Börse 1937
Terminal Tribune

29. August 2026

Dossier · Finanzen & Wirtschaft

Bananen 65, Zucker 77: Onams stille Rechnung

29. August 2026 — — E. Wolff

Wer in diesen Tagen durch Kochi fährt, sieht was er sehen soll. Girlanden über den Straßen, das Gelände des Thrikkakara Vamanamoorthy Tempels füllt sich mit Besuchern, die Polizei zieht zusätzliche Kräfte ab, die Eisenbahn verschärft die Kontrollen gegen Schwarzfahrer. Das ist die Begleitmusik eines Festes, das offiziell stattfindet. Die Zahl, die nicht auf den Plakaten steht, steht auf den Quittungen.

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Fangen wir mit der Banane an. Rohbananen, jene unscheinbare Frucht, ohne die kein Onam-Chip-Teller funktioniert, kosten im Großhandel der Stadt rund 65 Rupien das Kilo. Der Händler K. M. Hashim vom Ernakulam-Markt sagt es selbst: Im letzten Onam waren es 50 Rupien. Ein Aufschlag von dreißig Prozent in zwölf Monaten. Chip-Hersteller, sagt er, kaufen nur beste Ware, die kostet 70 Rupien. Bei diesem Einkaufspreis, sagt er, müssten Chips über 500 Rupien das Kilo kosten.

500 Rupien für ein Kilo Chips. Schreiben Sie es auf, hängen Sie es an die Wand. Es ist die saubere Zahl hinter der schönen Tüte.

Die Erklärung der Händler ist, wie immer, kurz und unangreifbar. Weniger Ware aus Mettupalayam in Tamil Nadu, weil der Monsun nicht mitspielt. Nachvollziehbar — für ein einzelnes Jahr. Auffällig wird es, wenn man die Liste weiterführt. Zwiebeln: von 31 auf 48 Rupien binnen einer Woche. Bohnen: plus 20 Rupien, jetzt bei 80. Bittermelone fiel von 95 auf 65, aber erst am Dienstag, und nur, weil der Regen die Nachfrage abwürgte. Das ist kein Wetter mehr. Das ist eine Kurve mit Handschrift.

Wer schreibt mit? N. H. Shameed, Generalsekretär der Marktstallbesitzer, gibt die zweite Spur selbst. Die Preise steigen, weil verstärkt ins Ausland exportiert wird — dorthin, wo die keralische Diaspora Onam groß feiert. Innere Knappheit durch äußeren Konsum. Wer die Diaspora beliefert, beliefert sie zu Festpreisen. Wer zu Hause einkauft, zahlt die Rechnung.

Dann der Zucker. Zwischen 75 und 77 Rupien das Kilo im Einzelhandel des Distrikts. Die Zentralregierung führt das, höflich formuliert, auf einen Gemischtwarenladen zurück: gefallene Eigenproduktion, gestiegene Festtagsnachfrage, wetterbedingte Ernteschäden, engere globale Versorgung, Spekulation und Hortung durch Teile der Industrie. Das ist die Standardphrase für einen Preis, den niemand verteidigen will, aber alle weiterlaufen lassen.

Unklar bleibt, wo genau die Marge hängenbleibt — bei den Mühlen, bei den Ethanolabnehmern, bei den Händlern. Klar ist nur eines. Zucker ist bitter. Der Name der Geschichte sagt es selbst.

Reis bleibt stabil. Matta bei 57 Rupien, Surekha bei 53, Jaya bei 47. Das ist die Ausnahme. Sie bestätigt die Regel. Was nicht als Festtagssymbol gilt, wird nicht besteuert. Was als Festtagssymbol gilt — Banane, Zucker, Zwiebel — wird besteuert.

Das eigentliche Indiz freilich liegt woanders. Uthrada Pachil, der letzte Einkaufstag vor Thiruvonam, ist verhalten. „Subdued“ nennen es die Händler. Der Regen habe mitgespielt, viele Käufer seien früh gekommen. Das stimmt. Es erklärt aber nicht alles. K. K. Ashraf, Sekretär der Marktstallbesitzer, sagt es offen. Das Geschäft sei über die Saison „reasonably good“ gewesen, aber am Montag — als Organisationen Onam-Kits verteilten — seien die Preise hochgegangen, am Dienstag wieder gefallen. Das ist kein freier Markt. Das ist ein Markt, der auf den Tag hört, an dem jemand mit Sammelbestellungen kommt.

Die Straßenverkäufer tragen die Zeche. Sie hatten sich auf den Ansturm eingedeckt, der Ansturm blieb aus, der Regen wusch die Aussichten fort. So sieht Konsumschwäche aus, wenn sie höflich auftritt. Kein Aufschrei, nur ein Broadway, der seine Bilanz nicht halten wird. P. A. Sageer, Präsident der Broadway-Shopbesitzer, formuliert es nüchtern. Die größten Umsätze werden an den letzten zwei Tagen vor Thiruvonam erwartet. Der Regen hat sie zerstört.

Wenn das Wetter schuld ist, fragt man sich, warum der Plan keine zwei Tage überstehen konnte. Wenn nicht das Wetter schuld ist, fragt man sich, was.

Die staatliche Feiermechanik läuft derweil auf Hochtouren. Verkehrspolizei verstärkt, Eisenbahn kontrolliert. Thrikkakaras Tempel zieht Pilger an, die Rituale gehen ununterbrochen weiter, das Votivmahl wird vorbereitet. Es ist die Begleitmusik zu einem Fest, das stattfindet, während der private Geldbeutel eine Auszeit nimmt. Glaube lässt sich nicht importieren. Aber er lässt sich gut filmen.

Die Frage, die offen bleibt: Wer kassiert den Festaufschlag wirklich? Die Händler zeigen auf das Wetter. Die Behörden zeigen auf Spekulation, Ethanol und globale Engpässe. Die Diaspora-Käufer zeigen auf die heimische Knappheit. Die heimischen Käufer zeigen auf den eigenen Geldbeutel. Alle zeigen. Niemand zahlt.

65 Rupien für die Banane. 77 Rupien für den Zucker. Broadway feiert. Broadway rechnet.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 4 von 4 Behauptungen belegt
  1. ZAHL Raw banana prices remain high at around ₹65 a kg in the city’s wholesale markets

    „Raw banana prices remain high at around ₹65 a kg in the city’s wholesale markets.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  2. ZAHL Sugar prices range between ₹75 and ₹77 a kg in retail markets across district

    „Sugar prices range between ₹75 and ₹77 a kg in retail markets across district“ — wörtlich im Quelltext belegt

  3. ZAHL Minimum fine for travelling without a ticket has been doubled from ₹250 to ₹500

    im Quelltext gefunden

  4. ZAHL Revised penalty coming into effect in June 2026

    im Quelltext gefunden

Herangezogene Quellen

5 Quellen · 4 davon belegt · 2 externe Belege · 4 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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