Stahl auf Schutzsuchende: Mariupol vor Den Haag
Hören Sie mir zu. Wenn Stahl aus 5.000 Metern auf Beton fällt, bedeutet das: Jemand hat eine Fabrik gefüttert, einen Piloten losgeschickt, eine Liste abgehakt. Was auf dieser Liste stand — ein Theater, in dem Familien mit Kindern Schutz suchten — war entweder Dummheit oder Absicht. Beides ist verfolgbar.
Internationale Organisationen dokumentieren, was danach übrig bleibt. Die Vereinten Nationen, Amnesty International — sie sammeln Berichte über verbotene Streumunition und unpräzise Bomben, sogenannte „dumb bombs", die ein ganzes Areal bestreuen. In Charkiw töteten solche Bomben Zivilisten beim Wasserholen. In Mariupol war es ein Theater. Wer das Muster nicht sehen will, soll weiter Pressekonferenzen glauben.
In Den Haag arbeitet Chefankläger Karim Khan an zwei Anträgen. Erstens: die Verschleppung ukrainischer Kinder nach Russland, deklariert als Schutz, beworben im Staatsfernsehen, ermöglicht per Dekret. Zweitens: militärische Attacken auf zivile Infrastruktur — Kraftwerke, Theater, Geburtskliniken. „Kinder sind keine Kriegsbeute", hat Khan gesagt. Das ist kein Slogan. Das ist eine Anklage.
Wer profitiert? Wer verschweigt? Russland erkennt die Zuständigkeit des ICC nicht an. Die Ukraine schon. Diese Asymmetrie trägt den Krieg: ein Angreifer, der sich der Justiz entzieht; ein Ermittler, der trotzdem Beweise sichert. Amnesty International fordert Rechenschaft, insbesondere gegen Präsident Putin. Ob das durchdringt? Ungarn hat bereits klargemacht, dass Haftbefehle dort kein Hindernis sind.
Und dann die Inszenierung: Putins Besuch in Mariupol, kaum Sicherheit, sichtbar entspannt. Das ist kein Mut. Das ist ein Drehbuch. Es soll Normalität suggerieren, die Rückgewinnung der Kontrolle demonstrieren — nach innen wie außen. Ein strategisches Signal: Das Land gehört uns.
Aber Stahl auf Beton vergisst nicht. Die Listen, die Bomben, die Piloten, die Transporte — sie bleiben. Den Haag liest mit.
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