Sieben Stimmen für die F-35 — die Architektur einer Bitte
WASHINGTON. Sieben türkisch-amerikanische Organisationen, ein gemeinsames Schreiben, fünfzig Kongressmitglieder als Adressaten — das ist die sichtbare Form. Wer die Mechanik solcher Aufrufe kennt, weiß: Die Form ist die höfliche Verpackung. Was zählt, ist das, was darunter liegt.
In diesen Tagen erreicht den Kongress ein Brief, der nach Routine klingt und nach wenigem weniger riecht als nach einem gepflegten Transaktionsangebot. Sieben türkisch-amerikanische Nichtregierungsorganisationen fordern die Auslieferung von F-35-Kampfjets der fünften Generation an die Türkei und die Aufhebung der CAATSA-Sanktionen. Verteidigungskooperation, heißt es da, sei für die Integrität der NATO und die regionale Stabilität unerlässlich.
Man darf die Gegenfrage stellen. Wessen Stabilität ist hier gemeint? Die Recherche zeigt: Die Türkei ist gegenwärtig Teilnehmerin zweier Militärallianzen, die beide Russland und den Iran ins Visier nehmen — der NATO und, nach der Mecca Joint Deterrence Agreement, eines zweiten Bündnisses islamischer Prägung. Ankara soll in diesem Konstrukt die Rolle der Rüstungsindustrie übernehmen, Pakistan die Nuklearwaffen beisteuern, Saudi-Arabien das Geld. Die Architektur trägt einen Namen, der in den Korridoren Washingtons selten ausgesprochen wird: NATO 3.0.
Nun also die F-35. Jener Jet, für den bestehende rechtliche Hindernisse den Verkauf an Ankara derzeit blockieren, soll zurück auf den Tisch — getragen von einer Graswurzel, die sehr genau weiß, in welchen Briefkasten sie ihre Post wirft. Begleitet wird der Aufruf nicht nur von einer sicherheitspolitischen Begründung, sondern, wie türkische Regierungsvertreter berichten, vom bekundeten Willen zweier Staatschefs: Donald Trump und Recep Tayyip Erdoğan verfügten, so der türkische Außenminister Hakan Fidan, über einen „starken Willen", die Sanktionen aufzuheben. Was fehle, sei der Prozess. Der Prozess aber ist, wer je in Genf Verträge hat sterben sehen, genau jene Form, in der das Unvermeidliche seine Zustimmung einholt.
Auf der gegenüberliegenden Tür steht die griechisch-amerikanische Lobby, die den Verkauf verhindern will. Zwei Türen, zwei Briefe, ein Haus — das Kapitol. So funktioniert Hebelwirkung in Washington. Es ist die ehrlichste Form von Demokratie, die es gibt, und vielleicht die unbequemste.
Was der Brief nicht sagt, ist indessen aufschlussreicher als das, was er sagt. Die türkische Verteidigungsindustrie, so notieren es die Hintergrundanalysen, befindet sich auf einem sogenannten Indigenisierungs-Kurs — bleibt aber abhängig von den Vereinigten Staaten und Westeuropa. Eine kürzlich in Texas dokumentierte Panne wirft auf diese Partnerschaft ein unrühmliches Streiflicht: In einer Munitionsfabrik geriet türkische Robotertechnik des Unternehmens Repkon regelmäßig in Brand, weil sie für die Stahllegierung der neueren 155-mm-Granate nie konstruiert worden war. Die Maschinen, so hieß es, hatten die ihnen zugedachte Aufgabe schlicht noch nie ausgeführt.
Die Pointe liegt nicht im Defekt, sondern in der Logik. Wer liefern will, was er noch nicht beherrscht, braucht die Lizenz. Und wer die Lizenz braucht, schreibt Briefe. Sieben Stück, diesmal. So sieht die Architektur der Bitte aus, wenn man ihr die Handschuhe abnimmt.
Was offen bleibt und wo die eigentliche Recherche erst beginnt: welche der sieben Organisationen personell wie verflochten sind, welche Finanzströme hinter den Briefen fließen, in welcher Höhe der Beitrag der Türkei zum NATO-3.0-Konstrukt in der Abwägung der Adressaten tatsächlich gewichtet wird. Drei voneinander unabhängige Quellen bestätigen die Existenz des Schreibens. Das ist das Mindeste, nicht das Ganze. Die Geschichte hinter den sieben Briefen ist noch nicht geschrieben — sie ist gerade erst in jenes Schweigen gehüllt, in dem die wahren Geschäfte beginnen.
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