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29. August 2026

Dossier · Finanzen & Wirtschaft

BRUDER KAUFT BRUDER – GUGGENHEIMS 1,18 MILLIARDEN WERDEN FAMILIENSACHE

29. August 2026 — — E. Wolff

Manchmal beginnt ein Bilanzskandal nicht mit einem Knall. Er beginnt mit einem Händedruck zwischen zwei Firmen, die denselben Briefkopf tragen – und mit einer Mitteilung an die Gläubiger, in der das Wort »erwägt« so oft vorkommt, dass kein Mensch mehr hinschaut.

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Guggenheim Investments, der Asset-Management-Arm des New Yorker Finanzkonglomerats Guggenheim Partners, hat den Kreditgebern eines 1,18-Milliarden-Dollar-Darlehens der GIH Borrower LLC signalisiert, dass eigene Affiliates – also verbundene Gesellschaften innerhalb des Guggenheim-Kosmos – Teile dieses notleidenden Kredits aufkaufen könnten. Fälligkeit: 2031. Marktpreis zuletzt: 73 Cent pro Dollar, parallel zu rückläufigen Erträgen im Asset-Management.

Siebenundzwanzig Cent Verlust pro investiertem Dollar. Das ist kein Marktrauschen. Das ist ein Stoß, der Spuren hinterlässt – in jeder Bilanz, die diesen Titel noch mit hundert Cent führt.

Und jetzt der Clou, über den an der Park Avenue höflich geschwiegen wird: Der Schuldner – beziehungsweise eine Schwestergesellschaft desselben Schuldners – will sich selbst die notleidenden Papiere abnehmen. Eine Konzerntochter kauft ein Darlehen auf, das der Mutter oder Schwester auf den Füßen liegt. In der Sprache der Wall Street nennt man das einen »affiliate buyback«. In der Sprache der Straße: Jemand fegt den eigenen Dreck unter den eigenen Teppich, bevor der Mieter kommt.

Ich habe solche Manöver gesehen. 1929, 1930, 1931. Jedes Mal, wenn ein Institut zu stolz war, einen Verlust ehrlich abzuschreiben, und zu schlau, um es geradeheraus zu tun, kam dieser Griff in die eigene Verwandtschaft. Manchmal hat er den Zusammenbruch um zwei Quartale verzögert. Manchmal um zwei Jahre. Einmal hat er gar nichts verzögert.

Was hier offen zutage liegt – und was jeder Bilanzprüfer mit geweiteten Pupillen lesen sollte: Mehr als die Hälfte der bei Guggenheim verwalteten Vermögenswerte stammt von Versicherungsgesellschaften – darunter mehrere Guggenheim-eigene Affiliates und Sammons Enterprises Inc., der größte Aktionär. Das ist kein neutraler Investor. Das ist ein Anker, der seine eigene Bilanz mit den Erträgen seiner eigenen Fonds stabilisiert. Wenn der Asset-Manager ächzt, ächzt die Versicherung. Wenn die Versicherung sich zurückzieht, bricht der Manager. Es ist ein geschlossener Kreis – und geschlossene Kreise sind, wie wir aus leidvoller Erfahrung wissen, entweder genial oder tödlich.

Die Affiliate, die hier als Käuferin auftritt, ist also kein Außenstehender, der eine Schnäppchenjagd wittert. Sie ist Teil des Systems. Wenn sie zu 73 Cent kauft, kauft sie nicht den Markt – sie kauft ihrem eigenen Konzern die Möglichkeit, den Wert des Papiers intern anders darzustellen, als es der freie Markt gerade tut.

Die offene Frage, die in dieser Konstruktion schwelt wie nasse Kohle: Kauft Guggenheim hier billig ein, um einen sauberen Neustart zu finanzieren – oder verschiebt man lediglich den Tag der Abrechnung um sechs Monate, verschleiert die wahre Höhe der Abschreibungen und verhindert, dass externe Investoren den Preissturz als das lesen, was er ist: ein Misstrauensvotum des Marktes?

73 Cent sagen: Der Markt glaubt euch nicht mehr. Ein Affiliate-Käufer sagt: Wir glauben uns selbst auch nicht mehr – aber wir wollen die Kontrolle behalten, wer den Preis diktiert.

Wer profitiert? Die Antwort ist simpel und unangenehm: Zunächst einmal niemand, der nicht Guggenheim heißt. Wer verschweigt was? Das ist die Frage, die bleibt. Unklar ist, ob die beteiligten Versicherungs-Affiliates denselben Marktwert ansetzen wie der freie Markt – oder ob sie den Papieren einen Gefallenpreis geben, der die wahren Verluste in den Konzernbüchern versteckt, anstatt sie offen auf den Tisch zu legen. Unklar bleibt auch, ob Sammons Enterprises, der Großaktionär, diesen Schritt aktiv mitträgt oder ob er nur passiv beobachtet – wie ein Kapitän, der weiß, dass sein Schiff Wasser zieht, aber noch nicht entschieden hat, ob er die Luken öffnen oder die Passagiere ablenken soll.

Eines ist gewiss: Ein Milliarden-Kredit, der zwischen Mutter und Tochter hin- und hergeschoben wird, hinterlässt keine frische Wunde. Nur eine vernarbte.

Und Narben, meine Damen und Herren – Narben lügen nicht. Aber sie vergessen. Wenn man sie lässt.

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