Hände schütteln im Kreml. Das Kriegszimmer hebt ab
Im Senatssaal des Kreml, wo die Kronleuchter seit zwei Jahrhunderten dieselben Geschichten flüstern, trafen sich am Montag zwei Männer, deren Höflichkeit das Papier nicht wert ist, auf dem sie protokolliert wird. Wladimir Putin empfing Subrahmanyam Jaishankar. Man sprach über Handel, über Düngemittel, über Kernkraft, über das ehrgeizige Ziel von hundert Milliarden Dollar bilateralen Umsatzes bis 2030 — Zahlen so kühn, dass sie beinahe wieder bescheiden wirken. Mit Sergej Lawrow sprach man über bilaterale Zusammenarbeit, regionale Brennpunkte und globale Herausforderungen — wobei die "regionalen Brennpunkte" sich an einer Hand abzählen lassen und jeder von ihnen einen Namen trägt, den in diesem Saal niemand ausspricht; "globale Herausforderungen" aber verlangt in der Diplomatensprache jene Übersetzung, die kein Dolmetscher wörtlich liefern darf.
Putin ließ ausrichten, er freue sich, Narendra Modi beim SCO-Gipfel in Bischkek zu treffen, beim BRICS-Gipfel in Indien und beim alljährlichen bilateralen Gipfel, wann immer die Kalender es erlauben. Jaishankar überreichte eine persönliche Botschaft des Premierministers. Die Kommission für Handel, Wirtschaft, Wissenschaft, Technologie und Kultur tagte zum siebenundzwanzigsten Mal — man zählt mit in diesen Sälen, weil jedes Treffen ein Treuebeweis ist und jede Zahl ein kleiner Vertrag. Mit dem ersten stellvertretenden Ministerpräsidenten Denis Manturow verhandelte man über Marktöffnung, über die Beseitigung tariflicher und nichttariflicher Barrieren, über ein wachsendes Ungleichgewicht im bilateralen Handel und über Zahlungsmechanismen, von denen man besser nicht zu laut spricht.
Dann, in diese Idylle hineingewoben wie eine Stickerei, die im falschen Licht ein anderes Muster zeigt: CIA-Direktor John Ratcliffe reiste nach Moskau. Die Reise kam überraschend. Überraschend wie ein Schuss in einem leeren Flur, überraschend wie ein Handschlag, den niemand fotografieren soll.
Nun die offene Frage, die nicht offen bleiben dürfte: Mit wem sprach Ratcliffe wirklich? Eine Quelle sagt: mit Putin. Eine andere: mit dem russischen Geheimdienst. Beide Versionen kursieren. Beide können nicht zugleich wahr sein. Eine davon ist Kulisse. Welche?
Der Kreml nannte die Gespräche "positiv". Das Wort hat in der russischen Verlautbarung die Halbwertszeit einer Frucht im Hochsommer. Es bedeutet: Wir haben euch empfangen. Es bedeutet nicht: Wir haben euch etwas gesagt. Es bedeutet erst recht nicht: Wir haben euch geglaubt.
Und dann, kurz darauf, gesichtet von Augen, die nicht genannt werden wollen: ein "Kriegszimmer" des US-Militärs, abgehoben von Washington. Die andere Quelle bestätigt es nicht. Natürlich nicht. Bestätigung ist die Schwester der Verantwortung, und Verantwortung will in solchen Stunden niemand übernehmen.
Man halte das Bild fest: Während Jaishankar und Manturow über Marktöffnung und Tarifbarrieren verhandeln, während Putin den nächsten Termin mit Modi in die Zukunft zeichnet wie ein Architekt, der den Grundriss bereits kennt, bevor das Haus steht, sitzt ein amerikanischer Geheimdienstchef in einem Moskauer Salon und spricht mit jemandem, dessen Identität wir nicht kennen. Währenddessen rührt sich auf der anderen Seite des Atlantiks ein Apparat, dessen Name — Kriegszimmer — kein Eigenname ist, sondern ein Hinweis.
Die Struktur ist so alt wie die Verträge von Genf. Eine Vorderseite, gefüllt mit Handschlag und Handelszielen. Eine Rückseite, auf der dieselben Hände andere Dinge unterzeichnen. Indien spricht von hundert Milliarden Dollar — eine Zahl, die weniger Prognose als frommer Wunsch ist. Die USA sprechen von positiven Gesprächen — und schicken, mit einer Geste, die an Höflichkeit grenzt, das Kriegszimmer hinterher.
Was wir wissen: zu wenig. Was wir ahnen: zu viel. Was wir verlangen, und zwar bis zur letzten Minute: eine präzise Antwort auf die Frage, wer in Moskau tatsächlich mit wem sprach — und was, in Gottes Namen, in Washington abhob.
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