Börse 1937
Terminal Tribune

26. August 2026

Dossier · Politik & Macht

Der Pookie-CM und die unbezahlten Onam-Abende

26. August 2026 — — Kastner

Am achtzehnten Mai legte ein zweiundsechzigjähriger Mann den Eid ab, zwanzig Minister folgten ihm, und binnen weniger Wochen hatte das Netz einen Namen für ihn: Pookie. So nennt die Gen-Z jene freundlich lächelnden Männer, an deren Antlitz man sich klammert, weil man fürchtet, was im Schatten der Geste wohnt. V.D. Satheesan, Chief Minister von Keralam, trägt diese Maske mit der Sicherheit eines Mannes, der weiß, dass Kameras zuerst schießen und Fragen später kommen — falls überhaupt. Sein Vorgänger, der CPI(M)-Veteran Pinarayi Vijayan, galt als verschlossen, streng, ohne Lächeln; er verlor mit einer Maschine, die nicht zitterte: hundertzwei zu null.

KI-generierte Illustration zum Beitrag

Drei Monate später. Auf dem Papier hat das neue Regime geliefert: die „Indira-Garantie" mit kostenlosen Busfahrten für Frauen in den KSRTC-Ordinary-Linien, die saubere Bestattung des SilverLine-Projekts, ein Department für die Älteren, die Governor-Rede zur Puthuyuga-Vision. 602 Projekte zählt die 100-Tage-Agenda, 13 davon sind vollendet, sechzig Tage verbleiben. Die Zahl, die nicht gedruckt wird, ist jene, die zwischen diesen beiden steht.

Auf dem Papier wohnt es sich am billigsten.

Am Donnerstag, dem zwanzigsten August 2026, trafen drei Zebras aus Gujarat im Zoo von Thiruvananthapuram ein. Nach einem Jahrzehnt der Abwesenheit. Ein Männchen, zwei Weibchen, in einer Tier-Ambulanz, unter Polizeibegleitung, nervös, in offener Quarantäne. Onam, hieß es, werde „golden" für den Zoo. Eine schöne Vokabel. Sie passt zu Menagerien. Sie passt nicht zu Vertragsarbeitern.

Denn zur selben Festwoche, in der die Zebras in ihr altes Gehege heimkehrten, blieb den Beschäftigten des PRISM-Kollektivs der Landesregierung Keralam das versprochene Festgeld versagt. Drei Monatsgehälter stehen aus. Für die meisten unter ihnen bedeutet das die Miete von drei Monaten, die Schulgebühren der Kinder für ein halbes Jahr, das wenige, das man sich vom Mund abgespart hatte für die Tage, an denen Onam die Tische füllen soll. Kein Festgeld. Keine Erklärung, die den Weg in die Zeitungen fand. Und eine Regierung, die sich rühmt, die „Stimme der Menschen" zu sein.

Daneben, nicht weniger hartnäckig: die Energiepreise. Sie sollen, so heißt es aus den zuständigen Stellen, bis zum Ende des Jahrzehnts „hartnäckig hoch" bleiben. Ein Wort, das in den Protokollen der Versorger wie eine Beruhigung klingt und in den Küchen der Mietenden wie ein Urteil.

Das Bild, das sich zusammenfügt, ist das einer Verwaltung, die das Visuelle beherrscht und das Substanzielle schuldig bleibt. Die Indira-Garantie, die den Frauen in den Bussen schmeichelt und die privaten Busbetreiber verärgert. Die SilverLine-Auflösung, die als Befreiung gefeiert wird, ohne dass jemand fragt, was mit den bereits investierten Summen geschieht. Die Puthuyuga-Vision, deren Vokabular an die zwanziger Jahre gemahnt und deren Mittel an die dreißiger erinnern. 102 Sitze im Parlament, gewonnen im Mai — die größte Legitimation, die ein Chief Minister sich wünschen kann, und der schärfste Prüfstein, den die Wählerschaft je einem Mann in die Hand legte.

Satheesan weiß das. Er weiß auch, dass jede neue Regierung an der alten gemessen wird, und dass dies nicht Drohung, sondern Versprechen ist. Das Erbe Vijayans ist doppelt: ein hoch verschuldetes Staatswesen, dem die sechzehnte Unionsfinanzkommission immerhin einen größeren Anteil am gemeinsamen Steuerbecken zugestand, von 1,92 auf 2,38 Prozent. Das klingt nach viel. Es reicht nicht. Es ist jenes alte Spiel der Zahlenschieberei, das jeder kennt, der je in Genf Verträge las, die nie eingehalten wurden.

In Boston schlug in diesen Tagen Rafael Devers, zurück im alten Stadion, einen Homerun. Das Publikum reagierte gemischt — die einen jubelten, die anderen schwiegen, weil die Trennung noch nicht verheilt war. So geht es auch Satheesan: beklatscht für das, was er verspricht, beäugt für das, was er nicht hält. Drei Monate sind noch keine Probezeit. Aber sie sind ein erster Blick durch die Tür.

Wer hinter dieser Tür sitzt. Wessen Namen die Verträge tragen. Welche Mittelsleute zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer stehen. Welche Aufsichtsgremien schweigen, damit die Bilanzen so aussehen, wie sie aussehen. Das sind die offenen Fragen, die kein Communiqué beantwortet — und die kein Lächeln aufzulösen vermag. Dreizehn Projekte. Sechshundertzwei Versprechen. Drei Monate ohne Lohn. Und ein Chief Minister, der lächelt, als wäre Onam bereits bezahlt.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 4 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZAHL Drei Zebras

    „not just two but three zebras reached the facility early Thursday morning“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZAHL Ein Jahrzehnt

    die vorgeschlagene Belegstelle steht so NICHT im Quelltext und wurde deshalb verworfen; das ist eine Aussage ueber den Vorschlag, nicht ueber die Quellenlage

    vorgeschlagene Belegstelle verworfen, weil so nicht im Quelltext: „[]“

  3. ZAHL Drei Monate

    „Looking at the first three months of the Congress-led United Democratic Front (UDF) government in Keralam,“ — wörtlich im Quelltext belegt

  4. ZITAT Rafael Devers hits homer in return to Boston

    im Titel der Quelle gefunden

  5. ZITAT V.D. Satheesan ist Chief Minister von Keralam

    „Keralam Chief Minister V.D. Satheesan“ — wörtlich im Quelltext belegt

Herangezogene Quellen

5 Quellen · 4 davon belegt · 3 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

Erwähnt in diesen Akten

Aus diesem Ressort