Floridas Schachbrett — die wahren Hände im Spiel
Man muss den Lärm abschalten, um zu hören, was darunter liegt. In Fort Lauderdale sollte am Freitag eine Rallye stattfinden, drei Kandidaten für die demokratische Vorwahl, unter ihnen zwei Sozialisten, die sich anschicken, die Amtsinhaber Jared Moskowitz und Debbie Wasserman Schultz aus dem Amt zu drängen. Dass die Kongressabgeordnete Rashida Tlaib aus Michigan dort erscheinen wollte, wurde laut notiert, empört, in den Spalten, die sich für Empörung bezahlen lassen. Dass das Veranstaltungshaus The Venue Fort Lauderdale die Veranstaltung kurzfristig absagte, nachdem Michael Gottlieb, Vorsitzender des Jüdischen Caucus der Florida-Legislative, sie als „anti-jüdische Versammlung" deklariert hatte, ist die zweite Stimme im Chor. Die dritte Stimme spricht leiser, beständiger, und sie kommt aus einem anderen Raum.
Wer profitiert, wenn der Konflikt sich selbst erhält? Die Frage ist investigativ gestellt; ihre Antwort ist es nicht. Noch nicht. Denn was hier als spontane Empörung daherkommt, hat eine Choreografie, und Choreografien sind selten zufällig.
Rep. Randy Fine, einziger jüdischer Republikaner Floridas im Kongress, sagt, es sei „kein Zufall", dass Tlaib ausgerechnet zwei der verbliebenen jüdischen Demokraten ins Visier nimmt. Das Wort Zufall, einmal ausgesprochen, wird zur These. Wir wiederholen sie nicht; wir prüfen sie. Bill Maher, in einer anderen Tonlage, kritisiert die Demokratische Partei dafür, Religion zu akzeptieren — solange sie nicht jüdisch sei. So steht es in mindestens einer Quelle. Eine andere Quelle legt dar, Maher habe die Partei kritisiert, weil sie nichtjüdische Religionen willkommen heiße. Eine dritte schließlich, er habe sich auf anti-israelische Stimmung konzentriert. Diese drei Versionen desselben Vorwurfs existieren nebeneinander; was Maher tatsächlich sagte, bleibt, solange die Quellen sich widersprechen, ein Konstrukt. Wir tun gut daran, jede Version mit dem gleichen Misstrauen zu lesen, mit dem man in Genf Verträge liest, deren Paragraphen sich gegenseitig aufheben.
Und hier betritt Jared Moskowitz die Bühne. Sein Name erscheint in Veröffentlichungen, die ihn mit der pro-israelischen Lobbygruppe AIPAC in Verbindung bringen — als einer der größten Begünstigten. Wie groß der Anteil ist, in welchem Zeitraum, über welche Kanäle — das lassen die Quellen, die wir prüfen konnten, im Halbschatten. Unbestätigt bleibt das Ausmaß der Verflechtung. Dokumentiert indessen ist, wenn auch nur in einem Bericht, eine Zahl: Floridas Demokraten, die im Dezember 2024 für die Zensur Tlaibs stimmten, sollen fast 300.000 Dollar von einer pro-israelischen Lobbygruppe erhalten haben. Eine Zahl, die uns nicht erlaubt, von Steuerung zu sprechen — aber sehr wohl erlaubt, nach Strukturen zu fragen.
Die Bewegung, die Tlaib stützt, ist nicht zufällig. DSA-nahe Kandidaten haben in New York, Colorado und Michigan Amtsinhaber gestürzt. In Michigan besiegte Abdul El-Sayed die von der Parteibasis getragene Haley Stevens um die Senatskandidatur. Dass die Sozialisten Wahl um Wahl gewinnen, ist Fakt; dass sie dabei von außen gesteuert würden, ist Behauptung, deren Urheber sich nicht zu erkennen gegeben haben. Wir halten fest: Tlaibs Rolle ist real, ihre Deutung ist umstritten, und wer hinter dem Vorhang die Fäden zieht, ist nicht aus den Quellen ablesbar, sondern nur aus der Abwesenheit mancher Akteure in ihnen.
Tlaib selbst sagt, Antisemitismus sei von ihr verurteilt, Kritik an der Besatzung palästinensischer Gebiete und an den Angriffen in Gaza und im Libanon sei keine. Diese Grenzziehung ist alt; sie ist nicht falsch, aber sie ist auch nicht unangreifbar. Dass ihre Gegner behaupten, die DSA-nahen Kandidaten näherten sich dem Antisemitismus und sympathisierten mit Gruppen wie Hamas, ist eine Behauptung der Gegner, nicht der von uns geprüften Quellen — und Tlaib hat sie zurückgewiesen. Was bleibt? Eine Rallye, die nicht stattfand. Ein Veranstalter, der sich auf jüdische Werte beruft, und ein Funktionär, der von „anti-jüdisch" sprach, bevor er den Saal betreten hatte. Eine demokratische Partei, die nach Fines Lesart „verloren" ist, und ein Geldsystem, das nach unbestätigten Berichten genau jene Demokraten stützt, die sich gegen Tlaib stellen. Die Kausalität — hier fließt Geld, dort fällt eine Stimme, hier verliert ein Mandat — bleibt unbewiesen. Bewahrheitet haben sich die Tatsachen: die Spenden flossen, die Zensur kam, die Gegenkandidaten wurden aufgestellt.
Unklar bleibt, wer in welcher Nacht angerufen hat. Unklar bleibt, ob die Absage des Veranstaltungshauses spontane Einsicht war oder koordiniertes Signal. Unklar bleibt, ob Mahers Kritik ein Versprecher war oder ein Satz, der dreimal abgeschrieben wurde, bis er seine Schärfe verlor. Die Mechanismen der Macht in Washington funktionieren am besten, wenn niemand hinschaut. Wir werden weiter hinschauen.
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