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25. August 2026

Dossier · Politik & Macht

Der Thong-Mann von Tulsa und die Bühne der Polizei

25. August 2026 — — Kastner

Es ist vier Uhr dreißig in Tulsa, Oklahoma, wenn ein Mann sich entschließt, sein Werk zu beginnen. Er trägt rote Crocs, eine schwarze Umhängetasche, lila Latexhandschuhe, eine Duschhaube aus schwarzem Plastik, eine medizinische Maske mit grob ausgeschnittenem Loch, das sein Gesicht beinahe vollständig freigibt — und, nicht zu vergessen, einen Tanga. In der Hand: ein Hundekotbeutel. Vor ihm: die Wände und Türen eines Geschäfts in einem Einkaufszentrum südlich des Stadtzentrums. Nach den Worten der Polizei ein „wiederkehrendes Problem".

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Man könnte glauben, dies sei die Geschichte.

Aber die Polizei von Tulsa hat sie nicht als Geschichte behandelt. Sie hat sie als Inszenierung behandelt. Als Facebook-Aufruf. Als kollektive Bitte an die Bürger, die Augen offenzuhalten. Als Erzählung, die einen Namen verdient: „Serial Defecator", wie die Behörde ihn getauft hat, mit dem ganzen Pathos einer Institution, die sich erinnert hat, dass auch sie eine Bühne braucht.

„Help us find this guy", flehte das Tulsa Police Department am Samstag auf seiner Facebook-Seite. „Please, if you know where we can find him, we'd love to relieve these business owners." Man stelle sich den Tonfall vor — bittend, fast zärtlich, als gelte es, ein vermisstes Kind zu finden und nicht einen Mann, der sich in einen Hundekotbeutel entleert und das Ergebnis an Wänden und Türen verteilt. Die Handschuhe, die sich der Staat angezogen hat, sind ihm abgestreift worden. Er liegt auf den Knien. Er fleht — um einen Tanga-Mann.

Es gibt Aufnahmen. Es gibt Beschreibungen. Es gibt die Information, dass der Geschäftsinhaber eine Kamera installieren musste, nachdem es mehrfach geschah. Lokalsender — KOKH, KJRH, der NewsTalk der Region — bestätigen das Bild: ein Mann, der sich vor der Kamera entblößt und anschließend sein Geschäft verrichtet. Vier Uhr zweiundzwanzig am Morgen des neunzehnten August, mittwochs, ein Einkaufszentrum nahe der 81st Street und Harvard Avenue. Es ist ein Datum, eine Uhrzeit, eine Kreuzung. Es ist nicht das, was eine ganze Stadt mehrere Tage auf Trab halten müsste.

Und genau dies ist der Punkt, an dem jeder, der hinter die Bühne sieht, die Stirn runzeln sollte.

Tulsa ist eine Stadt mit Geschichte, und die Polizei weiß das. Bei der Veröffentlichung der Bilder wählte sie Aufnahmen aus dem Greenwood District — jenem Viertel, in dem 1921 ein weißer Mob mordete und brandschatzte, bis zu dreihundert Menschen tötete, Tausende vertrieb und die damalige schwarze Wall Street Amerikas dem Erdboden gleichmachte. Es ist keine beiläufige Kulisse. Es ist eine Bildsprache, die sagt: wir sind hier, wir sind zuständig, wir kümmern uns. Ein Mann in Tanga und Duschhaube wird zum Vorwand, unter dem Greenwood als Requisite dient.

Die Frage ist nicht, wer der Mann ist. Die Frage ist, wessen Aufmerksamkeit gerade abgelenkt werden soll.

In den vergangenen Jahren hat sich ein eigenes Genre etabliert — eine Galerie des Boulevard. Colorado brachte den „Mad Pooper", Ashland, Massachusetts, den „Parking Lot Pooper", New Jersey den „Pooperintendent of Schools". Es ist die Galerie der grotesken Kleinstatue, die zum Staatsfeind aufgeblasen wird, sobald die Maschine der Aufmerksamkeit gefüttert werden muss. Ein Psychologe wurde befragt; seine Erklärung war so bequem wie der Handschlag eines Mannes, der lächelt, während er lügt: der „Rush", das Ausreizen, der Kick am Rand des Erlaubten. Eine Erklärung, die alles beim Täter lässt und nichts beim System.

Doch die Erklärung, die zählt, liegt nicht beim Mann in der Duschhaube. Sie liegt beim Apparat, der ihn braucht.

Welche Akten wurden in dieser Woche nicht geöffnet, während die Pressestelle das Drehbuch für den nächsten viralen Moment schrieb? Welcher Bericht blieb liegen, welcher Haushalt, welche Beschwerde? Welche Stunde, welches Gehalt, welches Budget wurde verbraucht, um einen halbnackten Mann mit Hundekotbeutel durch die sozialen Medien zu jagen? Unklar bleibt, was im Hintergrund geschah, während die Kameras auf den Tanga-Mann gerichtet waren. Unklar bleibt, welche Vorfälle in dieser Stadt gerade leise gehalten werden.

Was man weiß, ist dies: Wenn eine Behörde ihre Aufmerksamkeit auf einen Mann in einer Duschhaube verwendet, dann nicht, weil er gefährlich ist. Sondern weil die Gefahr anderswo liegt — und von dort weggezogen werden muss.

So funktioniert es. So hat es immer funktioniert. Man baut eine Bühne, man besetzt sie mit einem Narren, und die Stadt schaut zu, während hinter dem Vorhang die Türen geschlossen werden.

Der Tanga-Mann wird gefasst werden. Früher oder später. Er wird einen Namen bekommen, ein Verfahren, eine Verurteilung vermutlich. Die Polizei wird eine Pressemitteilung herausgeben, in der steht, dass die Bürger wieder sicherer seien. Die Kameras werden abgeschaltet. Und Tulsa wird wieder über das reden, worüber es reden soll.

Über alles andere.

❖ Ende des Artikels ❖

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