Vancouver gräbt tiefer als Bamako: B2Gols Deal über 666 Millionen jährlich
Die Mine liegt im Westen Malis, zwanzig Kilometer entfernt vom Fekola-Stammwerk, nahe der senegalesischen Grenze. Ihr Name ist Menankoto. Auf der Abbaugenehmigung, die Bamako jetzt ausgestellt hat, steht auf der einen Seite ein Staat, dessen Bürger in den letzten Jahren zweimal erlebt haben, wie ihre eigene Armee putschte. Auf der anderen Seite steht ein Unternehmen aus Vancouver. B2Gold. Investition: 2,3 Milliarden Dollar. Jährlicher Ertrag, der aus dem Boden geholt werden soll: Gold im Wert von 666 Millionen Dollar.
Das ist die Mathematik dieses Geschäfts.
Seit 2014 hat B2Gold nach eigenen Angaben mehr als zwei Milliarden Dollar in Mali investiert. Mit der Menankoto-Genehmigung in der Tasche darf der Konzern nun das Projektgebiet „Fekola Regional" erschließen — gemeinsam mit dem Dandoko-Projekt, für das bereits eine Explorationsgenehmigung vorliegt. „Der Fekola-Komplex ist derzeit die größte produzierende Goldmine Malis", sagt CEO Mike Cinnamond, „und die Erteilung der Abbaugenehmigung für Menankoto sichert den Fortbestand des Betriebs bis weit in die späten 2030er Jahre."
Man muss diese Sätze langsam lesen. Pfeife ausklopfen. Noch einmal lesen.
Zwei Drittel des Goldes für ein Drittel Welt.
Die Eigentumsverhältnisse sind das eigentlich Skandalöse — auch weil sie als Partnerschaft verkauft werden. Die bestehende Fekola-Mine gehört zu 80 Prozent B2Gold und zu 20 Prozent dem Staat Mali. Fekola Regional, also Menankoto plus Dandoko, gehört zu 65 Prozent B2Gold und zu 35 Prozent dem Staat Mali. Übersetzt: Von jedem Dollar, der aus dem Boden Malis gezogen wird, fließen 65 Cent zuerst nach Vancouver. Die restlichen 35 Cent werden zwischen dem malischen Staat und dem Unternehmen aufgeteilt — auf eine Weise, die das malische Volk erst erfährt, wenn die Bilanzen längst frisiiert sind.
Das soll man sich auf der Zunge zergehen lassen. Mali, ein Land auf der Liste fragiler Staaten ganz oben, das mit Jihadisten im Norden und einer Militärjunta in der Hauptstadt ringt, hat einem ausländischen Konzern gestattet, 2,3 Milliarden Dollar zu investieren — und hält dafür 35 Prozent am neuen Projekt. In der alten Fekola-Mine sind es sogar nur 20 Prozent.
Wer profitiert?
Die Aktionäre von B2Gold, deren CEO in Vancouver mit einem Satz den „Fortbestand bis weit in die späten 2030er Jahre" verkünden kann, während in Bamako dieselben Worte nichts anderes bedeuten, als dass die Mine noch zwei Jahrzehnte lang Goldsand aus dem Land pumpen wird. Pro Jahr wird dort Gold im Wert von 666 Millionen Dollar geschürft. Die Zahl, die aussieht wie ein Fluch, ist nur eine Rechenaufgabe: 150.000 Unzen mal 4441 Dollar Unzenpreis. Mehr nicht. Pro Jahr wird Gold im Wert von 666 Millionen Dollar abgebaut, und es geht seinen Weg.
B2Gold beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 3300 Arbeitskräfte, von denen 98 Prozent Einheimische sein sollen. Eine beruhigende Zahl. Zwei Prozent nicht-einheimische Arbeitskräfte — das sind bei 3300 immerhin 66 Menschen in Schlüsselpositionen. Welche? Das sagt die Pressemitteilung nicht. Auch nicht, wie hoch die Löhne im Verhältnis zu dem stehen, was eine Unze Gold auf dem Weltmarkt kostet.
Offen bleibt zudem, was die 35 Prozent Staatsanteil konkret bedeuten. Royalties, Steuern, Infrastrukturkosten — was bleibt am Ende tatsächlich auf dem Konto der Republik Bamako? Das wird in keiner Investorenpräsentation verraten. Solche Dinge werden bilateral verhandelt, in Räumen, in die kein Wirtschaftsreporter hineinkommt.
Ein Detail, das fast untergeht: Die alte Fekola-Mine operiert noch unter dem malischen Bergbaugesetz von 2012. Menankoto, das neue Projekt, fällt bereits unter das Gesetz von 2023. Elf Jahre Unterschied. Offen bleibt, was dieser Unterschied konkret bedeutet — höhere Beteiligungen für den malischen Staat, strengere Umweltauflagen, verpflichtende lokale Wertschöpfung? Die Pressemitteilung schweigt. Die Investorenpräsentation wird es ebenfalls nicht verraten.
Der Deal trägt einen Namen. Entwicklungshilfe. Partnerschaft. Wertschöpfung im Land. 98 Prozent lokale Beschäftigung. Diese Worte stehen auf jeder Pressekonferenz, die jemals in einer afrikanischen Hauptstadt zu einem Bergbauprojekt abgehalten wurde. Sie stehen auch in Vancouver. Sie stehen vor allem in den Prospekten, die an die Börsen von Toronto und New York gehen.
Die Wahrheit, die sich hinter diesen Worten verbirgt, ist älter als 1929. Wer ein Land zwei Jahrzehnte lang ausbeuten darf, der besitzt es nicht. Aber er hat es auch nicht mehr verlassen, wenn er geht. Die Gruben bleiben. Das Wasser, das in sie hineinläuft, bleibt. Die Frage, wer es trinkt, wenn das Gold längst in Tresoren in Zürich, London und New York liegt — das ist die einzige Frage, die zählt.
Sie wird in keiner Pressemitteilung beantwortet werden.
2,3 Milliarden Dollar Investition. 666 Millionen Dollar Gold im Jahr, das abgebaut wird. 65 Prozent nach Vancouver. 35 Prozent nach Bamako. Das ist das Geschäft. Man darf es ruhig beim Namen nennen: ein Vorkaufsrecht.
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