Burnhams Bounce — geliehen, nicht verdient
37 Prozent. Das ist die Zahl, mit der Andy Burnham dieser Tage hausieren geht. Eine Umfrage von vier Handelsverbänden — British Beer & Pub Association, UK Hospitality, British Institute of Innkeeping und Hospitality Ulster — bescheinigt ihm einen „Burnham Bounce": 37 Prozent der Betriebe im britischen Gastgewerbe glauben, dass seine Regierung der Branche nützen werde. Vor der Ankündigung der Rabatte auf die Gewerbesteuer waren es 18 Prozent. Eine Verdopplung. Klingt nach Wiederauferstehung. Riecht nach Pressemitteilung. Die Umfrage stammt ausgerechnet von denjenigen, die schon im nächsten Satz weitere Steuererleichterungen fordern. Das ist kein Marktindikator. Das ist eine Forderung, verkleidet als Stimmungsbild.
Dreiviertel der Befragten — 75 Prozent — nennen die Steuerlast als größtes Hindernis. Politische Instabilität folgt mit 37 Prozent auf Platz zwei. Die Branche ist, gemessen am Bruttowert, rund 100 Milliarden Pfund schwer. Sie ist auch die Branche, die am lautesten schreit, wenn die Miete fällig wird.
Hier beginnt die Diskrepanz. Ein Bounce ist, streng genommen, ein Aufprall und seine Gegenbewegung. Was die Verbände vermelden, ist kein Aufschwung — es ist eine Erwartungshaltung gegenüber einem Mann, der im letzten Monat einen Rabatt auf die Gewerbesteuer für Pubs, Clubs und Live-Musik-Locations angekündigt hat. Das ist keine Marktbewegung. Das ist eine politische Geste, gemessen an einer Umfrage, die von denjenigen in Auftrag gegeben wurde, die weitere Zugeständnisse wollen.
Wer also zahlt den Bounce? Nicht der Markt. Der Markt ist weiterhin überlastet. Die Pubs, Bars und Hotels, die nach eigener Aussage unter steigenden Kosten ächzen, haben von einer Vergünstigung erfahren, deren Details noch in der Schwebe sind. Die Regierung hat „weitere Änderungen" signalisiert — ein Wort, das in der Sprache von Whitehall nichts kostet und alles bedeuten kann. Die Verbände selbst sagen es ungeschminkt: Die bisherigen Schritte hätten „sehr wenig" getan, um die Kostenlawine zu brechen. Der Bounce ist geliehen. Die Rechnung bleibt offen. Und sie wird, so viel ist sicher, an die Zecher weitergereicht, nicht an die Bilanz.
Drei Viertel nennen Steuern — insbesondere die Mehrwertsteuer — als Haupthindernis. Burnham hat geliefert, was die Politik am schnellsten liefern kann: ein Symbol. Die Branche will mehr. Sie will Strukturen. Sie will keine Pressekonferenz, sie will eine Betriebswirtschaft, in der die Differenz zwischen Einnahmen und Kosten nicht länger fromme Hoffnung bleibt.
In dieses Bild fügt sich eine eigentümliche Geste. Burnham hat in den vergangenen Wochen seine Position zu den Parthenon-Skulpturen geändert. Plötzlich sind die marmornen Götter, die seit Jahrzehnten im British Museum stehen, kein unantastbares Erbe der Welt mehr, sondern eine Leihgabe, die heimgehört. Es ist eine bemerkenswerte Volte bei einem Mann, der zuvor die britische Position vertrat. Was hat ihn umgestimmt? Die Wähler? Die Wirtshausbesitzer? Eine bestimmte Klientel, die er mit einer kulturellen Geste zu binden gedenkt, während er gleichzeitig mit der anderen Hand die Gewerbesteuer drückt?
Es wäre zu einfach, das eine mit dem anderen zu verknüpfen. Es wäre aber auch unaufrichtig, es nicht zu tun. Politik funktioniert nicht im Vakuum. Wer den Briten ihre Götter zurückgibt und den Gastwirten ihre Rabatte, der handelt nicht aus plötzlicher Erkenntnis — der handelt aus Kalkül. Die Frage ist nur, wessen Kalkül. Und zu welchem Preis.
Unklar bleibt, wer von dem „Bounce" tatsächlich profitiert. Die kleinen Pubs am Stadtrand, die jeden Sonntag um ihre Existenz zittern? Oder die Ketten, die ihre Buchhaltung in London machen und ihre Abschreibungen in den Regionen verstecken? Die Umfrage sagt es nicht. Sie sagt nur, dass 37 Prozent hoffen. Hoffnung ist keine Investition. Hoffnung ist das, was man verkauft, wenn man keine Bilanz vorlegen will.
Denn die Bücher sind nicht ausgeglichen. Das war nie ein Versehen. Wer seinen Optimismus aus einer einzigen politischen Geste bezieht, hat keinen Boden unter den Füßen — nur ein Podium, auf dem der nächste Redner bereits wartet. Und der wird, das ist so sicher wie die Mehrwertsteuer, eine neue Zahl mitbringen.
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