Die Handschuhe des Empire und der Ruß von Adana
Es gibt Sätze, die wie Handschellen klingen, obwohl sie in Samt gesprochen werden. „Hugely disappointed", sagte Emma Hardy, einstige Meeresausministerin dieser Insel, im vergangenen Sommer, als die Verhandlungen über einen globalen Plastikvertrag in sich zusammenfielen wie ein Kartenhaus aus feuchten Servietten. Die Verhandlungen — wir erinnern uns — sollten das Ende einer Spirale einleiten. Stattdessen hinterließen sie das, was Beamte als „Prozess" bezeichnen und was die übrige Welt als das Gegenteil eines Prozesses erkennt: Verschiebung, Wiederaufnahme, Verschiebung. Wiederaufnahme 2027, heißt es. Die Vereinbarung von morgen, die Lizenz von heute.
In der Zwischenzeit fließen die Ströme. Im Jahr 2025 exportierte Großbritannien 675.000 Tonnen Plastikabfall — die größte Menge in acht Jahren. 139.000 Tonnen davon gingen in die Türkei. Die Europäische Union, die sich gern als moralische Großmacht inszeniert, wenn es um Plastik im Meer geht, steigerte ihre Exporte in dasselbe Land im Jahresvergleich um neunzehn Prozent auf über 500.000 Tonnen. Die Zahlen stammen aus investigativer Recherche, nicht aus Pressemitteilungen — und sie erzählen eine Geschichte, die älter ist als jede Konferenz in Genf: die Geschichte eines Geschäfts, das nur dann Moral atmet, wenn die Kameras laufen.
Adana sitzt im Herzen der Çukurova-Ebene, einer der fruchtbarsten Agrarregionen der Türkei. Baumwolle, Soja, Zitrusfrüchte. Seit Chinas Bann von 2018 ist Adana zur Hauptadresse für Plastikabfall aus der EU und Großbritannien geworden. Sechzig Prozent der türkischen Importe landen dort. Das ist keine Metapher. Das ist eine Adresse.
In der Kemal-Deniz-Recyclingzone, keine Meile von Ayhans Auberginenfeldern entfernt, haben dreizehn britische Unternehmen zwischen Mai 2021 und Juli 2024 insgesamt 545 Sendungen mit 52.000 Tonnen Haushalts- und Supermarktplastik abgeliefert. Die Daten wurden für den Guardian von der Environmental Investigation Agency ausgewertet — einem Namen, den man sich merken sollte, weil er die Arbeit macht, die Regierungen delegieren, aber nicht einfordern. Es gibt keinen Hinweis, dass die exportierenden Firmen etwas Illegales tun. Das ist, genau besehen, der Skandal. Sie brauchen es nicht. Sie haben Erlaubnis.
Erlaubnis wovon? Von einer Regulierung, die vorschreibt, dass exportiertes Plastik „auf umweltverträgliche Weise" recycelt werde. Man darf sich die Handschuhe vorstellen, mit denen dieser Satz formuliert wurde. Sedat Gündoğdu, Meeresbiologe am Istanbul Policy Center der Sabancı-Universität, hat Wasserproben aus einem Kanal stromabwärts der Anlage genommen. Die Konzentration von Mikroplastik war zehnmal höher als an Stellen stromaufwärts. Zehn. Eine Zahl ohne Pathos, aber mit dem Gewicht eines Urteils.
Man kann dies als Umweltverschmutzung beschreiben. Man kann den schwarzen Belag auf den Gewächshausfolien beschreiben, von dem Ayhan erzählt, jede Saison, wenn er die Tücher abnimmt. Man kann den Rauch beschreiben, der von verlassenen Bergen nicht recycelbaren Plastiks aufsteigt und sich über die Felder und die ärmeren Stadtteile legt. Man kann die Überschwemmung im Januar beschreiben, die ihm sieben Hektar Ernte kostete. Man kann das alles tun und wird trotzdem nicht beim Wesentlichen ankommen.
Denn das Wesentliche ist keine Verunreinigung. Es ist eine Architektur. Eine Architektur, in der das Plastik, das in Manchester in der Recyclingtonne landet, in Adana zu Mikroplastik wird, das in Auberginen, im Grundwasser, in den Lungen der Kinder landet. In der dreizehn britische Firmen zu Lieferanten werden, ohne Verantwortliche zu sein. In der eine Allianz aus Politik und Industrie den Begriff „Waste Colonialism" wie ein lästiges Etikett behandelt, das die NGO-Forschung an ihnen festklebt — während dieselbe Architektur Tag für Tag funktioniert, mit Sendungen, mit Empfängern, mit Quittungen.
Wer profitiert? Die Frage ist erlaubt, sie ist geboten, sie ist selten gestellt worden. Recycler vor Ort, die Anlagen in einer Infrastruktur betreiben, die für diese Mengen nie gebaut wurde und deren Abwässer direkt in Bewässerungskanäle fließen. Britische Exporteure, die Lizenzen erhalten, weil die Pflicht zur „umweltverträglichen" Verwertung ohne Kontrollmechanismus auskommt. Die britische Regierung, die einen Vertrag mitverhandelt, ohne sich zu dessen Bann zu verpflichten. Die Lobby, die zwischen beiden Räumen wandelt wie durch Drehtüren. Welche dieser Profiteure sich wann koordiniert haben, ist nicht belegt. Die Struktur, die sie trägt, ist es.
Die Struktur ist die Pointe. Die in Genf gesprochenen Worte, die „harmful plastics" eliminieren wollen, sind Papiere, die Handschuhe tragen. Die Sendungen, die in Manchester beginnen, tragen keine. Sie tragen Containernummern, Frachtbriefe. Sie tragen — und das ist der entscheidende Satz — die Handschuhe einer Kette, die sich nie die Hände schmutzig macht.
Ayhan faltet die Hände über dem, was ihm blieb. Er hat Recht, wenn er sagt, dass niemand zuhört. Wir haben zugehört. Bleibt die Frage, ob jene, die es beträfe, die Handschuhe jemals ablegen werden.
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