Die Themse im Würgegriff: 7,5 Milliarden Pfund auf wackligem Seil
London atmet auf, aber nur flach. Man kann es riechen, dieses eigentümliche Parfüm aus Erleichterung und Verwesung, das durch die Korridore von Westminster und Whitehall zieht, wenn ein Konzern am Abgrund torkelt und alle Beteiligten so tun, als gäbe es noch einen Boden unter den Füßen. Thames Water, dieser marode Wasserriese, hat sich ein Seil um den Hals gelegt — und die Gläubiger halten das andere Ende. Es sind ihre Hände, die jetzt zucken, ihre Finger, die sich um den Strang legen, während die Regierung in der Loge sitzt und überlegt, ob sie das Messer oder den Knopf drückt.
Sie kennen das Spiel. Es ist das gleiche Spiel, das ich in Genf gesehen habe, als Männer in Nadelstreifen Verträge unterschrieben und sich gegenseitig versicherten, man werde „zu seinem Wort stehen". Es ist das gleiche Spiel, das ich in Räumen beobachtet habe, in denen Kaffee serviert wurde, während draußen die Rohre bröselten. Es ist das Spiel der Gläubiger, die jetzt — endlich, möchte man sagen — die Karten auf den Tisch legen. Sieben Komma fünf Milliarden Pfund. Ein Drittel von fast zwanzig Milliarden Pfund Schulden, die Thames Water wie ein Mühlstein um den Hals hängen. Sie bieten an, diese Last zu streichen. Sie bieten an, das Unternehmen umzubauen. Sie bieten an, den Vorstand auszuwechseln, falls der Konzern der Verstaatlichung entgeht. Sie nennen es ihren „final turnaround plan", als wäre ein Plan schon eine Tat. Das ist die offizielle Lesart.
Aber die offizielle Lesart ist ein Vorhang, und ich habe schon zu viele Vorhänge beiseitegezogen, um mich davon täuschen zu lassen.
Denn schauen wir genauer hin. Da ist zunächst dieser „Debt Lifeline", die Atempause von drei Milliarden Pfund, die das Unternehmen bis Mai 2026 retten soll — vorausgesetzt, die Bedingungen werden erfüllt. Mai 2026. Das sind Monate, meine Damen und Herren, keine Jahre. Eine Atempause, lang genug, um die nächste Krise zu verschieben, kurz genug, um sicherzustellen, dass niemand die Geduld verliert. Die Ratingagenturen haben das Urteil bereits gesprochen: Thames Waters Bonität wurde herabgestuft, mit der ausdrücklichen Warnung, dass ein Scheitern bei der Verlängerung der Kreditlinien das Unternehmen in eine Sonderverwaltung treiben könnte — eine de-facto-Verstaatlichung, bei der der Steuerzahler die Zeche zahlt. Man flüstert das Wort „special administration" und meint „nationalisation", und beide meinen dasselbe.
Aber da ist ein Riss in der Fassade, und er ist breiter, als man zugeben will. Während die einen Gläubiger die Verstaatlichung um jeden Preis verhindern wollen — koste es sieben Komma fünf Milliarden Abschreibung —, fordert CKI, einer der Kreditgeber, genau das Gegenteil: Renationalisierung. Sie nennen den Plan der anderen „hochriskant". Hier beginnt das Spiel hinter dem Spiel. Die Gläubiger sind keine Einheit. Sie sind ein Konzert, in dem jeder sein eigenes Instrument spielt, und die Melodie, die dabei herauskommt, ist die eines Hauses, das sich selbst zerlegt.
Und dann ist da der Premierminister. Er sitzt am längeren Hebel, sagt man. Er verzögert den Schritt in die Zwangsverwaltung, weil — so sagen seine Leute — die Kosten für den Steuerzahler zu hoch wären. Aber was sagt er selbst? Er sagt, weitere Steuererhöhungen seien möglich. Lassen Sie das einen Moment sacken. Der Mann, der die Verstaatlichung aus Furcht vor den Kosten verzögert, deutet gleichzeitig an, dass er den Bürgern tiefer in die Tasche greifen wird. Das ist kein Zufall, meine Damen und Herren. Das ist Architektur. Man baut das eine, während man das andere einreißt, und am Ende steht man da und fragt sich, wo das Geld geblieben ist.
Unklar bleibt — und das ist der Kern, der sich jeder eleganten Erklärung entzieht —, wie lange dieses Seil tatsächlich trägt. Drei Milliarden bis Mai 2026 sind keine Lösung; sie sind ein Aufschub. Sie sind der Handschlag am Rande des Abgrunds, bei dem beide Seiten wissen, dass einer von ihnen loslassen wird. Die Gläubiger haben ihren Plan vorgelegt, und die Uhr tickt. Wenn die Kreditlinien nicht verlängert werden, wenn die Bedingungen nicht erfüllt werden, wenn das Kartenhaus aus Verzögerung und Steuerdrohung zusammenfällt, dann steht die Verstaatlichung nicht mehr als Drohung im Raum. Dann steht sie als Tür da, und alle werden hindurchgehen müssen.
Wer profitiert? Das ist die Frage, die niemand stellen will. Die Gläubiger, die ihre sieben Komma fünf Milliarden abschreiben müssen, sichern sich den Einfluss auf den Vorstand. Sie behalten die Kontrolle über ein Unternehmen, das ohne sie längst untergegangen wäre. Das ist keine Großzügigkeit; das ist ein Preis. Die Regierung, die sich als Retter inszeniert, während sie gleichzeitig Steuererhöhungen ins Spiel bringt, kauft Zeit. Aber Zeit wofür? Das Wasser fließt weiter, die Bilanzen werden weiter mit Zahlen gefüttert, die mehr Fantasie als Buchführung sind.
Ich trage Handschuhe, wenn ich diese Dinge niederschreibe. Nicht weil ich mich schütze, sondern weil ich nichts berühren will, was mich befleckt. Aber manchmal muss man die Handschuhe abnehmen, um zu zeigen, dass dahinter Hände sind, die zupacken könnten — wenn man sie ließe.
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