulisse, dann die Kamera. Wer hier investiert, investiert nicht in Wasser, sondern in Bilder von Wasser; in Boote, die niemand rudert; in Uferpromenaden, die gebaut werden, bevor das Wasser sauber ist, das an ihnen fließen soll. Die Fischer, deren Existenz an diesen Flüssen hängt, kommen in keiner Zeile des Budgets vor. Sie erscheinen nur in den Pressefotos, wenn die Kameras schon wieder weg sind.
Die dritte Säule ist die tröstlichste, und deshalb die gefährlichste. Zehn olympische Spezialtrainingszentren, eintausend mobile geriatrische Versorgungseinheiten im ganzen Bundesstaat. Man darf das Tempo bewundern: Der frisch gewählte Chief Minister, dessen Finanzminister ihn im Plenum als „Jananayagan" und „Vijay Mama" anredet — eine Anrede, die mehr über das politische Imaginarium verrät als über die Sache —, liefert in seinem Debuthaushalt eine Palette, die alles enthält und gerade deshalb nichts verspricht. Es ist, als decke man den Tisch und vergesse die Stühle.
Doch hier wird es delikat. Während die Sonderprogramme wachsen, schrumpft — so melden es die Bildungsexperten des Landes — die Zuwendung für die Hochschulbildung insgesamt. Um wieviel, ist nicht beziffert. Dass Bildungsexperten „scharf reagieren", steht im Stenogramm der Empörung. Eine Regierung, die in einem Atemzug ein Elitecollege für Dreihundert errichtet und gleichzeitig die Breite der höheren Bildung kürzt, trifft keine Wahl — sie legt ein Bekenntnis ab. Es ist das Bekenntnis zur Pyramide, nicht zur Tafel.
Betrachten wir, was diese drei Säulen zusammenhalten soll. Am siebten August 2026 wird in die Versammlung ein Gesetzentwurf eingebracht, der eine Umwelt- und Sozialwohlfahrtsabgabe auf den Verkauf alkoholischer Getränke einführt. Der Minister für Handel und Steuern, D. Logesh Tamilselvan, erklärt feierlich, die Einnahmen würden dem Recycling, der Entwöhnung, dem Waldschutz und dem Wohlergehen der durch Alkohol geschädigten Familien zugute kommen. Es ist, mit Verlaub, eine elegante Kreisbewegung: Die Armen finanzieren ihre eigene Errettung, und die Industrie — denn eine Industrie ist TASMAC allemal — liefert die Rohstoffe, ohne dass jemand nach den Margen fragt. Wer hier profitiert, ist nicht die Familie am Rand. Es ist die Buchführung.
Unter all dem aber, wie der Finanzsekretär in dürren Worten einräumt, steigt die Staatsverschuldung weiter. Der Haushalt, so versichert man uns, balanciere zwischen Wohlfahrt und fiskalischer Klugheit. Dies ist die Sprache jener, die im Nebel navigieren und uns dennoch den Kompass verkaufen.
Was bleibt? Eine Stadt, die ein College, eine Flusskulisse und ein Versprechen erhält. Was bleibt nicht? Die untere Mittelschicht, die von den Studiengebühren, die sie nicht zahlt, und von den Tourismusbooten, die sie nicht betritt, doppelt ausgeschlossen wird. Was bleibt nicht? Die Landwirtschaft, deren Flüsse in Broschüren verwandelt werden. Was bleibt nicht? Die höhere Bildung im breiten Sinn, die in den Schatten einer einzigen, glänzenden Säule tritt.
Offen bleibt — und hier endet die Ermittlung, nicht weil nichts mehr zu ermitteln wäre, sondern weil das Material es verbietet —, wer die Dreihundert sein werden, die 2027 in Madurai das Gesetz studieren. Offen bleibt, wer den Auftrag für die Tourismusinfrastruktur erhält und über welche Kanäle. Offen bleibt, warum die Regierung sich entschied, die Finanzierung ihrer Wohlfahrt ausgerechnet an die Kehle der Ärmsten zu hängen. Die Antworten liegen, wie immer, nicht in den Reden. Sie liegen in den Anhängen, die niemand liest.
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