Der Wechsel und die Stille dahinter
Amaravati ist ein Versprechen. Es war ein Versprechen, als Chandrababu Naidu es in den Grundstein grub, es war ein Versprechen, als Jagan Mohan Reddy es zur Wahlkampffahne machte, und es ist heute noch ein Versprechen — nur weiß niemand mehr, wem. Der Mann, der die Hauptstadt dorthin legte, wo das Wasser fließt, sieht sich nun einem anderen Mann gegenüber, der dieselbe Hauptstadt an drei verschiedene Orte trug, je nachdem welcher Wind gerade wehte. Was zählt, ist nicht die Geographie. Was zählt, ist die Geste.
Chief Minister N. Chandrababu Naidu hat seinem Amtsvorgänger am Freitag öffentlich vorgehalten, was dieser offenbar am besten kann: den Kurs zu wechseln. Eine Hauptstadt sei keine Wetterfahne, lässt Naidu durch die Blätter tragen — und wer das hört, muss schmunzeln. Wer nach Amaravati fährt, sieht eine Stadt, die noch immer zwischen Betonplänen und Budgetposten schwebt, und wer das Finanzministerium dieser Tage liest, der stolpert über zwei Sätze, die nicht zusammenpassen wollen. Das eine ist Naidus laute Erzählung von Wachstum — Andhra Pradesh mit Sieben-Prozent-Kurs, mit Industrie am Aufbruchsrand, mit Häfen als Tor zur Welt. Das andere ist der leise Hinweis aus dem Hause Buggana, dass die Steuereinnahmen in eine Richtung laufen, die auf keiner Pressekonferenz vorkommt. Wenn der Minister der höchsten Zahl das Wort redet, warum braucht es dann einen Finanzminister, der in eine andere Richtung deutet? Das ist keine Anklage. Das ist die Frage, die dieser Artikel stellt.
Naidu spricht von Wachstum und nennt das Defizit einen Mythos. So sagen das Männer, wenn sie gerade dabei sind, einen neuen Mythos zu schreiben. Was in den Zeitungen als „Wechsel der Melodie" erscheint, ist in Wahrheit eine Verschiebung der Bühne. Wenn Jagan morgen sagt, Visakhapatnam sei die Hauptstadt, wachen morgen in einer anderen Stadt die Makler auf. Wenn Naidu sagt, Amaravati bleibt, bleiben Architekten in Lohn und Brot, die heute nicht wissen, ob ihre Rechnung bezahlt wird. Beide Männer reden über Geographie, beide verhandeln über etwas anderes — über Grundstücke, über Kanäle, über jene kleinen Hydrauliken, die in Ausschreibungen, in Beamtenposten und in der Stille zwischen zwei Wahlen fließen.
Unklar bleibt, was Jagan Mohan Reddy tatsächlich umtreibt. Diese offene Frage ist das eigentliche Zentrum des Vorgangs. War es Kalkül, als er Amaravati zuerst ablehnte, später annahm und nun je nach Bühne verschiebt? War es der Versuch, eine urbane Wählerschaft zu binden, die ihn nie ganz verstanden hat? War es die späte Rache an einem Vorgänger, der ihm den Schlüssel zur Macht verwehrte? Wer hier Antworten gibt, ohne Protokolle zu zitieren, lügt — oder glaubt an seine eigene Inszenierung. Unklar bleibt auch, ob die Verschiebungen mit den Einnahmen zu tun haben, die aus dem Hause Buggana gemeldet werden, oder ob sie allein dem Rhythmus der Auftritte folgen. Die Recherche kann diese Lücke nicht schließen, sie nur markieren.
Gleichzeitig, fast beiläufig, fällt eine Entscheidung, die das Bild vervollständigt: Die Regierung will bis Ende August über die Dürre entscheiden. Bauern warten auf Wasser, das aus Karnataka kommen soll — 3.500 Cusecs täglich, fünfzehn Tage lang, verfügt von einer Regierung, die nicht ihre eigene ist. Shivakumar hat für den 13. August zu einem Cauvery-Bandh aufgerufen und dann zum Rückzug aufgefordert, ein Manöver, das die Schwere des Themas nur unterstreicht. Wer über Hauptstädte streitet, während das Wasser knapp wird, hat den Streit bereits verloren — auch wenn die Zeitungen das Gegenteil drucken.
Die APSRTC-Gewerkschaften planen derweil, ein Memorandum mit 42.000 Unterschriften zu überreichen. Die Zahl spricht für sich. Es ist die Größenordnung einer Belegschaft, die nicht mehr glaubt, dass ihre Stimme anderswo gehört wird. Dass sie überhaupt Unterschriften sammeln müssen, um gehört zu werden, ist eine zweite Anklage — eine, die nicht gegen Jagan gerichtet ist und nicht gegen Naidu, sondern gegen das System, das beide trägt und beide voneinander trennt.
Was zählt, ist die Struktur. Ein Chief Minister, der das Defizit leugnet, ein Oppositionsführer, dessen Position wöchentlich wechselt, ein Wasserstreit zwischen Bundesstaaten, der höflich unter den Teppich gekehrt wird, eine Arbeiterschaft, die 42.000-mal die Hand heben muss, um wahrgenommen zu werden. Das ist nicht das Porträt eines Mannes. Es ist das Porträt einer Stadt, die sich Hauptstadt nennt und weder weiß, was sie ist, noch wohin sie gehört.
Was Naidu öffentlich als „Wechsel der Melodie" denunziert, ist möglicherweise ein ganz anderes Lied. Was Jagan öffentlich verschweigt, ist möglicherweise der wahre Plan. Wer hier den Täter sucht, sucht am falschen Ort. Die Verschwörung, falls es eine ist, sitzt nicht in einem Hauptquartier. Sie sitzt in der Gewohnheit, einander Sätze zuzurufen, die niemand mehr ernst nimmt — und darauf zu hoffen, dass die Wähler die Musik noch erkennen.
Wenn das Defizit ein Mythos ist, warum braucht es dann eine Erzählung, die das Gegenteil behauptet? Wenn Jagan wechselt, wechselt er dann die Stadt oder wechselt er das Publikum? Vielleicht, so legt das Schweigen der Archive nahe, weiß es dieser Mann selbst nicht genau. Das wäre die ehrlichste Antwort, die in dieser Stadt seit Langem zu hören wäre.
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