Die Maschine hinter der Wiese
Es gibt ein Muster in diesem Land, das sich wiederholt wie das Ticken einer Genfer Uhr in einem sonst stillen Raum. Eine Frau tritt vor die Öffentlichkeit. Sie hat eine Idee, die das Wasser betrifft, den Boden, die Art, wie wir uns ernähren. Das erste Mal, vor fünf Jahren, scheitert sie – oder fast. Das Trinkwasser bleibt ein Thema, die Worte haben sich eingebrannt. Und nun, fünf Jahre später, steht sie wieder da. Franziska Herren, wieder im Zentrum, wieder allein, wieder mit einer Ernährungsinitiative, die das Land umkrempeln will: weniger Tierhaltung, weniger Pestizide, mehr Pflanze, ein Selbstversorgungsgrad von siebzig Prozent, Schutz von Trinkwasser, Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität – alles binnen einer Dekade.
Die Formulierung diesmal ist eine andere. Man spricht von Umlagerung der Subventionen, nicht von Entzug. Man lockt mit einem Ziel, das auch der Bauernverband verfolgt: Selbstversorgung. Es ist der Versuch, mit der Landwirtschaft auf Augenhöhe zu sprechen. Es ist die Sprache einer Frau, die aus der ersten Schlacht gelernt hat. Und der Bauernverband? Der kämpft mit Vehemenz. Man ist früh in den Abstimmungskampf gestartet, bei einer Initiative, die keine Partei trägt, keine größere Organisation unterstützt. Das ist die Information, die in den Redaktionsstuben zählt.
Wenn eine einzelne Frau zweimal ruft, und beide Male antwortet nur das agrarische Kartell, dann ist das keine Demokratie mehr, sondern ein Verhör. Die Frage ist nicht, ob die Initiative gut ist. Die Frage ist, warum die Architektur der Unterstützung so beschaffen ist, dass eine Franziska Herren immer allein stehen muss. Wer füllt die Säle, wenn sie redet? Wer bezahlt die Inserate, die sie nicht bezahlen kann? Wer spricht in den Pausen, wenn die Mikrofone aus sind und die Kameras nicht mehr laufen? Das sind die Fragen, die in dieser Stadt niemand stellen will, weil die Antworten Namen tragen, die man beim Nachtessen nicht ausspricht, und weil die Maschine, die hier läuft, älter ist als jede Initiative und jedes Stimmvolk.
Es gibt eine Mechanik der Wiederholung. Man lässt die Frau reden. Man lässt sie ihre Zahlen nennen, ihre Diagramme zeigen. Man lässt sie in Talkshows sitzen, wo sie gegen einen Verbandsdirektor argumentiert, der dreißig Jahre Erfahrung im Verhindern hat. Man wartet, bis die Müdigkeit der Unterstützer größer wird als die Wut. Und am Ende steht man da und wundert sich, dass die Schweiz Nein sagt. Aber das Wundern ist Teil des Plans. Es ist die höfliche Form der Entmachtung. Man sagt: Das Volk hat entschieden. Man sagt nicht: Wir haben zugestellt.
Die Parallelen zur Trinkwasserinitiative sind nicht nur inhaltlicher Natur. Es ist die Wiederholung des gleichen Spiels, mit anderen Figuren, aber demselben Regisseur. Die Ernährungsinitiative will siebzig Prozent Selbstversorgung – das ist auch das Ziel des Bauernverbandes, nur auf dessen Weise. Aber die Formulierung der Mittel ist eine andere. Und genau das ist der Punkt, an dem die Maschine eingreift. Man kann dem Ziel zustimmen und den Wegen misstrauen. Man kann eine Initiative ablehnen, ohne den Inhalt zu prüfen. Man kann den Prozess so weit in die Länge ziehen, bis die Substanz sich verflüchtigt hat.
Was hier passiert, ist das, was man in den Korridoren eine 'strukturierte Diskussion' nennt. Es ist die Einhegung des Sagbaren. Es ist die unsichtbare Mauer zwischen dem, was eine Frau auf einer Bühne sagen darf, und dem, was tatsächlich auf den Tisch kommt. Und was auf den Tisch kommt, wird in Räumen entschieden, zu denen Frau Herren keinen Schlüssel hat. Die Sitzung beginnt, wenn sie den Raum verlässt.
Diese Kolumne wird die Antwort nicht geben. Sie wird nur die Frage wiederholen, leiser, präziser, mit dem Hinweis, dass die Schweiz ein Land ist, das seine Demokratie wie eine Austernzucht betreibt – außen geschlossen, innen mit Perlen, die niemand sehen soll. Und dass die Ernährungsinitiative, so wie die Trinkwasserinitiative, der Versuch ist, in diese Austern hineinzuleuchten – nicht um sie zu zerstören, sondern um zu sehen, was darin liegt. Wenn die Muscheln sich schließen, ist das kein Zufall. Es ist die Mechanik.
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