Amyloid-Lüge, leere Studien: Anatomie eines Pharma-Kartenhauses
Die schönste Lüge der Medizingeschichte ist 2006 in Nature gedruckt worden. Sylvain Lesné, Neurowissenschaftler an der University of Minnesota, präsentierte das Protein Beta-Amyloid*56 als Schlüsselfaktor für Alzheimer. Die Bilder, die das beweisen sollten, waren manipuliert. Im Juli 2022 hat Science das aufgedeckt. Zwei Jahrzehnte Forschung, Milliarden Dollar – gebaut auf gefälschten Aufnahmen.
Die Frage ist nicht, ob jemand betrogen hat. Die Frage ist, wer davon profitiert hat. Pharmaunternehmen entwickelten Behandlungen, die Amyloid-Plaques angreifen. Keine einzige Studie kam zu aussagekräftigen Ergebnissen. Jetzt, da das Fundament wackelt, fragt sich niemand, wie viele Milliarden in eine Sackgasse gepumpt wurden.
Währenddessen, am anderen Ende der Pipelines: AstraZeneca. Der britische Konzern hat die Phase-III-Studie eVOLVE-Lung02 mit dem Wirkstoff Volrustomig eingestellt. Ein unabhängiges Datenüberwachungskomitee urteilte: Die Kombinationstherapie mit Chemotherapie wird ihre Hauptziele voraussichtlich nicht erreichen. Überlebenszeit ohne Fortschreiten der Krankheit, Gesamtüberleben bei metastasierendem Lungenkrebs – beides verfehlt.
Es reiht sich ein. Wainua scheiterte in der späten Studienphase. Camizestrant bekam wegen des Studiendesigns keine US-Zulassung. Ultomiris verfehlte bei einer seltenen Krankheit die Ziele. Die Pipeline leckt, das Vertrauen der Anleger ist gedämpft. Aber die Prognose bleibt: 80 Milliarden Dollar Jahresumsatz bis 2030. Dafür braucht der Konzern bis zu zwanzig neue Medikamente. Susan Galbraith, Forschungs- und Entwicklungschefin für Onkologie: „Wir sind enttäuscht, werden aber lernen." Lernen. Als ob es um eine Klausur ginge.
Am selben Tag vermeldete AstraZeneca Erfolge. Enhertu, gemeinsam mit Daiichi Sankyo entwickelt, zeigt als Erstlinientherapie bei HER2-mutiertem Lungenkrebs vielversprechende Ergebnisse. Hohes Umsatzpotenzial. Die Aktie zuckte nicht – Positives überwog Negatives. Ein Treffer entschuldigt zehn Nieten. AstraZeneca bleibt trotz des Rückschlags engagiert, um Behandlungsergebnisse für Lungenkrebspatienten zu verbessern. So steht es in der Mitteilung.
Was mich beunruhigt: Wer sitzt in den Aufsichtsräten? Wer bezahlt die Studien? Die „unabhängigen" Datenüberwachungsausschüsse – unabhängig wovon? Unklar bleibt, wie viele der gescheiterten Studien auf ähnlich ungesicherten Annahmen basierten wie die Amyloid-Forschung. Unklar bleibt, welche Interessen in den Aufsichtsgremien verhandelt werden.
Klar ist: Wenn das Fundament der Amyloid-Theorie gefälscht ist, stehen alle darauf gebauten Milliarden unter dem Verdacht der Fehlinvestition. Patienten, die auf wirkungslose Behandlungen warteten, haben keine zweite Lebenszeit.
Jemand verdient an der Krankheit. Ich benenne ihn: Es ist die Struktur selbst. Die Pipeline, die Belohnung, das System, das Scheitern bestraft und Erfolg zelebriert – ohne je zu fragen, ob der Erfolg echt ist.
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