Das schwarze Wasser von Maniknagar und die Akten, die niemand öffnet
Man muss nicht in Genf gewesen sein, um zu erkennen, wie ein Verbrechen ohne Täter entsteht. Man muss nur nach Maniknagar fahren, in den Humnabad-Taluk des Distrikts Bidar, und sich an den Rand der Guruganga-Viraja stellen — jenes Wasserlaufs, der einmal Lebensader war und heute, so berichten es die Bewohner der umliegenden Dörfer, schwarz, ölig und übelriechend durch die Landschaft kriecht. Am neunten August haben sich die Menschen versammelt. Am elften August wollen sie protestieren. Dazwischen liegt jene eigentümliche Stille, die in Indien entsteht, wenn ein ökologisches Verbrechen zur Verwaltungsakte wird — und die Verwaltung zur Geste.
Bei der Versammlung in Maniknagar sprachen sie zuerst von Quellen, dann von Ursachen, am Ende von der Pflicht. Basvantrao Vibhuti, Präsident des Veerabhadreshwara-Tempelkomitees, forderte, was jede zivilisierte Behörde von sich aus hätte leisten müssen, lange bevor jemand auf einer Bühne davon sprach: die Identifizierung der Verschmutzungsquelle, die Einstellung der Einleitung unbehandelter Abwässer, eine wissenschaftliche Untersuchung des Bachlaufs und des Grundwassers, eine Bewertung der gesundheitlichen Folgen für die betroffene Bevölkerung und — man achte auf dieses Wort — einen dauerhaften Mechanismus zur Verhinderung industrieller Verschmutzung. Man beachte: Nicht die Dörfer fordern das Unmögliche. Sie fordern das Selbstverständliche. Und allein die Tatsache, dass sie es überhaupt fordern müssen, ist das Eingeständnis.
Nisar Ahmed aus dem Dorf Gadwanti sprach als Krebskranker. Er sagte, was man nur sagen kann, wenn das Wasser, das man trinkt, einen bereits gezeichnet hat: Wenn wir diese Verschmutzung heute nicht verhindern, werden künftige Generationen schwer darunter leiden, dieses Wasser zu trinken. Er sprach von schwangeren Frauen. Er sprach von der Angst, die sich nicht mehr aufschieben lässt. Man kann diese Worte zitieren, man kann sie paraphrasieren, man kann sie in Protokolle schreiben — doch das Protokoll trinkt das Wasser nicht.
Siddanna Bhushetty, der eine Bauernorganisation vertrat, Premila Tiwari und Manik Nimmane aus Maniknagar sagten, was die Bewohner der Dörfer Maniknagar, Gadwanti, Molkera, Dhummansur und Hudgi seit Jahren sagen: unbehandelte Industrieabwässer hätten den Wasserlauf dunkel, übelriechend und ölig gemacht und Grundwasser wie Trinkwasser verseucht. Es ist die typische Sprache derer, die keine andere mehr haben. Sie beschreiben das Symptom, weil die Diagnose ihnen verweigert wird.
Und hier beginnt die Architektur des Schweigens. Anwesend waren der Humnabad MLA Siddu Patil und MLC Chandrashekar Patil — gewählte Vertreter, die ihre Anwesenheit nutzten, um gehört zu werden. Anandraj Manik Prabhu, Präsident des Shri Manik Prabhu Samsthan, stellte klar, was man in Indien allzu selten hört: Die Guruganga-Viraja-Bewegung sei keine politische Bewegung, man wolle sie nicht politisch färben lassen, man werde sie nicht politisch einfärben lassen. Das ist bemerkenswert — und es ist ein stiller Vorwurf. Denn wenn eine Bewegung gegen verseuchtes Wasser ausdrücklich erklären muss, dass sie nicht politisch sei, dann ist genau das die politische Aussage: Dass die Politik sich längst ihrer entledigt hat.
Die Guruganga-Viraja ist, so Prabhu, nicht irgendein Gewässer. Sie ist ökologisches, religiöses und kulturelles Erbe der Region. Es wurde appelliert — das Verb verrät die Machtlosigkeit — an den RDPR-Minister Eshwar Khandre, persönlich einzugreifen in ein seit Langem anhängiges Problem. Eine Appellation an einen Minister ist in einem Rechtsstaat kein Akt der Politik. Sie ist ein Eingeständnis, dass die unteren Behörden versagt haben, ohne dass jemand zurückgetreten ist.
Was hier fehlt, ist die simple Frage, die jede Ermittlung eröffnen müsste und die kein offizielles Dokument bislang zu stellen wagt: Wer leitet ein? In welche Anlagen? Unter welcher Genehmigung? Wer hat die letzte funktionierende Kontrolle aufgehoben — und wann? Unklar bleibt, welche Industrie genau für die Einleitung verantwortlich zeichnet, ob es je eine wirksame Umweltverträglichkeitsprüfung gab, ob die Aufsichtsbehörden ihrer gesetzlichen Pflicht nachgekommen sind oder ob die Regulierung selbst — durch personelle Aushöhlung, durch Versetzungen, durch das übliche langsame Verschwinden — zu einer politischen Entscheidung wurde. Die Abwesenheit dieser Antworten ist nicht das Versäumnis einer Behörde. Sie ist die Signatur eines Systems.
Wir wissen, dass die Verschmutzung des Ganges, des größten Flusses Indiens, ein fortwährendes Verbrechen an rund fünfhundert Millionen Menschen darstellt. Wir wissen, dass industriell eingeleitete Abwässer ganze Landstriche unbewohnbar machen. Wir wissen, dass die Guruganga-Viraja, wie andere Gewässer zuvor, in eine Kette gehört, die kein Zufall ist. Wir wissen auch, dass eine Krebserkrankung in Gadwanti, eine Schwangerschaft in Molkera, ein Kind in Hudgi nicht über die politische Farbe einer Bewegung entschieden werden — sondern über den Chlorgehalt des Wassers.
Am elften August werden die Menschen protestieren. Danach werden Akten geschrieben, Besuche angekündigt, Ausschüsse gebildet. Irgendein Sprecher wird sagen, dass die Regierung die Sache ernst nehme. Irgendein Labor wird eine Probe nehmen. Und das Wasser wird weiter schwarz fließen, bis irgendwann — wieder einmal — jemand die Quellen nennt. Aber dazu müsste man sie öffnen. Und das ist es, was man in Maniknagar offenbar nicht tut.
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