VOR GERICHT GEWONNEN, AN DER WERBETAFEL VERLOREN
Über 3.600 Klimaklagen weltweit. Mehr als die Hälfte der höchstrichterlichen Entscheidungen fiel zugunsten des Klimaschutzes aus. Das ist die eine Zahl.
Die andere Zahl: Mehr als ein Fünftel der Werbeanzeigen bei klimarelevanten Google-Suchen stammt von Öl- und Gasproduzenten oder mit ihnen verbundenen Unternehmen. Was vor Gericht gewonnen wird, wird an der Werbetafel wieder zerschlagen.
Ich habe Bohrtürme gesehen. Ich habe Männer gesehen, die nach dreißig Jahren auf dem Feld nicht wissen, wie sie ihre Enkel bezahlen sollen. Und ich habe Vorstandsetagen gesehen, in denen dieselben Konzerne, die ihre Gewinne aus dem Boden pressen, gleichzeitig erklären, wie „unverzichtbar" und „klimaneutral" sie sind.
Zwei Wörter fallen auf: „Eco" und „klimaneutral". Sie stehen auf Plakaten direkt neben der Autobahn. Fossile Firmen geben erheblich mehr aus, um diesen Eindruck zu erzeugen. Sie haben ihre Klimaversprechen stillschweigend aufgegeben. Stattdessen betonen sie nationale Sicherheit, wirtschaftliche Stabilität — „Ohne uns kann man nicht leben".
Das ist Gaslighting. Der Realität ins Gesicht lügen und hoffen, dass alle blinzeln.
BP, Shell, ExxonMobil, Chevron. Sie haben die Tonalität gewechselt. Weg von „Teil der Lösung", hin zu LNG, blauem Wasserstoff, Kohlenstoffabscheidung — verkauft als Klimalösung, obwohl es auf fossilen Brennstoffen basiert. Werbeetats wachsen. Die Bohrlöcher auch.
Draußen zahlt eine alleinerziehende Mutter aus Texas den Preis dieser Strategie. Drinnen zählen sie ihre Budgets. Unklar bleibt, wie viele dieser Urteile wirklich etwas ändern. Klar ist: Die Konzerne reagieren nicht mit weniger Förderung. Sie reagieren mit mehr Werbung.
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