Börse 1937
Terminal Tribune

1. September 2026

Dossier · Energie & Klima

VOR GERICHT GEWONNEN, AN DER WERBETAFEL VERLOREN

1. September 2026 — — Hollis

Über 3.600 Klimaklagen weltweit. Mehr als die Hälfte der höchstrichterlichen Entscheidungen fiel zugunsten des Klimaschutzes aus. Das ist die eine Zahl.

Zeitgenössische Anzeige (Illustration)
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Die andere Zahl: Mehr als ein Fünftel der Werbeanzeigen bei klimarelevanten Google-Suchen stammt von Öl- und Gasproduzenten oder mit ihnen verbundenen Unternehmen. Was vor Gericht gewonnen wird, wird an der Werbetafel wieder zerschlagen.

Ich habe Bohrtürme gesehen. Ich habe Männer gesehen, die nach dreißig Jahren auf dem Feld nicht wissen, wie sie ihre Enkel bezahlen sollen. Und ich habe Vorstandsetagen gesehen, in denen dieselben Konzerne, die ihre Gewinne aus dem Boden pressen, gleichzeitig erklären, wie „unverzichtbar" und „klimaneutral" sie sind.

Zwei Wörter fallen auf: „Eco" und „klimaneutral". Sie stehen auf Plakaten direkt neben der Autobahn. Fossile Firmen geben erheblich mehr aus, um diesen Eindruck zu erzeugen. Sie haben ihre Klimaversprechen stillschweigend aufgegeben. Stattdessen betonen sie nationale Sicherheit, wirtschaftliche Stabilität — „Ohne uns kann man nicht leben".

Das ist Gaslighting. Der Realität ins Gesicht lügen und hoffen, dass alle blinzeln.

BP, Shell, ExxonMobil, Chevron. Sie haben die Tonalität gewechselt. Weg von „Teil der Lösung", hin zu LNG, blauem Wasserstoff, Kohlenstoffabscheidung — verkauft als Klimalösung, obwohl es auf fossilen Brennstoffen basiert. Werbeetats wachsen. Die Bohrlöcher auch.

Draußen zahlt eine alleinerziehende Mutter aus Texas den Preis dieser Strategie. Drinnen zählen sie ihre Budgets. Unklar bleibt, wie viele dieser Urteile wirklich etwas ändern. Klar ist: Die Konzerne reagieren nicht mit weniger Förderung. Sie reagieren mit mehr Werbung.

❖ Ende des Artikels ❖

Prüfbare Behauptungen — 2 von 5 Behauptungen belegt
  1. ZAHL Mehr als die Hälfte der höchstrichterlichen Entscheidungen fiel zugunsten des Klimaschutzes aus

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  2. ZAHL Über 3.600 Klimaklagen wurden weltweit registriert

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

  3. ZITAT Die Kampagnen der Ölkonzerne betonen zunehmend die Notwendigkeit von Gas und Öl für wirtschaftliche Stabilität und nationale Sicherheit

    „Bis zum Jahr 2023 werden Öl und Gas jedoch zunehmend als „dauerhaft, unverzichtbar und wesentlich für die wirtschaftliche Stabilität und die nationale Sicherheit“ dargestellt.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  4. ZITAT Ölkonzernen wird vorgeworfen, Klimaversprechen aufgegeben zu haben, um den Einsatz von fossilen Brennstoffen zu verteidigen

    „Den Ölkonzernen wird vorgeworfen, dass sie ihre Klimaversprechen „stillschweigend aufgegeben“ hätten, um die fortgesetzte Nutzung umweltschädlicher fossiler Brennstoffe zu rechtfertigen.“ — wörtlich im Quelltext belegt

  5. ZITAT Diese Marketingstrategien könnten die öffentliche Wahrnehmung von Energieprodukten beeinflussen und möglicherweise die Energiewende verzögern

    nicht woertlich zuordenbar — die Behauptung ist umformuliert oder findet sich nicht im Wortlaut der angegebenen Quellen; das ist KEINE Aussage darueber, ob sie belegt ist

5 Quellen · 2 davon belegt · 0 externe Belege · 5 prüfbare Behauptungen

Maschinell geprüft: jede Belegstelle wurde wörtlich im Quelltext gesucht. Die Bewertung der Redaktion ist nicht Teil dieser Prüfung.

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