Imperium der Erinnerung — Trumps Schlacht um die Vergangenheit
Es gibt Männer, die Verträge unterzeichnen, weil sie an sie glauben. Und es gibt Männer, die sie unterzeichnen, weil sie wissen, dass niemand sie lesen wird. Donald Trump gehört zur zweiten Sorte — nur dass er die Verträge gar nicht mehr unterzeichnet. Er lässt sie umschreiben. Diesmal sind es keine Papiere, die er umgestaltet. Diesmal sind es Flugzeugträger.
Sieben aktuelle und frühere Beamte bestätigen der Washington Post, was das Pentagon seit Wochen flüstert: Die US-Marine prüft die Verlagerung der Kommandobrücke, der sogenannten Insel, vom Heck in die Schiffsmitte der Träger der Ford-Klasse. Eine architektonische Korrektur, die das Schiff zurückversetzt in jene Ära, als die Essex-Klasse im Pazifik gegen Kaiser Hirohitos Träume kämpfte. Achtundachtzig Jahre nach Pearl Harbor sollen die schwimmenden Festungen wieder aussehen wie damals. Und das — man verzeihe das Wortspiel — ist kein Zufall.
Denn dies ist bereits der zweite Eingriff in den Bau der modernsten Trägerflotte der Welt. Vor wenigen Tagen erst wies Trump die Navy an, einen Plan für die Rückkehr zu dampfbetriebenen Katapulten zu entwickeln. Die elektromagnetischen Systeme, die das erste Schiff der Klasse, die USS Gerald R. Ford, siebzehn Jahre lang in Verzug brachten, gelten inzwischen als wirksam. Sie funktionieren. Und genau deshalb sollen sie weichen. „Die Kosten und der Zeitaufwand wären schlicht enorm", zitiert die Washington Post einen früheren hochrangigen Beamten. Milliarden, fügt er nicht hinzu, weil Milliarden in Washington so selbstverständlich sind wie Lügen auf Pressekonferenzen.
Bryan Clark, einst Marineoffizier, heute Analyst in Washington, nennt die Verlegung der Insel einen „großen Neuentwurf". „Man könnte es ändern, aber es wäre sehr störend." Wer zwischen den Zeilen hört, versteht: Es wäre eine Kapitulation vor dem Sachverstand. Die Navy hatte den Aufbau bewusst nach hinten gesetzt — mehr Platz für Flugzeuge nahe den Katapulten, weniger Luftverwirbelungen beim Landen. Aerodynamik. Physik. Sechzig Jahre Erfahrung. All das soll weichen, weil ein Präsident die Silhouette liebt, die er aus dem Kino kennt.
Rechnen wir nach, weil Rechnen die ehrlichste Sprache der Macht ist. Das Congressional Budget Office und der jüngste Schiffbauplan veranschlagen 22 Milliarden Dollar pro Träger — etwa 19 Milliarden Euro. Zehn Schiffe sind langfristig geplant. Hinzu kommen die Schlachtschiffe der „Goldenen Flotte", die das CBO auf 275 Milliarden Dollar über dreißig Jahre beziffert, rund 237 Milliarden Euro. Dazu nun die Kosten für eine archäologische Verlegung der Insel und, womöglich, für die Demontage funktionierender Technik. Niemand zählt mit. Niemand will zählen.
Die USS Gerald R. Ford, das erste Schiff ihrer Klasse, brauchte 17 Jahre bis zur Fertigstellung. Die USS John F. Kennedy absolviert derzeit Tests auf See. Die USS Enterprise und die USS Doris Miller werden gebaut. Die Ford kehrte gerade von einem langen Einsatz im Nahen Osten zurück — mit einem Feuer an Bord, das viele Schlafräume unbewohnbar gemacht hatte, und einem Abwassersystem, das zeitweise den Dienst versagte. Man möchte meinen, die Flotte habe dringlichere Wunden zu versorgen als die Nostalgie eines Mannes, der fünfmal der Einberufung entkam, viermal wegen eines Studiums, einmal wegen eines Fersensporns — einer Diagnose, die im Vietnam des Jahres 1968, als die Vereinigten Staaten eines ihrer blutigsten Jahre durchlitten, offenbar genügte, um ein Leben lang auf Abstand zur Waffe zu bleiben.
Und hier, an dieser Stelle, öffnet sich der Vorhang ein wenig weiter.
CNN berichtet, dass in der Navy Gespräche über die Umbenennung der USS Doris Miller laufen. Doris Miller war ein schwarzer Schiffskoch, der am 7. Dezember 1941, ohne Ausbildung, ein Flugabwehr-Maschinengewehr bediente und Verwundete versorgte. Dafür erhielt er 1942 das Navy Cross. Er fiel mit 24 Jahren auf dem Geleitflugzeugträger Liscome Bay. Das nach ihm benannte Schiff soll frühestens 2034 in Dienst gestellt werden, die Kiellegung erfolgt noch in diesem Jahr. Es wird 337 Meter lang, 41 Meter breit, mit 12 Metern Tiefgang — ein schwimmender Titan, benannt nach einem Helden, dessen Dienst niemand bestritt. Intern, so CNN, werde es bereits nicht mehr als „Doris Miller" bezeichnet, sondern nur noch über die Rumpfnummer CVN-81 geführt.
Wer profitiert? Das ist die Frage, die in jeder Ermittlung zuerst gestellt und zuletzt beantwortet wird. Klar ist: Die Werften gewinnen — jede Verzögerung, jeder Umbau verlängert die Aufträge. Klar ist auch: Der Präsident gewinnt — die Bilder, die Silhouetten, die Schlachtschiffe einer Flotte, die in keinem Konflikt der Gegenwart bestehen könnte, aber in jedem Wahlkampfvideo glänzt. Klar ist zudem, dass die meisten US-Flugzeugträger nach ehemaligen Präsidenten benannt sind — ein amtierender Präsident auf dem Bug wäre ein Novum in der Geschichte der Navy. Unklar bleibt, wer in diesem Spiel verliert — außer den Matrosen, die auf Schiffen dienen, deren Katapulte nicht starten, weil die Technik aus einer Zeit zurückgeholt wird, in der sie noch nicht erfunden war.
Es gab eine Zeit, in der Großmächte ihre Flotten bauten, weil sie sie brauchten. Es gab eine Zeit, in der sie Flotten bauten, weil sie den Feind einschüchtern mussten. Und jetzt, im dritten Akt dieses Stücks, gibt es Mächte, die Flotten bauen, weil sie das Bauen selbst brauchen — als Ritual, als Kulisse, als Beweis, dass überhaupt noch jemand die Aufträge unterschreibt.
Wir in Genf haben das oft gesehen. Männer, die lächelnd unterzeichnen, was sie nicht halten werden. Frauen, die daneben stehen und wissen, dass es nichts nützt. Aber diesmal ist es kein Vertrag. Diesmal ist es Stahl. Und Stahl, einmal falsch geschmiedet, lässt sich nicht widerrufen. Man kann nur zusehen, wie er zu Wasser gelassen wird.
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